Full text : Rosenheimer Anzeiger. 62. Jahrngang (62)

Uummer  62

schließt  —T  würdig  der  Beschießung  der  Spitäler
  i#  Eörz  und  Novereto  an.  Einstweilen
ist  noch  nicht  bekannt,  unter  welcher  Flagge  das
seindliche  U.  Boot  fuhr.

*  .
Dust-tatst
Abzug  der  Franzosen  von  Saloniki?

Wien,  19.  März.  Das  „Neue  Wiener  Journai“
  erfährt  aus  Salonili:  Entsprechend  den
Veratungen  in  Calais  wurde  dem  General  Sarrail
  der  Befehl  erteilt,  die  vor  Saloniki  vorgeschobenen
  Truppen  zurückzuziehen  und  aile
Manmnschaften,  die  dort  nicht  nolwendig  sind,
nach  Frankreich  zu  senden.  Da  jedoch  nicht  genügend
  Transportschifse  vorhanden  sind,  wird
der  Transport  ziemlich  lange  dauern;  immerhin
  befinden  sich  bereits  mehrere  Tausend  Franzosen
  auf  der  Heimfahrt.  Auch  General  Sarrail
  wurde  nach  Franlreich  zurückbeordert;  er
uird  sich  aber  noch  so  lange  in  Saloniki  aufhalten,
  bis  die  Befestigungswerke  so  weit  in
Sland  geseh#t  sind,  daß  seine  Anwesenheit  nicht
uneriählich  ist.  (J.)

Neue  llebergrifse  der  Entente  auf
ytilene.

Athen.,  19.  März.  Aus  Mptilene  wird  gemeldet:
  Als  Antwort  auf  die  Forderung  der
Kriechischen  Regierung,  die  wegen  einer  Schlänerei
  zwischen  franzbsischen  und  griechischen
Mannschaften  internierten  griechischen  Soldaten
freizulassen,  lietz  der  franzosische  Admiral  Gousset
  sowohl  diese  Soldaten  als  auch  die  unter
dem  Vorwand  der  Spionage  verhasteten  griechischen
  Bürger  an  Vord  eines  französischen
Kriegsschisses  bringen  und  mit  unbekanntem  Bestimmungsort
  abtransportieren.  Dieser  Vorfall
erregt  hier  große  Empörung.  (34.)

M  riel  im  Bemmes.

Das  Ringen  im  Naukasus.

Konstantinopel,  19.  März.  Amtlich
wird  u.  a.  llargelegt:  In  ihrem  Bericht  vom
29.  Felrnar  1916  und  in  den  folgenden  Berichten
  stellen  die  Russen  die  Einnahme  von  Ergerum
  als  einen  großen  Sieg  dar  und  sprechen
mit  Prahlerei  von  der  Bedeutung  dieses  von
ihnen  für  sehr  modern  gehaltenen  fesien  Platzes.
Wir  aler  erklären  entschieden,  daß  Erzerum
eigentlich  kein  befestigter  Platz  ist,  daß  die  Bodenbeschaffenheit
  es  nicht  gelstattet,  die  Stadt
als  seiten  Platz  zu  benũtzen  und  daß  wir  es
unsererseits  nicht  sür  nützlich  hielten,  Erzerum
itärler  4+n  lefestigen,  als  es  seiner  Natur  entfrricht.
  Die  Talsache  allein,  daß  mir  hinter
den  zerfallenen  Mauern  der  Stadt  eine  große

Rall  aller  Kanonen,  ehrwürdige  Uekerreste  aus
dem  türlisch  russischen  Feldzug  des  Jahres  1876,
zurückgelassen,  und  daß  sich  dort  Ledensmittel
ur  nur  zmei  Tage  befunden  haben,  beweist  unumilößlich,
  daß  wir  nicht  die  Absicht  hatten,
Erzerum  als  festen  Platz  auszunützen.  Was
die  Russen  mit  großem  Pomp  als  moderne  Festung
  bezeichnet  haben,  besteht  aus  einigen  in
12  Kilometer  Entsernung  von  Erzerum  angeleglen
  Feldverschanzungen,  und  die  mächtige  Arlillerie,
  von  der  sie  sprechen,  besleht  aus  unlespannten
  Kanonen,  die  wir  im  Stich  ließen,
nachdem  wir  sie  unbrauchbar  gemacht  hatten.
Entgegen  den  Behauptungen  der  Russen  hat
leine  offene  Feldschlacht  in  der  Umgebung  Errerums
  haltgefunden  und  in  keinem  Abschnitt
haben  die  Russen  eine  Artillerievorbereitung
cingeleitet.  Trotzdem  gelang  es  ihnen  nicht,  wie
sie  behaupten,  sich  in  fünf  Tagen  Erzerums
u  bemaächtigen,  sondern  erst  nach  örtlich  gelrennten
  Kämpfen  in  der  Dauer  von  einem
Monat.  Obwohl  unsere  Armee  den  Platz  zwei
Tage  und  unsere  Nachhuten  einen  Tag  vorher
geräumt  haben,  sind  die  Russen  erst  am  Tage
darauf  in  die  Sladt  eingezogen.  Wir  haben  in
der  Stadt  nur  3000  Schwerlranke  zurüdgelassen.
Zeit  unserer  Näumung  von  Erzerum  und  unserem
  NRückzug  in  neue  Slellungen  bis  zum  heuligen
  Tage  haben  die  Russen,  die  noch  unter
der  Nachn  irkung  ihrer  schweren  Verluste  stehen,
leine  Bewegung  von  irgendwelcher  Tragweite
ausführen  lönnen.  Unser  linker  und  rechter
Flügel  sind  insolge  der  neuen  Lage  gleichfalls
auf  Befelll  in  die  für  sie  vorgesehenen  Stellungen:
  zurückgegangen,  indem  sie  in  einigen  Abschnittem
  einige  unbedenlende  Nachhutgesechte
lieserten,  in  anderen  Abschnitten  ohne  über-•2
  einen  Flintenschuß  abgegeben  zu  haben.
Gegenwärtig  hält  unsere  Armee  die  Stellungen
lesetzt,  welche  sich  von  dem  Teil  des  linken  Flugels
  von  Bitlis-Musch-Aschkalee  bis  zu  den
Stellungen  erstrecken,  nelche  sich  einige  Kilometer
  Westlich  von  Ispir  und  Rize  befinden.
Wir  sæs  sicher,  daß  unsere  Truppen  Beweise
derselben  militärischen  Tugenden  geben  werden,
sobald  wir  inolge  einer  Aenderung  der  Lage,
die  sich  jeden  Tag  mehr  zu  unseren  Gunsten  gestaltet,
  zur  Ossensive  ükergehen  werden.  Unsere
Armee  ist  srei  von  all  den  Maleln,  welche  ihr
Verleumder  andichten  wollen.

Aus  Mesopotamien.

«  Rotterdam,  19.  März.  Die  englischen
Teilungen  erinnern  daran,  daß  es  jetzt  hundert

 

T  Aosenheimer  Anzeige  -

Tage  sind,  daß  General  Townshend  in  Kutel
  Amara  von  den  Türlen  belagert  wird  und
daß  es  den  britischen  Entsatztruppen  nicht  gelungen
  ist,  Fortschritte  zu  machen.  Auf  eine
Anfrage  antwortete  Lloyd-George,  daß  es  nicht
wunschenswert  sei,  jetzt  schon  die  Gröhe  der
Verluste  in  Mesopotamien  bekannt  zu  geben.

(3

2  2
Portingal.
Die  Zustände  in  Portugal.

Budapest,  19.  März.  Der  Berichterstatter
des  „Pester  Lloyd“  herichtet  aus  Badajoz  in
Portugal,  daß  blutige  Zusammenstöße  zwischen
interventionistischen  Elementen  und  Kriegsunwilligen,
  die  eine  bedeutende  Mehrheit  im  Lande
haben,  in  Portugal  an  der  Tagesordnung  sind.
Die  Territorialarmee  sprach  sich  in  wiederholten
Kundgebungen  gegen  jede  kriegerische  Unternehmung
  an  Seite  Englands  aus.  Um  in  Lissabon
  Militärrevolten  zu  unterdrücken,  ist  als  Vertrauensmann
  des  englischen  Gesandten  der  belaunte
  und  gefürchtete  General  Pereira  d'Ecas
zum  Gouverneur  ernannt  worden.

Berichiedene  Nachricheen.

Berlin,  19.  März.  Ein  kleines  Vermögen
ist  vom  Amtzgericht  Verlin-Mittie  für  den  Verwalter
  im  Konlurse  W.  Wertheim  sestgesetzt
norden.  Es  handelt  sich  um  den  Konkursverwalter
  Hardegen,  dem  das  Gericht  nicht  weniger
als  90  10000  Mk.  für  seine  Täligkeit  zugesprochen
hat.  In  dieser  beträchtlichen  umme  sind  die
Auslahen  noch  nicht  einmal  mit  einbegriffen.

Köln,  19.  März.  Die  Gulaschkanone  scheint
jeczt  ihren  Einzug  auch  in  die  Städte  zu  halten.
In  Köln  a.  Rh.  Nat  sie  es  schon  getan.  Dort
sährt  sie  stolz  mit  der  weithin  sichtbaren  Bezeichnung
  „Stadllüche“  durch  die  Altstadt.  vo
zahlreiche  Arbeiter  wohnen.  Sie  erscheint  in
der  Zeit  von  1112:  bis  1  Uhr  mittags  und  von
612  bis  8  Uhr  abends  in  drei  Eremplaren  auf
der  Strahße.  Sowie  die  Klingen  ri  komP
men  Frauen  und  Kinder,  für  2  g.  gibt  es
eine  Liter-Portion  des  Lalr  i#lse  Fr-  arbeitende
  Frauen  und  Männer,  die  nicht  nach
Hause  gehen  können,  ist  die  Einrichtung  recht
vorteilhaft.  Sie  soll  auch  in  anderen  Städten
versucht  merden.

önl-  udb  Persenalnachrichten.

München.  19.  März.  Der  König  hat  dem
Hauptmohlfsahrtsausschuß  München,  Abteilung
für  Verbilligung  von  Lebensmitteln,  und  der

Landessammellielle  der  bayerischen  Kriegeinvalidenfürsorge
  je  eine  Spende  von  10000  M.
überwiesen.

München,  19.  März.  In  einer  Badewanne
des  Müllerschen  Volksbades  wurde  gestern  spät
abends  ein  25  jähriger  Schreiner  tot  aufgesunden;
  er  war  einem  Herzschlag  erlegen.  Die

Leiche  wurde  in  den  Ostfriedhof  gebracht.

Grenzlande.

Kufstein,  19.  März.  Neben  der  Fürsorge
für  unsere  Krieger  und  deren  Angehörigen  hat
der  vaterländische  Geist  in  Kufstein  eine  neue
Stätte  auch  vollswirtschaftlich  nicht  unbedeutsamer
  Wirksamkeit  gefunden.  Am  14.  März
sand  im  Sitzungssaale  des  Rathauses  die  gründende
  Versammlung  des  Vereins  Tiroler  Heldendank
  statt  zur  Errichtung  von  Kriegerheimstälten
  im  Bezirle  Kufstein  und  zur  Förderung
von  Kriegerheimstätten  in  Tirol.  Die  Grundsätze
  des  Vereins  fanden  volle  Zustimmung,  und
die  Pläne  von  Kriegerheimstätten,  welche  Zimmermeister
  Gg.  Pirmoser  geschaffen  hat,  wurden
  Keisallig  ansgenommen.  Die  Wahlen  in
den  Vorstand  hatten  folgendes  Ergebnis:  Vorsitzender
  Ed.  Lippott,  Schriftführer  Oberrevident
  Julius  Holzer,  Schagmeister  Anton  Reel.
Ueber  die  Aufgaben  des  Vereins  soll  eine  ausführliche
  Drudschrift  näheren  Ausschluß  geben.
in  welcher  u.  a.  auch  die  angestrebte  Erwerbs-Mmöglichkeit
  der  Kriegoinvaliden  durch  die  dem
Tiroler  Heldendank  angegliederte  Versuchsstation
für  Pflanzenlau  besprochen  werden  und  die
Pläne  der  hiesigen  Heimftätten  Aufnahme  finden
  sollen.  Da  mit  dem  Bau  von  einigen  Kriegerheimstätten
  in  nächsier  Zeit  begomen  werden
  soll,  ist  Kufstein  in  Tirol  wiederum  mit
gutem  Beispiel  vorangegangen.  Es  ist  zu  wünschen,
  daß  die  allseitige  Unterstützung  nicht  ausbleibt


 

 

 

 

Daveriches  Sderlend.

Vrannenburg,  19.  März.  Der  greise  Koglervater
  Sirtus  Lechner  ist  im  hohen  Alter  von
80  Jahren  gestorben.  Herr  Lechner  war  über

3  Jahre  Kirchenpfleger  und  gehörte  volle  40
Jahre  dem  Gemeindeausschuß  an.

mühldorf,  19.  März.  Die  Kriegsanleihezeichnungen
  ergeben  bis  heute  nach  den  Mit
G  der  hier  und  i  in,  der  Umgebuna  tätigen

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bei  der  letzten  dritten  Anleihe.  Die  Filiale  der
Bayer.  Handelsbank  hier  hegt  die  bestimmte
Erwariung,  daß  sie  diesmal  auf  das  Doppelte
kommt.

Traunstein,  19.  März.  Ein  8  Unfali
ereignete  sich  in  Stein  a.  Tr.  Als  der  bei  der
Gräfl.  Gutsverwaltung  Stein  sell  bielen  Jahren
bedienstete  Franz  Kleinschwärzer  mit  einem
Bierfuhrwerk  heimwärts  fuhr,  scheuten  die  beiden
  Grauschimmel  an  dem  von  Traunstein  kommenden
  Abendzug.  Das  Leitseil  ritz  und  die
Pferde  rannten  gegen  das  Bahngleise,  wobei
der  Wagen  in  den  Straßengraben  geriet,  umstürzte
  und  Kleinschwärzer  den  Brustkorb  eindrüdle.


Dummes  nud  Krummes.
Von  Dr.  Georg  Heim.  *n
In  Geldsachen  kennt  sich  der  Bauer  nicht  aus.

„  J
Was  er  erspart,  steckt  er  wieder  in  seine  Wirtschaft,
  oder  er  trägt  es  auf  die  Sparkasse  (zum
Darlehenskassenverein,  zur  Distriktssparkasse),
oder  er  tauft  sich  einen  „Brief  mit  Wapperl“,
darunter  versteht  er  einen  Pfandbrief  oder  ein
bayerisches  Staatspapicr.  So  ist',  recht  und  so
soll  er's  machen!

Es  gibt  alierdings  auch  schon  auf  dem  Lande
ganz  Gescheite,  die  es  besser  zu  verstehen  glauben
  wie  alle  anderen,  die  bei  ihrer  Geldanlage
nicht  auf  die  Sicherheit,  sondern  nur  auf  die
hohen  Zinsen  sehen.  Da  werden  dann  Industriepapiere
  gekauft  und  Wertpapiere,  außerdeutsche
  Staalen=  und  Städteanleihen,  Eisenbahnanleihen
  usw.;  da  blieben  schon  oft  die
Zinsen  aus  und  schließlich  war  das  Kapital  verloren.
  Da  gilt  auch  das  Wort:  Bleib’  im  Land
und  nähr'  dich  redlich!

Bei  einem  deutschen  Wertpapier,  d.  h.  an  der
Schuldverschreibung  des  RNeiches  oder  eines
deutschen  Staates,  hat  in  100  Jahren  noch  niemand
  vergeblich  auf  die  Zinsen  gewartet.

Dam  kommt  wieder  eine  Klasse  von  Siebengescheiten,
  das  sind  jene,  die  heute  noch  des
Glaubens  sind,  am  besten  sei  das  Geld  aufgehoben
  zu  Hause  in  der  Truhe  oder  im  Strohsack.
  Man  jollte  es  nicht  „Llauben,  das  es
heute  noch  auf  dem  Lande  Leute  gibt,  die  ihr
Geld  zu  Hause  liegen  lassen  und  auf  die  Zinsen
verzichten,  wo  es  soviele  Möglichkeiten  gibt,
Spargeld  sicher  und  verlässig  anzulegen.  Wie
oft  sund  solche  Geldsäcke  schon  von  Dieben
ausgeplündert  oder  durch  Brand  zerstört  worden!


Als  vor  ungefähr  15  Jahren  gewisse  Taler
außer  Kurs  gesetzt  wurden,  hat  ein  Bauer  im
Bayerischen  Wald  bei  seinem  Pfarrer  vertraulich
  angefragt,  ob  sein  Silbergeld  zu  Hause  auch
an  Wert  verlieren  würde.  Beim  näheren  Ausfragen
  kam  der  Pfarrer  dahinter,  daß  der  Silberschatz
  des  Bauern  aus  Munzen  (Gulden,
Kronentaler,  Marientaler  usw.)  besland,  die
dortmale  schon  ca.  30  Jahre  keinen  Kurswert
mehr  hatten.  Man  denke  sich,  daß  in  diesen  30
Jahren  dieses  Geld  auf  Ziusen  angelegt  sich
nahezu  verdreifacht  hätle.  So  aber  war  das  Silber
  fast  um  die  Hälfte  entwertet.

Das  ist  die  Hartgelddummheit,  und  diese
Dummheit  tritt  besonders  jetzt  wieder  zutage.
Es  gibt  Leute,  die  glauben,  wenn  sie  während
der  Kriegozeit  möglichst  viel  Harigeld  im  Haus
haben,  seien  sie  besser  daran,  wie  andere.

Die  größte  Dummheit  ist  die  Golddummheit.
Es  gibt  Leute,  die  glauben,  sie  wären  mit  möglichit
  viel  Gold  im  Hause  besser  vorgesehen,
als  wenn  sie  Papiergeld  haben.  Gold  u.  Papier
  haben  aber  den  gleichen  Wert  und  käme
das  einmal  anders,  dann  würde  diesen  Leuten
das  Gold  und  das  Hartgeld  auch  nichts  helfen.
Aber  diese  Gold=  und  Hartgelddummdeit  richtet
großen  Schaden  an,  ohne  den  Dummerln  zu
nützen.

Welche  Auffassungen  in  den  Kôpfen  bestehen.
dafür  ein  Erlebnio  aus  der  allerletzten  Zeit.
Ein  Bauer  verlaufte  an  einen  Viehhändler  einen
Ochsen.  Der  Handel  war  sertig.  Der  Verläufer
war  mit  dem  Preis  von  1300  Mark  zufrieden.
Als  ihm  der  ausbedungene  Kaufpreis  in  Scheinen
  von  dem  Händler  auf  den  Tisch  gelegt  wurde,
  erklärte  der  Bauer,  er  würde  ihm  100
Mark  nachzahlen,  wenn  er  ihm  die  Kaufsumme
in  Silber  auszahle!  Der  Händler  fuhr  in  die
nächste  Stadt  und  lam  zwei  Stunden  später  mit
1200  Mark  Silber.  Er  erhielt  den  Ochsen  nicht
um  1300  Mark,  sondern  um  1200  Mark.  Nun
lann  sich  aber  der  Bauer  mit  den  1200  Mark
in  Silber  nicht  mehr  kaufen,  wie  um  1200  Mark
in  Papier  und  seine  Dummheit  hat  dem  Händler
einen  weiteren  Prosit  von  100  Mark  gebracht.

Jetzt,  wo  zur  Zeichnung  für  die  4.  Kriegs.
anleihe  aufgefordert  wird,  wird  auch  wieder
alles  mögliche  dumme  Zeug  verbreitet.  Nach
der  Zeichnung  der  ntein  dauert  es  einige  Monale,
  bis  die  Stücke,  d.  h.  bis  die  Schuldverschreibungen,
  die  man  für  seine  Zeichnung  bekommt,
  verschickt  werden  können.  Damit  ist  sehr
viel  Arbeit  verbunden.  Nun  gibt  es  Leute,  die
glauben,  weil  manche  ihre  Schuldverschreibungen
  für  die  von  ihnen  gezeichnete  3.  Kriegsanleihe
  noch  nicht  bekommen  haben,  ihr  eingezahles
  Geld  wäre  in  Gefahr.  Man  sollte  so  was
nicht  für  möglich  halten,  aber  es  ist  so.  Bei  je- 



 

Dienstag,  21.  März  1916

der  Postanstalt,  bei  jedem  Darlehenskassenverein,
  bei  jeder  Sparkasse,  bei  den  großen  landwirtschaftlichen
  Zentralgenossenschaften,  bei  jeder
Bank  kann  gezeichnet  werden.  Wenn  einer,  der
zur  3.  Kriegsanleihe  zeichnete,  sein  Stück  noch
nicht  hat,  so  darf  er  vollständig  deruhigt  sein,
er  wird  es  eines  Tages  bekommen;  gerade  in
den  letzten  Tagen  sind  wieder  Zustellungen  erfolgt.
  Bei  unserer  Zentralgenossenschaft  in  Regensburg
  sind  auch  mehrere  Millionen  gezeichnet
  worden.  Wir  übernehmen  mit  unserem  ganzen
  Vermogen  die  volle  Haftung,  daß  jeder,
der  gezeichnet  hat,  auch  sein  Stück  bekommt.

Eine  andere  Dummheit  wird  landauf,  landab
von  anderen  Siebengescheiten  kolportiert.  Der
Krieg  würde  eher  enden,  wenn  lein  Geld  gezeich
net  würde.  Die  Siebengescheiten  haben  leider
recht.  Wenn  es  nämlich  nach  ihren  Kopfen
ginge,  wäre  der  Krieg  sehr  bald  zu  Ende.  Aber
das  wäre  eine  Kur  nach  Dr.  Eisenbart.  Wir
hätten  den  Feind  im  Land  und  dann  wäre  es
mit  dem  Hartgeld  und  dem  Gold  aus  dem
Strohsack  und  der  Truhe  Matthäi  am  letzten.
Dann  würde  es  gehen  wie  in  Ostpreußen,  woa
von  manchen  Ortschaften  bis  auf  die  Brankmauern
  nichts  mehr  ubrig  blieb,  Kirchen  und
Schulen  und  alle  Häuser  zerstort  wurden,  woa
von  3000  Haushaltungen  der  Hauerat  plonmäßig
  zerstort  oder  nach  Rußland  verschlepot
wurde,  2000  Zivilpersonen  umgebracht,  400.
fortgeschleppt  wurden,  darunter  viele  arme  Merschenlinder,
  von  denen  heute  niemand  weiß,  mar
aus  ihnen  geworden  isl.  Eine  Viertelmillion
Fluchtlinge  lebten  in  ganz  Deuischland  zer
streun.  Kein  Sitiuckchen  Vieh.  keine  Maschine.
kein  Vorrat  von  Getreide  oder  Heu,  Kartoffelr.
Stroh  wurde  geschont.  Was  nicht  fortgeschlepp:
wurde,  wurde  verbrannt  und  zerstort.  Die  Siebengescheiten,
  die  so  daherreden  und  einen  sol.
chen  Glauben  verbreiten,  sind  Vaterlandsverräter.


Nur  die  Stärke  lann  den  Krieg  gut  beenden.
nicht  die  Schwäche!  Das  gilt  besonders  von  der
Ausrustung  des  Reiches  mit  Geldmitteln,  denn
zum  Kriegfuhren  gehört  dreimal  Geld.  Wie
einer  sein  Scherflein  beitragen  kann,  das  weiß
jeder.  Der  Pfarrer,  der  Lehrer  in  seinem
Dorse  llären  ihn  gerne  auf.  Fast  in  jedem
Dorfe  ist  eine  Darlehenskasse.  Unsere  Mitglieder
  wissen,  daß  unsere  Landwirtschaftliche
Zentralgenossenschaft  Regensburg  Zeichnungen
in  jedem  Betrage  entgegennimm  und  durchaus
vertraulich  behandelt.  Riemand  erfährt  davon.
wieviel  einer  gezeichnet  hat.  Wenn  einer  zeichnet,
  braucht  er  nicht  sofort  die  ganze  Summe
einzuzahlen.  Die  Landwirtschaftliche  Zentralge
nossensckhaft  der  Baycrischen  Bauernvereine  in
Regensburg  gewährt  folgende  Zahlungserleichterungen:
  35  Prozent  der  gezeichneten  Summe
sind  am  18.  April  einzuzahlen,  15  Proz.  jeden
weiteren  Monat,  sodaß  erst  bis  30.  Seplember
de.  J.  alles  bezahlt  sein  muß.  Natürlich  kann
ab  31.  März  der  gezeichnete  Betrag  auch  voll
einbezahlt  werden.

Macht  Gebrauch  davon!  Was  hhr  gahlt.
kommt  erch  selbit  zugute.  Was  ihr  zahlt.  wird
euch  verzinst,  und  so  gut  ihr  einen  Pfandbrief
wieder  verkaufen  könnt.  könnt  ihr  später  einmal,
  wenn  ihr  Geld  benötigt,  die  Schuldverschreibungen
  des  Reiches  verkaufen.  Wenn  der
Feind  ins  Land  käme,  würde  in  erster  Linie
das  flache  Land  leiden.  In  den  Dörfern  und
auf  den  Fluren  der  Bauern  spielt  sich  der
schkreckliche  Kampf  ab.  Jede  Mark  Kriegsan.
leihe,  die  ihr  zeichnet,  ist  ein  Beitrag  zum
Schutz  von  Haus  und  Hof.

Und  ich  wiederhole  es:  In  hundert  Jahren
hat  noch  kein  deutscher  Staat  seine  Gläubiger
um  einen  Pfennig  Geld  gebracht!“

 

Rosenheim,  20.  März.

Besorderungen.  Bizefeldwebel  d.  Rei.
Karl  Hupfauer,  Sohn  des  Bezirksoberlehrere
Hupfanuer  von  hier,  wurde  zum  Leutnant  d.  Rei.
der  Fuharlillerie  befordert.  Leutant  Hupfaner
trat  zu  Kriegsbeginn  als  Freiwilliger  ein  und
sleht  seit  Dezember  1914  im  Felde.  Der  Offl.
zieritellvertreter  Johann  Birndorfer  des  Garnison-Bat.
  Nr.  1  wurde  zum  Feldwebelleutnan:
befordert.  *à
Todesfall.  Am  Samstag  traf  aus  Mun
chen  die  Nachricht  ein,  daß  dort  der  frühere  Be
zirtsaret  von  Rosenheim.  DHerr  Medizinalrei
Dr.  Alfons  Auer,  gestorben  ist.  Bercits  im
Jahre  1875  zum  Arzt  approbiert.  war  Herr
Dr.  Auer  zuerit  Assistent  im  Nürnberger  Kran
leuhau  und  mirkie  dann  fast  20  Jahre  lang
als  praktischer  Arzl  in  Waldsassen.  Heir  Dr.
Auer  war  Oberstabsarzt  d.  R.  a.  D.  und  war
bereite  seit  dem  Jahre  1896  als  Amtsarzt
tätig,  zuerst  in  Köhting  und  dann  neun  Jahre.
und  zwar  von  1900  bis  190  in  Bad  Albling.
Vor  sechs  Jahren  wurde  Herr  Medizinalrat
Dr.  Auer  als  Nachfolger  von  Dr.  Burkhard
Bezirlsarzt  in  Rosenheim;  dieses  Amt  versah
er  bis  zum  Jahre  1915,  bis  ihn  ein  schwere-Leiden
  zwang,  von  seinem  Beruf  Abschico  zu
nehmen.  In  der  Folge  übersiedelte  er  nach
München,  konnte  sich  aber  nur  kaum  ein  Jahr
noch  der  Ruhe  erfreuen.  Sein  Herzleiden,  das
in  den  letzten  Jahren  schon  sich  siark  fühlbar
machte,  führte  jezt  jeinen  Tod  herbei.  Herr