gemeint, daß die Monarchie den Vorteil der Nation am
besten verstehe, jetzt kam die Theorie auf, die Nation
müsse sich selbst regieren. Jetzt erst bekam die Repräsen>
tationstheorie ihre volle Bedeutung, nachdem sie einen
Staat gebildet hatte; dahin zielten nun alle revolutionären
Bestrebungen der späteren Zeit. Die junge Republik nahm
durch die eigene Propagationsfähigkeit jener Generation
und durch den fortwährenden Zuzug aus Europa einen
ungemein raschen Aufschwung, so daß jetzt die Nordamerikaner
eine der größten Nationen der Welt gewor:
den sind, die unaufhörlich auf Europa einwirkt. Dies
war eine größere Revolution als früher je eine in der
Welt gewesen war, es war eine völlige Umkehr des Prinzipes.
Früher war es der König von Gottes Gnaden, um
den sich alles gruppierte; jetzt tauchte die Idee auf, daß
die Gewalt von unten aufsteigen müsse. Darin beruht der
Unterschied zwischen den alten Ständen und den jetzigen
konstitutionellen Ständen. Jene waren dem Königtum
analog, sie beruhen auf einem gewissen Erbrecht; allein
die modernen Stände gehen aus der Menge hervor. Diese
beiden Prinzipien stehen einander gegenüber wie zwei
Welten, und die moderne Welt bewegt sich in nichts
anderem als in dem Konflikt zwischen diesen beiden.
In Europa war der Gegensatz dieser Prinzipien bisher
noch nicht eingetreten; er kam aber zum Ausbruch in
der französischen Revolution.
3. Die französısche Revolution
In Frankreich war ebenfalls ein Streit ausgebrochen
zwischen der Monarchie und den bisherigen ständischen
und aristokratischen Berechtigungen, zunächst ohne
irgendeinen Bezug auf die eben geschilderten Repräsentationstheorien
zu haben. Die Monarchie Ludwigs XIV.
war mitten aufihrem Wege besiegt worden. Die auf LudwigXIV.
folgenden Fürsten hatten durch ihre Schwäche
ein gewaltiges Faktionswesen im Lande hervorgerufen,
184