Volltext: Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

56 Erstes Buch. Die Erhebung zur Großmacht. 
wie gering erschien diese Summe gegenüber den Opfern, die 
ein unglücklicher Krieg fordern mußte. Ganz besonders für 
Preußen galt damals, daß man für den Frieden am wirk- 
samsten sorge durch Bereitschaft zum Kriege. So dachte auch 
Friedrich: die beste Bürgschaft für die Sicherheit seines Staates 
sah er in einer guten Armee. „Die Hauptsache in der Kriegs- 
kunst,“ schreibt er einmal dem Marschall Moritz von Sachsen, 
„ist den Ereignissen zuvorzukommen: der Feldherr muß zum 
voraus alle Hilfsmittel bereit gestellt haben, um nicht in Ver- 
legenheit zu geraten, wenn der entscheidende Augenblick ge- 
kommen ist; je tüchtiger die Truppen sind, je besser diszipliniert 
und zusammengesetzt, um so weniger ist es eine Kunst sie zu 
führen.“ Und Friedrich war mit Leib und Seele Soldat, mochte 
er dies „Metier“ gelegentlich auch „zu allen Teufeln“ wünschen. 
Daß er es dennoch liebte, war ihm ein Beweis für die wider- 
spruchsvolle menschliche Natur. Das stimmt merkwürdig mit 
einer Aeußerung des französischen Gesandten in Berlin, Graf 
Tyrconnel, der im Dezember 1751 schreibt: von Natur zum 
Müßiggang geneigt — was ihm übrigens auch seine Schwester 
Wilhelmine vorgeworfen hatte (Bd. II, S. 395) — verwünsche 
Friedrich eigentlich alles Militärische; aber er überwinde sich, 
und ihn müsse schon ein ernstes Uebelbefinden befallen haben, 
wenn er der täglichen Parade oder der Erledigung der mili- 
tärischen Einzelnheiten entsagen solle; wisse er doch, wie sehr 
er gerade dadurch Europa imponiere. Die Spöttereien über 
seines Vaters militärische Passionen waren verstummt, seit die 
schlesischen Kriege die Welt die Wucht und Schärfe der Waffe 
kennen gelehrt, die jener in seinem Heere geschaffen hatte. 
Ihre Vervollkommnung war die einzige Bürgschaft für die 
Bewahrung der Stellung Preußens als Großmacht. Mochte 
seine Neigung auch eigentlich ganz andere Lieblingsbeschäftigungen 
suchen: gerade hier war Friedrich ganz von dem Bewußtsein 
der Pflicht durchdrungen, in deren Erfüllung er sein ganzes 
Dasein seinem Staate geweiht hatte. So brachte er die Armee 
1751 auf 132 000, 1752 auf 135 600 Mann, und unter Ein- 
rechnung der noch vor Ausbruch des Krieges neu errichteten 
14 Garnisonregimenter und der Verstärkung der bestehenden