Full text : Die Verfassungs-Urkunde für den Preußischen Staat vom 31. Januar 1850.

Vormort  zur  1.  AKuflage.

Eine  Erläuterung  der  Preußischen  Verfassungsurkunde  nicht  durch  einzelne
Noten,  sondern  durch  einen  ausführlichen  Kommentar  ist  so  wünschenswerth,
daß  nicht  das  Ob,  sondern  nur  das  Wie  in  Frage  stehen  kann.  Bei  Ausarbeitung
  des  nachstehenden  Kommentars  habe  ich  mich  von  dem  Gedanken
leiten  lassen,  daß  ein  staatsrechtliches  Werk  den  Kreis  seiner  Leser  weiter
stecken  muß,  als  ein  dem  Civil-  oder  Prozeßrecht  angehörendes  Buch,  sich  nicht
bloß  an  Diejenigen  wenden  soll,  welche  als  Beamte  oder  Mitglieder  des  Landtages
  an  dem  Verfassungsleben  der  Gegenwart  selbstthätig  Theil  nehmen,  sondern
  überhaupt  an  Alle,  welche  für  den  Staat  und  seine  Verfassung  das  gebührende
  Interesse  hegen.  Daher  habe  ich  mich  in  erhöhtem  Maße  einer  gemeinverständlichen,
  klaren  und  präzisen  Schreibweise  beflissen  und  das  Material
so  vollständig  vorgeführt,  wie  für  die  Kenntniß  des  Verfassungsrechts  erforderlich
  ist,  ohne  beständig  in  anderen  Büchern  nachschlagen  zu  müssen.  Auf
der  anderen  Seite  bin  ich  stets  eingedenk  gewesen,  daß  die  Verfassungsurkunde
ein  Gesetz,  ihr  Inhalt  Rechtssätze,  ihre  Kommentirung  eine  rechtswissenschaftliche
Arbeit  ist.  Ich  darf  versichern,  daß  ich  nicht  das  Recht  mit  der  Politik  vermischt,
  nicht  politische  Raisonnements  statt  juristischer  Begründungen  gegeben
habe.  Ich  glaube,  daß  in  diesem  Buche  keine  einzige  Zeile  zu  finden  ist,  die
ich  nicht  als  Jurist,  unparteiisch  und  ohne  Vorurtheil,  geschrieben  habe.  Mag
immerhin,  wie  sie  v.  Schulze  nennt,  die  Preußische  Verfassungsurkunde  eine
lex  imperfecta  sein,  so  kann  doch  auch  auf  diesem  Gebiete  die  Wahrheit,  vor
welcher  schließlich  selbst  die  klügste  Lüge  zerstiebt,  nur  Eine  sein.  Sie  zu  finden,
  bin  ich  wissentlich  keiner  Schwierigkeit  aus  dem  Wege  gegangen.

Glückstadt,  am  Neujahrstage  1896.
E.  S.