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die Ausbreitung der Lüge, warum nicht auch die Ausbreitung
der Wahrheit? Schon zu Ende des ersten Jahrhunderts standen
in Kleinasien die Götzentempel verddet, zum Opfersfleisch
wollte sich kein Käufer mehr finden. Trajan will zwar die
Christen nicht aufgesucht wissen, aber man solk sie doch strafen,
wenn sie rechtmäßig angebracht würden. Wemt auch einer
der nachfolgenden Kaiser keine eigentlichen Strafgesetze gegen
die Christen gab, so wurden doch die vorigen nie ganz aufgehoben,
und die neuen etwa mildernden Verordnungen hatten
fast immer eine Zweideutigkeit, welche den Verfolger der
Christen nicht zu sehr einschränkte. Es stand also bei jedem.
Statthalter der Provinz, wenn er die alten Gesetze wieder in
Gang bringen wollte, und an Vorwand fehlte es nie, einer
so verhaßten und verläumdeten Partie recht wehe zu thun, da
sie ohnedieß selbst auch nach Verhältniß ihrer weiteren Ausbreitung,
unvermeidlich hie und da scheinbare Gelegenheit geben
mußte.
Indeß scheinen die Schicksale der Christlichen Religion
nur im Roͤmischen Reiche so fortdaurend hart gewesen zu
seyn. Mit dem Anfange des dritten Jahrhunderts regierte
zu Edessa ein Christlicher Koͤnig, und auch jenseits des Euphrats
genossen die Bekenner der neuen Lehre eine Ruhe,
welche besonders in Persien fast den Untergang der alten
Nationalreligion fuͤrchten ließ.
Die letzteren Stuͤrme, welche die Christen unter der Regierung
der Kaiser aushalten mußten, waren bei weitem die
heftigsten. Maximin's Verfolgung dauerte zwar nur kurz,
aber Decius wuͤthete wie ein Tyrann, und auf die etwas
gelindere Verfolgungen des Gallus und Valerian, kam die
Diocletianische, bei der es nicht nur den Personen der Chri—
sten, sondern vorzuͤglich auch der Bibel galt. Galerius, vor-