290 Drittes Buch. Der Eintritt in die europäische Volitit.
(geb. 1. 11. Juli 1657 zu Königsberg) beeinträchtigt. Das Miß—
trauen begen die Stiefmutter, das die Verwandten seiner
oranischen Mutter und späterhin die welfischen Schwiegereltern
nährten, hatte auch das Verhältnis zum Vater gestört. Daß
dieser ihn den Geschäften fern hielt, ja bei der leidigen Heimlichteit
seiner oft nur auf den Schein berechneten Politik fern
halten mußte, galt ihm als Bestätigung des ihn erfüllenden
finsteren Verdachtes. Ist doch bei Erwägung der Zukunft von
Haus und Staat augenscheinlich mit seinem vermuteten frühen
Ende gerechnet worden. Kein Wunder also, daß der Prinz,
dessen schwächliche, etwas verwachsene Gestalt neben der männlichen
Schönheit des Vaters und den in Gesundheit blühenden
Stiefbrüdern gar kümmerlich erschien, sich nicht gebührend gewürdigt,
an dem ihm zustehenden Platze bedroht fühlte; daß
er sich schen zurückzog, in der Politik weder seine zustimmende
noch seine abweichende Meinung geltend machte und daher von
des Vaters Gegnern als einer der Zhrigen angesehen wurde,
ganz ähnlich, wie es einst dem Vater am Hofe Georg Wilhelms
gegangen war. Daran nahm dann wieder der Vater Anstoß,
und so entstand jene Entfremdung, jenes bitterböse Mißtrauen,
das bei des kurfürstlichen Paares Abneigung gegen die liebreizende,
aber als echte Welfin frühe zur politischen Intrigue
geneigte hannoversche Schwiegertochter durch unentschuldbare
beleidigende Reden des gallichten alten Herrn und die nicht
minder unentschuldbaren Verdächtigungen, zu denen gewissenlose
Klatschereien den Tod des Markgrafen Ludwig benntzten, endlich
den Konflikt des Jahres 1687 herbeiführte. Um einen
politischen Gegensatz zwischen Vater und Sohn hat ee sich dabei
nicht gehandelt. Ein solcher war auch sonst nicht vorhanden.
Denn selbst bei Unterzeichnung des Reverses wegen Schwiebus
erstrebte der Kurprinz doch nicht ein anderes Ziel als der Vater,
sondern meinte nur die Erreichung des auch von jenem gewollten,
die der geforderte hohe Preio zu gefährden schien,
rechtzeitig zu sichern. Gerechtfertigt wird seine Handlungsweise
dadurch nicht. Aber trifft nicht eine gewisse Verantwortung
auch den Vater, der zu einer Zeit, wo jeder Tag den Thronwechsel
bringen konnte, den Nachfolger nicht ins Geheimnis