188 Der rhythmische Ton.
Der Wortfuß - kommt dagegen im Deutschen häufig
vor, tapferer, blühender. Demnach ist auch dieser Versfuß dem
Deutschen angemessen. In der That haben daktylische Verse
eine sehr angenehme Bewegung.
Es kommen nun, namentlich durch Zusammensetzungen, viele
Wortfüße vor, die mehr als drei Silben haben. Demnach
könnten auch vier= und mehrsilbige Versfüße vorkommen. Allein
diese lassen sich alle in zweisilbige und den einen dreisilbigen
Versfuß auflösen, und müssen darin aufgelöst werden, wenn
man, wie es richtig ist, in jedem Versfuß nur eine schwere
Silbe annimmt.
Von allen den Versfüßen, welche die griechische Metrik
kennt und nennt, bleiben im Deutschen also nur drei übrig.
Jambus — .
Trochäus —.
Daktylus -——.
Aus diesen Versfüßen lassen sich alle deutschen Versmaße
bilden, alle deutschen Versmaße lassen sich in diese auflösen.
Versbildungen, bei welchen das nicht möglich ist, sind dem
Geiste des deutschen Rhythmus zuwider.
§ 78. Da es nicht Zweck dieses Buches ist eine Verslehre
zu liefern, so müssen diese Andeutungen über die wesentlichsten
Punkte des Verses genügen.
Man hat nun zu untersuchen wie sich schwere und leichte
Silben im Verse verhalten und ob durch den Vers das rhythmische
Verhältnis geändert oder überhaupt betroffen wird.
Die schweren Silben bilden die Arsis, die leichten die
Thesis des Verses. Soweit ist das Verhältnis sehr einfach.
Allein es handelt sich hauptsächlich um die Geltung der vielen
schwankenden Silben. Wie oben angezeigt wurde wird die
Geltung der schwankenden Silben durch ihre Stellung bestimmt,
indem schwere Silben die schwankenden drücken, leichte sie heben.
Im Verse nun wirkt das Taktgefühl bedeutend
auf diesen Umstand mit ein. Das Taktgefühl besteht ja
Substantive, so werden diese dreisilbig und wenn der Hauptton bliebe,
würden Anapästen entstehen. Allein hier ändert die Sprache den
Hauptton und legt ihn auf das Vorwort. „uUnterricht, Widerspruch, Überfall,
Unterhalt, Unterschrift, Unterschied, Übersicht.“ Das ist einer der schlagendsten
Beweise wie der rhythmische Geist der Sprache lebendig ist und sich
gelend mach. Und diesem Geist zuwider wollte man anapästische Versmaße
machen