Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Schwieriger  blieb  seine  Stellung  dem  König  Ludwig  XIV.  gegenüber.  Noch
immer  erhielt  er  von  Frankreich  Subfidien,  theils,  weil  er  es  nach  Beilegung
der  letzten  Erörterungen  über  religiöse  Angelegenheiten  für  unangemessen  hielt,
das  frühere  Verhältniß  zu  lösen,  theils  auch,  weil  es  ihm  unmöglich  war,  ohne
dieselben  sein  Heer,  diese  Schöpfung,  auf  welche  sich  das  Ansehen  des  brandenburgischen
  Staates  gründete,  ferner  zu  erhalten.  Daher  trat  er  auch  dem  zu
Augsburg  1686  geschlossenen,  sogenannten  großen  Bunde  deutscher  Fürsten,  an
dessen  Spitze  der  Kaiser  als  Direktor  stand,  nicht  bei.  Auch  durfte  er  dies  bei
richtiger  Würdigung  seines  Standpunktes  dem  Kaiser  gegenüber  nicht,  denn  hier
war  nicht  von  Reichsverpflichtungen,  sondern  von  einem  Privatbunde
die  Rede,  und  ganz  treffend  entgegnete  er  deshalb  auf  die  Anfrage  wegen  des
Anschlusses,  daß  es  desselben  nicht  bedürfe,  weil  schon  ein  Bündniß  zwischen  ihm
und  dem  Kaiser  bestehe.  Mit  großer  Feinheit  kam  er  so  seinen  Verpflichtungen
gegen  das  Reich  nach,  ohne  seiner  selbstständigen  Stellung  zu  entsagen.

Wie  sehr  dem  großen  Kurfürsten  das  Wohl  Deutschlands  am  Herzen  lag,
erwies  er  hinlänglich  durch  die  Weigerung,  den  1684  auf  zwanzig  Jahre  geschlossenen
  Waffenstillstand  in  einen  immerwährenden  Frieden  zu  verwandeln,  und  so
für  immer  dem  Reiche  die  Hoffnung  auf  den  Wiedererwerb  des  jüngst  Verlorenen
zu  rauben.  „Er  freue  sich,  lautete  seine  Aeußerung,  daß  der  Kaiser  die  Grenzen
des  Reiches  nicht  wolle  einengen  lassen;  denn  wenn  nur  alle  Reichsstände  ehrlich
und  vereint  nach  demselben  Ziele  strebten,  würde  die  bevorstehende  Gefahr  abgewendet,
  Deutschland  vor  schimpflicher  Zerreissung  für  immer  bewahrt,  und  das
alte  Ansehen  erhalten  werden.“

Bald  gab  er  einen  noch  stärkeren  Beweis  dieser  ächt  deutschen  Gefinnung.
Auf  dem  Reichstage  zu  Regensburg  hatte  ihn  bisher  immer  noch  der  ausgezeichnete,
  aber  ganz  französische  Staatsmann  Gottfried  von  Jena  vertreten.  Als
dieser  für  neue  Bewilligungen  an  Frankreich  stimmte,  rief  ihn  der  große  Kurfürst
  zurück,  ohne  sich  durch  die  unschickliche  Drohung  des  französischen  Gesandten,
daß  die  Subsidien  aufhören  würden,  irgend  bestimmen  zu  lassen.  Im  Gegentheil
  antwortete  der  große  Kurfürst  mit  edler  Entrüstung:  „Man  irre  sich  sehr,
wenn  man  glaube,  ein  so  elender  Beweggrund  könne  ihn  bestimmen,  etwas  von
seinem  wohlerworbenen  Ansehen  in  der  Welt  aufzugeben,  seine  Pflichten  gegen
das  Vaterland  zu  versäumen  und  die  Freiheit  seiner  Beschlüsse  zu  beschränken.“

Mit  ebenso  großer  Entschiedenheit  trat  Friedrich  Wilhelm  des  Königs  Plane,
in  England  den  Protestantismus  und  die  auf  parlamentarisches  Leben  begründete
Freiheit  zu  stürzen,  entgegen.  Freudig  bot  er  zu  diesem  Zwecke  Wilhelm  von
Oranien  die  Hand,  denn,  wie  gerecht  er  immer  auf  die  unzeitige  Friedensliebe
den  Generalstaaten  zürnte,  war  er  doch  beständig  im  Einverständniß  mit  diesem
tiefblickenden  Politiker  geblieben,  dessen  Schuld  es  in  der  That  nicht  gewesen
war,  als  man  den  Nimweger  Frieden  zu  rasch  abgeschlossen  hatte.  Schon  lange
hatte  Wilhelm  mit  spähendem  Blick  die  Gährung  des  Inselreiches  verfolgt  und