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Für seinen Plan, erklärte Hr. Ostendorf, spreche die Natur
der Dinge., Das Interesse der Schüler, worauf bei dem Unterricht
so viel ankomme, werde bei neunjährigen Knaben mehr durch eine
neuere Sprache als durch das Lateinische geweckt. Die Aussprache-Uebungen,
die in späteren Lebensjahren nur ermüdend seien, hätten
in jenem Alter etwas sehr Bildendes; sie gewöhnten an Aufmerk—
samkeit, Ordnung, Nettigkeit, und wirkten günstig auch auf die
Aussprache des Deutschen zurück; die französischen Vocabeln erlernten
sich leichter und sicherer als die lateinischen; denn im französischen
Unterricht könne man im Anfangsunterricht stets an Dinge
anknupfen, welche der Schüler kenne, vielleicht gerade vor Augen
sehe; im lateinischen Unterricht lasse sich dies nur in beschränktem
Maße durchführen. Die Formenlehre der französischen Sprache sei
für den neunjährigen deutschen Knaben bildender als die der lateinischen,
und die Syntax der ersteren mindestens ebenso bildend als die
der letzteren. Man müsse sich nur klar machen, was der grammatische
Unterricht in einer fremden Sprache bei einem neunjährigen Knaben
zunächst bezwecke. Die Formenlehre folle nicht etwa den Scharfsinn
üben; dafür wirkten andere Unterrichtsgegenstände, namentlich in
den späteren Schuljahren. Sie habe den Zweck, denken zu lehren;
in den Wortformen seien Denkformen eingeschlossen. Folglich seien
für den Knaben nicht blos alle Unregelmäßigkeiten, sondern auch
alle Verschiedenheiten der Wortform für dasselbe Gedankenverhältniß
werthlos. Fünf Declinationen und vier Conjugationen hätten
durchaus nicht mehr bildende Kraft als Eine Derlination und
Eine Conjugation haben würden; im Gegentheil, eine solche Fülle
von Formen könne den Knaben nur verwirren oder nehme
wenigstens seine Aufmerksamkeit zu sehr für die Form in Anspruch,
als daß er zu den darin eingeschlossenen Gedanken durchzudringen
vermöchte. Der Mangel an jeder Declinatien in den romanischen
Sprachen sei für den deutschen Knaben kein Nachtheil; er finde in
jenen Sprachen Subject und Object durch die Stellung unterschieden,
sehe Genitiv und Dativ durch Vorwörter ausgedrückt und
müsse sich nun auf die Form in seiner Muttersprache besinnen; so
dringe er in die Bedeutung dieser Formen ein und lerne denken,
während bei dem Uebersetzen aus dem Lateinischen und in das
Deutsche fast die ganze Aufmerksamkeit des Schülers durch die
fremden Formen in Anspruch genommen werde, bei denen er sich
jiächst nichts denke. Die Conjugation der romanischen Sprachen
ei weit bildender als die der lateinischen; letztere fasse Aorist und
Perfectum in Eine Form zusammen, desgleichen Conjunctiv und
Conditionalis; erstere unterscheide in der einen wie in der anderen
Hinsicht. »
-.Umtechtbildendszusein,sfurHr.Ostendorfforhmüßten
die Formen einer fremden Sprache einerseits einfach, andererseits