Volltext: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Machtbewußtsein Heinrichs. 355 
gemeinem Jubel der standhaften Salzburger Diözesanen in der wieder 1. Nov. 
restaurierten Kathedrale inthronisiert“). Wie er sich gegen Friedrich stellte, 
sollte bald Uar werden. 
Heinrich der Löwe aber, allen Gefahren der letzten Zeit entgangen, 
stand jetzt auf dem Höhepunkte seiner Macht. Sachsen und Bayern waren 
wieder beruhigt und seinen Befehlen gehorsam; einer der Rebellen war zum 
abschreckenden Beispiele hart bestraft; in Holstein herrschte sein treu ergebener 
Heinrich von Orlamünde; Mecklenburg stand zum Teile unter der Leitung 
des kräftigen Gunzelin von Hagen, zum Teile, von der Elde und dem Schwe- 
riner See an, unter der Botmäßigkeit des zum friedfertigen und gehorsamen 
Untertanen umgewandelten Pribislaw. Um diese Stellung auch nach außen 
als eine glänzende, allen übrigen Reichsfürsten überlegene zu bezeichnen, 
hatte Heinrich jetzt die Tochter eines mächtigen Königs als Gemahlin heim- 
geführt. Innerlich trug freilich diese große Herrschaft von der Nordsee bis zum 
Adriatischen Meere, vom Rhein bis zur Peene und Mur schon die Keime des 
Verderbens in sich; aber dem oberflächlichen Beobachter mußte es scheinen, 
als throne Heinrichauf dem höchsten Gipfel, den ein nicht souveräner Fürst er- 
reichen könne. Auch dem Herzoge selbst schien es so; zu dieser Zeit müssen 
sich die ersten unsicheren Wünsche nach Erlangung einer unabhängigen 
Stellung in ihm geregt haben. Allerdings waren sie noch unbestimmt und 
formlos genug, aber ein tastendes Streben, sie zu verwirklichen, machte sich 
doch bald genug, zu Heinrichs eigenem Verderben, geltend. 
Und nun wollte auch Heinrich seine Residenz mit den Werken der Kunst 
und der Frömmigkeit zugleich schmücken, wie es einem reichen und mächtigen 
Fürsten wohl zukam. So errichtete er zu Braunschweig dem heiligen Gregor 
eine herrliche Kapelle, an die ein Palast angrenzte. Von diesem Gebäude 
ist jetzt keine Spur mehr übrig. Aber bei weitem großartiger war das 
Münster von Sankt Blasien, das der Herzog bald nach dieser Zeit gleich- 
falls gründete"). (1173) 
Das Münster erhielt seinen Platz neben der Burg Dankwarderode an der 
Stelle der alten, Peter und Paul, Johannes dem Täufer und dem heiligen 
Blasius gewidmeten Stiftskirche###). Von der Kirche der Brunonen blieb 
nur ein Teil der Krypta, die sich in ungewöhnlicher Ausdehnung bis zu dem 
Hauptschiff hinzog und in beide Arme des Querschiffes eine Kapelle ent- 
sendete, die nördliche mit einem Altar St. Peters, die südliche noch unge- 
  
* Chr. Magni Presb. Reichersp., p. 489—506. 
#Cchr. rhythm. Brunsv., p. 52, 54. 
#FAltertümer der Stadt und des Landes Braunschweig, Einleitung S. 16. — Die 
Beschreibung des Domes ist nach Bethmann, Die Gründung Brauns weigs und 
der Dom Heinrichs des Löwen, in Westermanns Illustrierten Monatsheften Nr. 59 
(Aug. 1861). — Bgl. außerdem Chr. rhythm. Brunsv., p. 52; Excerpta Sancti 
Blau Kletbutg, . Br. II, p. 61; Chronioon Brunsvioemse pPicturatum ibid. III. 
8.343 episooporum Hüldeshemensium ibid. II, p. 153; Rethmeier, 
“ 
rau hronik, S. 343 f.