Einleitung. 3)
der Wissenschaften zum Nutzen des Vaterlandes zu sammeln und
mit den einheimischen Kräften zu verschmelzen.
Aber die neue Form einer »Societät« oder »Akademie« verlangt
doch noch eine besondere Aufmerksamkeit. Die europäischen
Universitäten sind auf dem Höhepunkte des Mittelalters entstanden,
und ihre Einrichtung, die Lehre in festen Formen zu überliefern,
entspricht der mittelalterlichen Stufe wissenschaftlicher Erkenntniss.
Die Akademieen Europas gehören der Epoche an, die, durch die
Renaissance und die Reformation vorbereitet, in der Mitte des
17. Jahrhunderts beginnt, und ihre Institutionen sind ein Ausdruck
des neuen Geistes, der die Herrschaft im Reiche des Gedankens
und des Lebens gewinnen sollte. \Wir suchen die Grundzüge dieses
Geistes, dem die alten Universitäten nicht mehr genügten, zu erkennen,
bevor wir die Entstehung der Akademieen überhaupt und
der Preussischen Akademie insbesondere beleuchten. Dabei wird
uns sofort die Gestalt Leissızens entgegentreten, der der Führer
seines Zeitalters und der Schöpfer der meisten Akademieen des
Continents, aber der wirkliche Stifter, das Haupt und die Seele
unserer Akademie gewesen ist. Frıenrıca der Grosse hat ihn ihren
»Begründer und Chef« genannt, und Diveror von ihm gerühmt:
»Dieser Mann hat allein Deutschland so viel Ruhm gebracht, wie
Plato, Aristoteles und Archimedes zusammen Griechenland«'.
1.
Aus dem Zusammenwirken von drei Elementen ist der entscheidende
Umschwung im geistigen und gesellschaftlichen Leben
Europas entstanden, der das 18. Jahrhundert charakterisirt, aber
sich bereits seit der Mitte des 17. deutlich ankündigte. Aus der
Verbindung der Renaissance, der Reformation und der neuen
mathematischen Naturwissenschaft haben sich jene herrlichen
Bildungen entwickelt, welehe der Welt ein neues Gepräge geben
sollten.
Das Grundelement hat die Renaissance geliefert. Sie hat
das Auge geöffnet für den Menschen und für die Dinge: sie hat
nach einer auf Anschauung und Speeulation sich gründenden Pansophie
getrachtet; sie hat Erkennen und geistiges Geniessen als den
wahrhaft würdigen Inhalt des Lebens gelehrt und ihre Jünger mit
! Mem. de l’Acad. Royale 1748 p.378. Piperor. (Buvr. T.VII p.239 1.