Full text: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

314 Der Feldzug im Osten vom 6. Nov. bis 17. Dez. 1914 
Mit der Leitung des kühnen Unternehmens wurde Feldmarschalleutnant 
Noth betraut. Er erhielt am 29. November in Krakau den Befehl, den gegen 
Ojubicic und Nagy vorrückenden Feind in der linken Flanke anzugreifen. 
Hierzu verfügte er zunächst Über die 13. Landwehrdivision, das XIV. Korps 
und eine deutsche Division, die im Gewallmarsch an den Feind gebracht 
wurden. Die deutsche Division war die 47. Reservedivision des XXIV. Re. 
servekorps, die unter dem Befehl des Generalleutnants v. Besser stand und 
nach Galizien gesandt worden war, um die lückenhafte Karpathenwerteidigung 
zu verstärken. Nun kam sie rasch zu großer Schlacht. 
Die galizischen Teile der russischen 3Z. Armee hatten inzwischen den 
Weg an den Feind gefunden und waren am 28. November über Lapanow 
und Gdow in die Linie Grabie—Dobczyce gerückt. Das XI. Korps drang 
an der Bahn Bochnia—Krakau auf Wieliczka vor, das IX. Korps drang 
am linken Flügel die Raba aufwärts auf Myslenice und Wadowice. Die 
Kosakendivisionen fochten am 29. November noch auf Dimitrieffs linker 
Flanke und brachen dem Angriff dort Bahn. 
Nagys Reiter und Legionäre hatten sich von ihnen am 28. November 
in den Engen von Dobra angegriffen gesehen. Sie bielten die ersten Anläufe 
aus, wurden aber am 29. November überwältigt und gezwungen, nach 
Kasina-Wielka in der Richtung auf Mszana zurückzuweich en. Infolgedessen 
gerieten die Linie OLimanowa—Lymbark und das Tal der Lososina in russische 
Hand. Der Ourchbruch auf Neumarkté kündigte sich an. 
Radko Dimitrieff hatte seine linke Flanke sichergestellt und ging am 
30. November aus der Hinie Wieliczka—Dobcezyce—Dobra zum An- 
griff vor. 
Die Streitkräfte Ljubicic und Nagys nahmen den Kampf auf, um Roth 
Zeit zu lassen, den Stoß in die Südflanke Dimitrieffs zu führen. Nagy hatte 
Dobra am 30. November geräumt und war auf der Straße nach Mszana- 
Dolna zurückgegangen, machte indessen schon bei Kasina-Wielka, westlich 
der Snieznicahöhe, noch einmal hale, um dort das nebeneinanderlaufende 
Adergeflecht der wichtigen Straße und der strategischen Bahnlinie zu ver- 
teidigen. Hier mußte der Durchbruch um jeden Preis verhindert werden, 
bis Roth zur Stelle war. 
General Dimitrieff dachte an keinen großen Angriff aus Süden und 
rückte Ljubicic zu Leibe, indem er den Kubankosaken die Verdrängung 
Nagys und den Flankenschutz überließ. Da im russisch en Lager Spione ein- 
trafen, welche Truppentransporte und sogar deutsche Pickelhauben in dem 
zerrissenen Gelände und auf den Stationen zwischen Myslenice und Mg #ana- 
Dolna gesehen haben wollten, sandte Dimitrieff Flieger auf Erkundung 
aus, um über die Lage in seiner linken Flanke Klarheit zu erhalten, beruhigte 
sich aber wieder, als Nagy nicht heftig drängte, und griff nun Ojubicic mit 
dem IX. und XI. Korps an.