Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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trans. durch Schießen öffnen: das festungsthor ward mit 
kanonen aufgeschossen. — Aufschlag, m. 1) Handlung 
des Ausfschlagens, in verschiedenen Bedentungen des Ver- 
bums: aufschlag der augen: aufschlag. Offnung eincs 
Buches (Lessing 9, 314); in älterer Spr. Aufschukf, 
Fristverlängerung, auch Waffenstillstand (do wart ein 
ulslag und ein fride gemacht D. Städtechr. 9, 806); 
Erhöhung einer Zahlung, eines Preises: aufschlug auf 
den wein Stieler; in dieser Bed. auch jetzt noch: die 
ware mit cinem geringen aufschlage für die fracht ver- 
kaufen. 2) was aufgeschlagen wird oder ist, an der 
Kleidung, umgelegter Teil vorn am Armel, am Kragen; 
am Vogelherd besondere Hölzer zum Vogelfang; bei 
Fürsterng junge Bäumc, die erst seit kurzem ausgeschlagen 
ind; (Reh) strich durch des aufschlags breite Droste 
243; früher auch an der Wand über dem Sitze auf- 
geschlagener Teppich: dieser gewurkt aufschlag ist 
in gemelter kirchen noch vorhanden gewesen Zimm. 
Chr. 1, 59. 3 in der Musik Arsis, schwache Taktzeit. — 
aufschlagen, 1) tranf. schlagend auf etwas bringen, dem 
pferde ein eisen, dem balken ein beschläge; einen 
teppich au die wand; auch die hand auf den tisch; 
dafür intranf. mit der hand auf den tisch (unterschieden 
von unten 9). 2) schlagend in die Höbe bringen, zu- 
nächst von Gezimmertem, dann in weiterer Anwendung 
von allerlei Bauwerk: dö sluogens af ir gezelt Iw. 
3067:; Jacob aber hatte seine hutten aufgeschlagen auf 
dem berge 1. Mof. 31, 25; wider dich wird er bollwerk 
aufschlahen Hes. 26, 8; die pfosten sind, die breter auf- 
geschlagen Goethe Faust, Vorsp.; das gerust auf- 
schlagen Schiller M. Stuart 5, 1; freier: so schlug 
neben dem kaufmann auch der handwerker seinc werk- 
statt auf (richtete sie ein) Freytag Soll 2, 111; wo 
haben Sie Ihre wobnung aufgeschlagen? wo wohnen 
Sie?; soldatisch auartier aufschlagen, beziehen; hatten 
Ausschlag — ausschlagen. 
aufgeschlagen Schiller 9, 249. 3) auch vom Erregen 
des Feuers, ursprünglich durch Schlag, feuer aufschlagen, 
anzünden: manec viur si af sluogen Alpharts Tod 388; 
namen fewerstein und schlugen fewer auf 2. Macc. 
10, 3; (als er) häszlich dunstenden schwanm, nach 
ausgerauchter pfcife, sogleich wieder aufschlug Goethe 
Du W. 14. M in schneller Bewegung (wie „auf einen 
Schlag“) in die Höhe bringen, namentlich die augen, 
beim Erwachen, aber auch bei gutem Gewissen: du darfst. 
die augen aufschlagen Goethe Egm. 3; dann auch die 
ärmel aufschlagen, aufkrämpeln, auch mit Aufschlägen 
(fl. d. 2) verfehen; breitkrempige flzhuüte, die an einer 
seitc aufgeschlagen 
nacblässig waren scine blonden baare aufgeschlagen 
Goethe W. Meister 3, 4. Ubertragen gelüchter, lache, 
Uirmen, skandal aufschlagen; präsident schlägt ein ge- 
lächter auf Schiller Kab. 1, 7. 5) schlagend öffnen, 
nusse, kerne, eine ader; türe aufschlagen Stieler; 
dasz sie (eine Kiste) nicht lüngst schon sollte aufge- 
schlagen und spoliirt sein Lessing Brief 1776; bueb, 
stelle im buche; alle arten mythologischer schriften 
wurdcn aufgeschlagen Goethe W. Meister 3,7; hier 
auch mit unterdrücktem Obi.: er schlägt auf und liest; 
von wunden Stellen: kopf, nase. kuie, arm aufschlagen; 
deine hand ist aufkeschlagen Goethe Jery. 6) unsinn- 
lich wie aufschieben, namentlich in älterer Spr.: auf- 
schlaben und verharren bin bisz morgen procrastinare 
Voc. des 15. Ih. (so von Recht, Gerichtsverhandlung); 
auch bhinhalten: nachllem man in den solt verzoch und 
aufschlucg Aventin 1, 451; und ausheben: nach auf- 
geschlagener belägerung Simpl. 1, 165; daher noch bei 
Schiller, aber als älterer Kriegsausdruck mit Erklä- 
rung: der anschlag wird gefaszt, die quartiere der 
Franzosen in Tuttlingen . aufzusehlagen, d. i. sie un- 
vermuthct zu uüberfallen 8, 396. 7) erhöhen, den preis 
einer ware, jetzt gewöhnlich mit dem preise, der forde- 
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rung aufschlagen, und daher das getreide schlägt auf 
(Stieler), bat oder ist aufgeschlagen; bereits in älterer 
Spr.: ictzund hab ich darmit aufgeslagen Tucher 91, 3. 
8) älteres aufschlagen, aufspielen zum Tanze (ursprüng- 
lich gemeint die trommel): schlah auf, lase uns tanzen 
und springen Fastn. Sp. 522; jetzt in anderem Sinne: 
schlag nicht so auf das klavier auf (verstanden die Hand), 
spiele nicht so hart. 9) intranf. aufschlagen, (gleichsam 
wie auf einen Schlag) in die Höhe gehen, Prät. hat. 
oder ist aufgeschlagen: ein segel schlügt auf (Brockes 
4, 120), plötzlich wom Wind gehoben; flamme, die 
prasselnd aufschlug Schiller Br. v. Mess. 1312; junge 
lichten, die erst jungst .. aufgeschlagen oder aufge- 
wachsen sind Jacobsson 1, 85; übertragen: ein un- 
endlich gelächter schlug auf Goethe 27, 119; gewalt- 
sam aufsallen: eine bombe von dem platz aufschlagend 
30, 39; der mann schlug mit dem arme auf die tisch- 
kante auf; es hiesz damals, er sei mit der stirn auf 
einen stein aufgeschlagen Immermann Münchh. 1, 20; 
sich öfsnen: fenster, thüren schlagen nach innen, nach 
auszen auf; blumen schlagen auf, öffnen den Kelch; 
bald ist die blume aufgeschlagen, bald büllt sio halb 
sich wieder ein Uhland 15; da ist der himmel auf- 
gesehlagen 210. 
Ausschließßen, mit dem Schlüssel öffnen, thüren, 
schränke; mit unterdrücktem Obj.: schliesz auft; namen 
sie den schlussel und schlossen auf Richt. 3, 25; frei: 
die zcit hat jede schranke aufgeschlossen Droste 16; 
die wollust schlosz dem laster ihre herzen auf Schiller 
Karl. 1, 9; das jesuiterräuschchen schlieszt herz und 
secle auf Hippel 12, 141; ein schwur druckt mir dic 
lippen zu, und nur ein gott vermag sie aufzuschlicszcn 
Goethe W. Meister 5, 16; alt rätsel aufschlieszen (mhd. 
aufschließen — aufschuappen. 
der mir üf sliuzet disen haft Minncs. 3, 432); ihm auf- 
zuschlieszen sein ratfrag H Sachs 3,50; dat ihn, mir 
.. anarehie und verwüstung ihren schrecklichen thron 
ein räthsel aufzuschlieszen Wieland Idr. 3, 7; ich 
werde unterricht geben in der declamation, den jungen 
wimen den sinn aufzuschlieszen Heyfe Par. 3, 243; 
bergmännisch ein feld autschlieszen, für den Abbau 
öffnen; gebirge aufgeschlossen durch bergbau Goethe 
53, 160; in der Heerfpr. aufschlieszen, die Tiefe einer 
Kolonne verringern; aufgeschlossen! als Kommandoruf 
Ex. Regl. 65; chemisch dunger, guano aufschlieszen, den 
Stickstoffgehalt srei machen. — ausschlitzen, schlitzend 
öffnen, üsche Stieler; sein baar flog blutig in dic 
lust, die brust war aufgeschlitzt Hölty 185; in einem 
spanischen wamms . mit aufgeschlitzten ermeln (als 
Modetracht) Schiller 8, 162. — Aufschluß, m. Hand- 
.. waren Freytag Soll 2, 193; lung des Aufschließens: er kam noch vor aufschlusz des 
thorcs vor die stadt Adelung; das was aufschließt, 
erklärt: wichtige aufschlusse uber etwas erhalten; gab 
er mir cinen aufschlusz darüber, was er .. denke 
Preußen i. B. 1, 238; Aufgeschlossenes; in der Spr. dec 
Geologen aufgedeckte Erdschichten: aus einem hannöve- 
rischen aufschlusz Rundschau 127, 70. 
Aufschmansen, schmausend verzehren, speiscn, näsche- 
reien. — aufschmelzen, 1) intranf. schmelzend sich auf- 
lösen, gefrorenes schmilzt auf; dic letzten (Eisgebirge) 
.. schienen in einen leichten feuerdampf aufzuschmelzen 
Goethe 16, 237. 2) anderes tranf. aufschmelzen, du 
Schmelzen befestigen, farben auf die glasplatte; dur 
Schmelzen lösen, die sonne schmelzt den schnee auf. 
— aufschmücken, durch Schmuck herrichten, eine braut, 
das haus, räume; ihm befahl die grotte uufzuschmücken 
Wieland Ob. 12, 11.— aufschnallen, durch Schnalleu 
oberhalb besestigen, koffer auf den vagen; die Schnalle 
lösen, hosen, schuhe, gurtel; wir wollen uns ein ge- 
wissen nach der neuesten facon anmessen lassen, um 
es hubseh weiter aufzuschnallen Schiller Räub. 1. 1. 
— aufschnappen, 1) intranf. schnappend in die Höhe 
fahren, das bret schnappt auf Stieler; ein sterbender 
schnappt auf, schwer atmend: daher in Vaiern mund-