Volltext : Reichs-Gesetzblatt. 1905. (39)

bruch  die  ersten  deutschen  Flüchtlinge  aus  Belgien  und  Frankreich
  hier  eintrafen,  denen  dann  im  Laufe  der  Monate  weitere
Scharen  aus  England  und  Rußland  folgten.  Der  Hauptvorstand
  Berlin  organisierte  mit  dem  Roten  Kreuz,  das  diesen
Auftrag  durch  Erlaß  des  Reichskanzlers  vom  8.  Januar  erhielt,
eine  umfassende  Fürsorgetätigkeit,  der  sich  die  meisten  Ortsgruppen
  anschlossen.  Auch  in  Leipzig  kam  es  nicht  zu  einer
getrennten  Tätigkeit  der  Frauenortsgruppe,  da  die  drei  hiesigen
Ortsgruppen  gemeinsam  und  außerdem  Hand  in  Hand  mit  dem
Rate  der  Stadt  und  der  Kreishauptmannschaft  arbeiten.

Um  beurteilen  zu  können,  welche  Mittel  für  die  Flüchtlingsfürsorge
  gebraucht  werden,  muß  man  sich  vergegenwärtigen,
daß  es  sich  dabei  um  Menschen  handelt,  denen  buchstäblich  meist
bis  auf  die  Kleider  am  Leibe  alles  genommen  ist,  die  Lebensstellung,
  ihr  Vermögen,  eine  behagliche  Häuslichkeit.

Die  Behörden,  besonders  der  Rat  der  Stadt  Oeipzig,
stellten  nach  und  nach  große  Mittel  zur  Verfügung,  die  Ortsgruppen
  verwendeten  die  Vereinsgelder,  sie  leiteten  mit  bestem
Erfolge  eine  Sammlung  ein  und  erzielten  durch  Verkauf  des
V.  D.  A.  Kochbuches  einen  Betrag  von  1000  4.  Außerdem
wurde  eine  Bitte  um  Überlassung  von  Kleidungsgegenständen
mit  gutem  Erfolge  veröffentlicht,  die  Mitglieder  spendeten
Mfsbel,  Betten,  Geschirr  u.  dgl.  und  unterstützen  durch  Freiquartiere
  und  Mittagstische.  —  Den  Männern  gelingt  es  in
vielen  Fällen,  Arbeit  zu  finden,  die  Frauen,  deren  Männer  in
den  feindlichen  Konzentrationslagern  sind,  haben  selten  die  Möglichkeit,
  eiwas  zum  Anterhalt  zu  erwerben,  so  daß  dauernde
Lnterstützung  nötig  ist.

49.  Verein  für  Familien=  und  Volkserziehung,
Vorsitzende:  Frau  Dr.  Goldschmidt,  Weststr.  16.  Von  Kriegsbeginn
  an  wurden  dem  N.  F.  bereitwilligst  die  für  seine  tägliche
  Geschäftsführung,  sowie  für  die  abzuhaltenden  Sitzungen
und  Versammlungen  nötigen  Räume  in  der  Hochschule  für
Frauen,  Königstr.  20,  zur  Verfügung  gestellt.  Außerdem  hat
er  200  freiwillige  Helferinnen  für  Lazarette,  in  Verbindung  mit
dem  Roten  Kreuz,  praktisch  und  theoretisch  unentgeltlich  ausgebildet,
  wofür  namentlich  den  Herrn  Dozenten  der  Hochschule
Dank  gebührt.  Er  hat  ferner  in  seinem  Hause,  Weststr.  16,

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