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Humor ist für uns Deutsche — man erinnere sich nur
des -Kubinke — sehr wenig erfreulich, und auch für
seinen Ernst (2 Jettchen Geberte usw.) haben wir
wenig übrig. Bernhard Kellermann (s. oben),
der eben vor dem Kriege mit dem gewissermaßen exotischen
Zukunftsroman -Der Tunnel einen großen
Erfolg errang, hatte bereits eine stark ästhetizistische
Periode hinter sich, und Kurt Münzer (s. oben),
dessen »Weg nach Zion ein sehr starkes Stück darstellt,
ist mit seinem letzten Werke, = Der Ladenprinze,
ganz im Banne des Erotismus. Der stärkste von allen
diesen Dichtern bleibt zuletzt doch Jakob Wassermann,
weil er der ernsteste ist und auch uns Deutschen zu
denken gibt. Man wird nach dem Kriege über alle
diese Erscheinungen sehr viel zu sagen haben. Dann
wird auch der so rasch zu hohem Rufe gelangte Steirer
Rudolf Hans Bartsch (s. oben), der, wie die
1914 erschienene Geschichte von - Hannele und ihren
Liebhaberne und Frau Utta und der Jägere zeigen,
aus dem Banne des Erotismus nicht herauskommt,
seinen Urteilsspruch bekommen. Sein-Buch der Andacht«
Er., ein Christusroman, ist von der Kritik
mit Recht durchweg abgelehnt worden. Bartsch ist,
wie auch der Weg zu Christus, zeigt, so etwas wie der
österreichische Frenssen, ein noch größerer Stimmungskünstler
als dieser, aber auch noch weicher und konfuser.
Von seinen Landsleuten seien außer dem schon öfter
genannten, alles machenden Karl Hans Strobl
noch die Brüder Hans Hart (Hans von Molo, geb.
1878) und Walther von Molo (geb. 1880), dieser
Verfasser eines vierbändigen Schillerromans. Albert
Trentini (s. oben). Emil Lucka (s. oben), Erwin
Guido Kolbenheyer (geb. 1878), der Verfasser
des Spinoza-Romans „Amor Dei- und neuerdings
eines Paracelfus--Romans, und Max Brod (geb.
1884), der Verfasser von „Tycho Brahes Weg zu
Gotte, aber auch böser erotistischer Erzählungen, erwähnt.
Eine Gruppe von Jungschweizern: Paul
Ilg (geb. 1875), Jakob Schaffner (geb. 1875),
Hermann Kesser (geb. 1880) und Felix Möschlin
(geb. 1882) ist zum Teil gleichfalls stark erotistisch,
wenn man bei Schaffner auch gleich Gesundes
und bei Kesser bereits die Abwendung bemerkt. Außer
ihnen wären etwa noch Hermann Kurz-Deidt
(l. oben) und Albert Steffen (geb. 1884), vielleicht
auch Robert Walser, zu nennen. Dem Exotismus
haben sich im besonderen Max Dauthendey
(geb. 1868), der sehr viel Ostasiatisches geschrieben
hat, Alsons Paquet (s. oben) und von den Jüngsten
Willy Seidel (geb. 1887) ergeben. Diese *½
tung ist natürlich nicht ohne weiteres ungesund.
über die Entwicklung des deutschen Dramas in der
neuesten Zeit ist wenig zu sagen. An den Neuklassizismus,
den einst Paul Ernst (s. oben), Wilhelm
von Scholz (geb. 1874) und der verstorbene Samuel
Lublinski (1868—1910) heraufführen wollten,
glaubt wohl niemand mehr; der Asthetismus
Eduard Stuckens lp b. 1865) und Hugo von
Hofmannsthals (geb. 1874) hat schwerlich noch
eine Zukunft, und eine bevorstehende bedeutendere
Entwicklung Herbert Eulenbergs (geb. 1876),
der zuletzt das Schauspiel „Zeitwende: schrieb, oder
Wilhelm Schmidtbonns (s. oben) oder Ernst
Hardts (geb. 1876), der, wie übrigens bis zu einem
gewissen Grade auch Hofmannsthal, zu den Pervertisten
gehört, dürfte kaum zu erwarten sein. Das bedeutendste
spezisisch -dramatische Talent unserer Zeit
ist Otto Erler (geb. 1873), der Verfasser des = Zar
IV. Kultur und Geistesleben
Peter- und des Struensee= (oder, wie er eigentlich
heißt, des - Engels aus Engellande). Daneben ist
nach seinem -Katte noch von Hermann Burte
(Strübe) etwas zu erwarten und auch von Dietrich
Eckart (geb. 1868). Auf der Bühne durchzusetzen
sind noch die schon verstorbenen Emil Gött (1864—
1908), Emil Rosenow (1871—1904) und Fritz
Stavenhagen (1876— 1906). Friedrich Lienhard
(s. oben), den man jetzt als deutschvölkischen
Dichter preist, obgleich er ganz im klassischen Humanismus
wurzelt, bedeutet für die Entwicklung des
Dramas nichts, Eberhard König (geb. 1871), der
mit der epischen Dichtung „Hermoders Ritt= und den
Legenden Von dieser und jener Welt« jüngst gute
Erfolge haite, jedenfalls etwas, ob aber so viel, wie
seine Kreunde glauben, ist auch noch zweifelhaft. Die
Erfolgleute unter den Jüngsten sind die Osterreicher
Anton Wildgans (geb. 1881,= Armut-, iebe.)
und Hans Müäller-- Frü# n (geb. 1882, -Könige.).
Auf die Bühne gelangt sind auch Franz Dülberg
(geb. 1878. -Karinta von Orrelandene) und Thaddäus
Rittner (geb. 1873). Emil Ludwig (s. oden)
ist durch seine Prosawerke „Bismarck- und -RKichard
Wagner oder die Entzauberten= bekannter geworden
als durch seine Dramen, auch Hans Kyser (#Ged. 1882)
mehr durch seinen Kampf gegen die Schillerstiftung
als durch „Titus und die Jüdine und -Charlotte
Stieglitzt. Reinhard Sorge. eine Hoffnung bestimmter
Kreise, ist. wie erwähnt, gefallen. Vielleicht
wird Hans Johst, der unter anderem die Bauernkomödie
= Stroh- geschrieben, die neue Hoffnung. —
über Frank Wedekind (geb. 1864), den Tragikomiker,
der sich zuletzt sogar an Bismarck wagie,
braucht hier nur gesagt zu werden, daß er nochimmer
eine Sensation ist. Möglicherweise werden auch Hermann
Essig (geb. 1878) und Georg Kaiser (geb.
1878), die die nötigen Verbindungen wohl schon
haben, Sensationen. Karl Sternheim, der einen
Komödienzyklus = Aus dem bürgerlichen Heldenlebene
durchführt und zuletzt Klingers -Leidendes Weibe um ·
dichtete, ist schon eine. Neben diesen Talenten haben
Otto Hinnerk (Hinrichsen. geb. 1870), Paul Apel
(geb. 1872), Leonhard Schrickel (geb. 1876), obwohl
sie Erfolge gehabt haben, natürlich geringere
Aussichten. Die Alteren, Artur Schnitler (geb.
1862), Ludwig Thoma (s.oben) usw., sind zu einer
Art Einakterkultus gelangt; Haupwertreter des üblichen
Lustspiels sind jetzt Karl Rößler (geb. 18641,,
Felix Salten (eigentlich Salzmann, geb. 1867).
Naoul Auernheeimer (gei- 1876) usw.
Die Größe unserer Lyrik ist nun unbestritten Richard
Dehmel (s. oben), dessen letzte Sammlung
„Schöne wilde Welt. zwar noch nicht allzuviel Aufmerksamkeit
gefunden hat. dessen Kriegsgedichte aber
ihre Aufgabe erfüllt haben. Die reinen Astheten
Stefan George (geb. 1868) und Rainer Maria
Nilke (geb. 1875), dessen -Aufzeichnungen des Malte
Laurids Brigger auch nicht eben in gesunde Regionen
führen, sind während des Krieges sehr zurückgetreten.
Dagegen ist Richard Schaukal (s. oben) durch seine
Kriegsdichtung unzweifelhaft vorwärtsgekommen.
Für Talente wie Karl Busse (s. oben) und Hugo
Salus (geb. 1866) kann man, nachdem sie jetnzt eine
beträchtliche Entwicklung hinter sich haben, doch wohl
immer noch keine andere Bezeichnung als die der
Neueklektiker finden. Eine ziemlich reiche Ausbildung
hat die fromme Lyrik durch Karl Ernst Knodt
(s. oben), Otto Frommel (geb. 1871). Gustav