308 IX. 2. Viehseuchef.
streckte sich zur Zeit der Einführung der einheitlichen Viehseuchenstatistik für das
Reich im Jahre 1886 geographisch auf das Gebiet nördlich und östlich vom Harz
zwischen Elbe beziehungsweise Saale und Weser beziehungsweise Leine; gegen Norden
reichte es bis etwa an die Ohre und Aller, gegen Süden bis an den Unterlauf der
Unstrut. Es umfasste hauptsächlich die preussischen Regierungsbezirke Magdeburg,
Merseburg, Erfurt, Hannover, Hildesheim und Lüneburg, ferner die Herzogtümer
Braunschweig und Anhalt. Die Seuche hat hier in ihrer Zu- und Abnahme meist
gleichen Schritt gehalten mit ihrer Bewegung im Reiche und ist besonders in den
Jahren 1889, 1890, 1893 und 1900 ausserhalb jenes Gebiets in Deutschland nur wenig
verbreitet gewesen. . Sie hatte zur Zeit, als die Zwangsimpfung des der Ansteckung
ausgesetzten Rindviehs!) in den Regierungsbezirken Magdeburg und Merseburg angeordnet
wurde (Juni 1898), schon einen verhältnismässig niederen Stand gehabt. Der
Anordnung der schleunigen Abschlachtung der verseuchten Bestände im Regierungsbezirke
Magdeburg am 5. Oktober 1899 folgte binnen Jahresfrist das gänzliche Erlöschen
der Seuche im mitteldeutschen Seuchengebiete.
Für aus Anlass der Bekämpfung der Lungenseuche auf polizeiliche Anordnung
getötetes oder nach dieser Anordnung gefallenes Rindvieh sind in den Jahren 1886
bis 1905 für 25808 Stück 4697 860,53 4 Entschädigungen gezahlt worden.
Pockenseuche der Schafe.
Die Schafpocken waren im Jahre 1886 in 110 Gemeinden und 857 Gehöften,
die, mit Ausnahme von 1 in Württemberg gelegenen Gehöfte, sämtlich in 'den Regierungsbezirken
Gumbinnen und Königsberg lagen, verbreitet und sind im: Jahre
1887 erloschen. In den folgenden Jahren haben einzelne Seuchenausbrüche stattgefunden,
die durch veterinärpolizeiliche Massnahmen unterdrückt werden konnten.
Am Schlusse des Jahres 1905 waren noch 22 Gehöfte in 14 Gemeinden verseucht.
Im 2. Viertel des Jahres 1906 ist die Seuche erloschen,
Bläschenausschlag der Pferde und des Rindviehs.
Unter den Pferden hatte die Seuche im Jahre 1895 ihren höchsten Stand, wo
sie 0,84 auf je 10000 vorhandene Pferde betraf, gegenüber 0,68 im Jahre 1886.
Unter dem Rindvieh war die Seuche am stärksten verbreitet je im 2. Vierteljahr von
1888 mit 2,30 auf je 10000 vorhandene Stück Rindvieh, von 1896 mit 1,89 und von
1902 mit 1,96. Diese auch bereits im Jahre 1887 beobachtete stärkere Verbreitung
der Seuche ist wenigstens teilweise durch die Meldung von Fällen des stark verbreiteten
ansteckenden Scheidenkatarchs der Kühe bedingt. Die betreffenden Verhältniszahlen
betrugen im Jahre 1886 2,40, im Jahre 1905 3,78. Im ganzen waren im Jahre
1905 224 Pferde und 7327 Stück Rindvieh in 5805 Gehöften von 1526 Gemeinden
und Gutsbezirken von Bläschenausschlag betroffen. Gegenüber dem Jahre 1886 wurden
24 F ale bei Pferden weniger, dagegen 3383 Fälle bei Rindvieh -- 58,8 Prozent mehr
gemeldet. \
In den letzten 20 Jahren ist ein Fall von Beschälseuche unter den
Pferden im Deutschen Reiche nicht bekannt geworden.
Räude der Einhufer.
Der $ 52 des Reichsviehseuchengesetzes®) bestimmt, dass die Vorschriften auf
zwei Formen der Räude bei Pferden, Eseln, Maultieren und Mauleseln Anwendung
zu finden haben, nämlich auf die Sarkoptesräude und auf die Dermatokoptes-(Dermatodektes)-räude.
In der Statistik sind beide Formen nicht getrennt; es handelt sich
aber in der Hauptsache nur um Sarkoptesräude. Auch bei den nicht selten beobachteten
Übertragungen auf Menschen handelt es sich nur um diese Art der Räude.
') Vgl. Preussisches Gesetz vom 18. Juni 1894 — Gesetz-Samml. 8. 115. 3 Vgl. S. 300.