Full text: Geschichte des deutschen Volkes.

Friedrich der Große als Vorbild in Deutschland. 88 514—51l5. 335 
Verbesserung. Der würdige Fürstenberg in Münster, Erzbischof Klemens 
Wenzel (ein Bruder des Kurfürsten von Sachsen) in Trier, Emmerich 
Joseph von Breidbach in Kurmainz, Franz Ludwig von Erthal in 
Würzburg und Bamberg u. a. zählen zu den trefflichsten deutschen 
ürsten. Freilich dienten hier die Reformen fast nur dazu, die unbezwinglichen 
Hbräuche in ein grelleres Licht zu setzen. Denn im allgemeinen waren 
die geistlichen Staaten tief zerrüttet; man zählte wohl auf 1000 Mernschen, 
die etwa die Quadratmeile bewohnten, 50 Geistliche und 260 Bettler. Merk- 
würdig war es, daß die geistlichen Herren von Köln, Trier, Mainz und 
Salzburg auch einen Anlauf zu kirchlicher Freisinnigkeit nahmen und bei einer 
Zusammenkunft zu Ems die sogenannte Emser Punktation, 1786, aufstellten, 
die darauf hinausging, in Deutschland eine von Rom unabhängige katholische 
Nationalkirche zu begründen; doch scheiterte der Plan besonders an dem 
Widerstand der Bischöfe, welche eine „er zbischöfliche Oligarchie" fürchteten, 
und der preußischen Politik, welche darin nur eine Stärkung der kaiserlichen 
Gewalt Josephs II. sehen konnte. 
515. Nur noch einzelne Staaten blieben zurück; so Bayern, welches 
besonders durch den fortwährenden Einfluß der Jesuiten gehemmt war und 
auch unter Maximilian Joseph, 1745—1777, trotz dessen wohlwollender Ge- 
sinnung, nur langsame Portschrite machte. Auch Kurpfalz, unter schwel- 
gerischen und trägen Regenten, blieb vernachlässigt und stand fast fort- 
während im Solde Frankreichs. In anderen Ländern drückte noch immer eine 
grenzenlose Verschwendung auf die Unterthanen. In Salzburg, wo man 
noch 1732 unter dem Erzbischof Ludwig Anton von Fir mian die Protestan- 
ten vertrieben (§ 467), erhoben sich unter einem fast italienischen Himmel 
Prachtbauten, wie in Florenz; bis hier am Ende des Jahrhunderts gleich- 
falls eine aufgeklärte Regierung begann. In Kassel, wo nur Friedrichs 
Soldatentum Nachahmung fand, türmte man gleichsfalls Werke hohler Pracht 
weit über die Steuerkraft des armen Landes hinaus. Denn leider bildete 
zu den Grundsätzen der Aufklärung und Humanität oft genug schnöde Will- 
kür den dunklen Gegensatz. So verkauften damals die Höfe von Kassel, 
Württemberg u. a. ihre Landeskinder in ganzen Regimentern an England, 
um im Dienste dieses Landes die Schlachten gegen die für ihre Unabhängig- 
keit kämpfenden Nordamerikaner auszufechten. So schützten fast überall noch 
grausame Jagdgesetze das fürstliche und adlige Vergnügen. Und in manchen 
kleinen und kleinsten Staaten, die vielleicht kaum mehr als „13 Unterthanen 
und einen Juden“ hatten, geschahen unerhörte Thaten despotischer Laune, 
ohne daß sich zu ihrer Ahndung eine Hand regte. Es war eine Zeit däm- 
mernden Lichtes, mit dem noch tiefe Schatten der Nacht kämpften. Das Reich 
als solches war abgestorben und ohne Einfluß auf das öffentliche Leben. 
Was auch Gutes und Schönes in einigen Staaten begründet wurde, es 
fehlte die Gemeinschaft in einem sie alle umfassenden nationalen Bande. 
  
9. Esterreich unter Maria Uheresta (1110—1780) und Joseph II. 
(1780 —1790). 
516. Osterreich nahm gleichfalls an dem Fortschritte teil, der sich über 
das deutsche geistige Gesamtleben verbreitete. Maria Theresia (1740—1780) 
von einem festen, fast männlichen Charakter, kllarem Verstand und von wahrer 
Fürsorge für ihr Volk geleitet, wußte in dem so verfallenen Zustande der 
österreichischen Länder doch manches zu bessern. Sie erleichterte das Los des