Full text : Gesetze und Verordnungen über Elementarunterricht und Fortbildungsunterricht im Großherzogtum Baden.

82  II.  Gesetz  über  den  Elementarunterricht.

Unterlehrer  anzustellen  sei,  uämlich  im  Hauptort  der  Hauptlehrer  und  im  Nebenort
der  Unterlehrer.  Diese  Rechtsauffassung  wendete  man  zuerst  nur  auf  Schulen  an,
deren  gesamter  Aufwand  von  der  Staatskasse  getragen  werden  mußte,  z.  B.  Weilheim—Dietlingen.
  Später  dehute  man  diese  Vergünstigung  auch  auf  Schulen  mit
niedrigen  Staatsbeiträgen  aus;  endlich  auch  auf  solche,  die  gar  keinen  Staatsbeitrag
beziehen,  wie  Hardheim—Rüdenthal.  Gegenwärtige  Praxis  ist  es  also,  die  einzelnen
Schüler  als  Schulabteilungen  zu  betrachten,  die  Schülerzahlen  der  einzelnen  Orte  zu
addieren  und  nach  der  Gesamtzahl  der  Kinder  das  Verhältuis  zwischen  Haupt--  und
Unterlehrern  zu  bestimmen.

Es  ist  nun  in  der  Kommission  der  Antrag  gestellt  worden,  diese  Ubung  durch
eine  gesetzliche  Bestimmung  zu  ersetzen  und  demgemäß  zu  §  13  bezw.  16  einen  Zusatz
zu  beschließen  in  dem  Sinne,  daß  in  der  genannten  Kategorie  von  Gemeinden  die
Schülerzahlen  zu  addieren  und  danach  die  Lehrer  zu  bestimmen  seien.  Einem
solchen  Vorgehen  stünden  aber  gewichtige  Bedenken  entgegen.  Es  kommt  nämlich  vor,
daß  eine  Gemeinde  gar  keinen  Staatsbeitrag  erhält  und  gleichwohl  ein  Nebenort
leinen  Unterlehrer,  sondern  einen  Hauptlehrer  will,  wie  Ibach—Löcherberg.  Ebenso
können  örkliche  Verhältnisse  oder  die  Interessen  der  Schule  es  dringend  erfordern,
daß  auch  da,  wo  der  gesamte  Aufwand  vom  Staate  getragen  werden  muß,  gleichwohl
im  Nebenort  ein  Hauptlehrer  belassen  werde.

Die  Mehrheit  der  Kommission  konnte  sich  deshalb  dem  genannten  Antrage  nicht
anschließen;  sie  glaubte  vielmehr,  daß  hier  nur  auf  dem  Verwaltungswege  in  angemcssener
  Weise  ab=  und  zugegeben  und  den  verschiedenartigen  Interessen  Rechnung
getragen  werden  könne.  Dabei  ging  sie  aber  von  der  Voraussetzung  aus,  daß  die
Großh.  Regierung  sich  bei  ihren  Entschließungen  weniger  von  fiskalischen  Rücksichten
als  vielmehr  von  den  Bedürfnissen  der  in  Frage  stehenden  Gemeinden  und  Schulen
leiten  lassen  werde.“

Der  Kommissions-Minderheit  war  offenbar  eutgangen,  daß  ihr  Vorschlag,  in
allen  Fällen  die  Schülerzahlen  der  Einzelschulen  zu  addieren  und  nach  der  Gesamtzahl
  die  Lehrer  zu  bestimmen,  unter  Umständen  auch  zu  einer  höheren  Belastung  der
Gemeinde  wie  der  Staatskasse  führen  kann.  Angenommen,  eine  aus  Haupt=  und
Nebenort  bestehende  politische  Gemeinde  mit  1001  bis  2500  Einwohnern  zähle  450
schulpflichtige  Kinder,  von  welchen  275  die  Schule  des  Hauptortes  und  175  die  Schule
des  Nebenortes  besuchen,  so  wären,  wenn  die  beiden  Schulen  als  selbständig  behandelt
werden,  nach  den  §8  14  und  15  d.  G.  erforderlich:  für  die  Schule  des  Hauptortes
2  Haupt=  und  1  Unterlehrer,  für  die  Schule  des  Nebenortes  1  Haupt=  und  1  Unterlehrer,
  also  im  Ganzen  3  Hauptlehrer  und  2  Unterlehrer.  An  keiner  der  beiden
Schulen  wäre  ein  „Erster  Lehrer“  mit  Nebengehalt  (§  41  d.  G.)  zu  bestellen.
Werden  dagegen  die  beiden  Einzelschulen  als  Abteilungen  einer  Gesamtschule  mit
(275—+  175  -)  450  Kindern  behandelt,  so  wären  vier  Hauptlehrer  neben  einem
Unterlehrer  anzustellen.  Die  Schulgemeinde  hätte  sonach  (§  52  d.  G.)  im  zweiten
Falle  (960  —  660  —)  300  Mk.  mehr,  als  im  ersten,  jährlich  an  die  Staatskasse  einzuzahlen
  und  außerdem  statt  des  Wohnraumes  für  einen  (zweiten)  Unterlehrer,  für
einen  (vierten)  Hauptlehrer  freie  Wohnung  bezw.  Mietzinsentschädigung  zu  stellen
(5  39,  b,  §58  42  und  43,  §  45,  à,  §  54  d.  G.).  Des  weiteren  wäre  im  zweiten
Falle  —  bei  vier  Hauptlehrern  —  ein  „Erster  Lehrer“  zu  ernennen,  welcher  nach  §  41
d.  G.  einen  Nebengehalt  von  jährlich  200  Mark  aus  der  Staatskasse  zu  empfangen
hätte.

Hinsichtlich  des  Einflusses,  welchen  die  Behandlung  der  Einzelschulen  —  als
selbständige  Volksschulen  oter  als  Abteilungen  einer  Gesamtschule  —  auf  die  Zu-