Volltext: Heinrich der Löwe Herzog von Bayern und Sachsen.

Zustände Italiens. 145 
kümmern, vielmehr hinreichend damit zu tun, die häufigen Einfälle der noch 
freien Slawen in Sachsen abzuwehren“). 
Während der Herzog gegen die äußeren Feinde sich schlug, zog der König 1154 
im Reiche umher, griff alle adligen Räuber und Friedensstörer an, brach 
ihre Burgen und Festen und ließ die Verbrecher selbst aufhängen??). — 1153—54 
Ubrigens fand Heinrich doch häufig Gelegenheit, mit dem Könige zusammen- 
zutreffen. Er begleitete ihn oft auf seinen Reisen durch das Reich, besonders 
in West- und Süddeutschland““). Der Freundschaftsbund des Staufers 
und des Welfen konnte nicht fester gedacht werden. 
So hatte Friedrich mit kräftiger Hand alle Verwirrungen in Deutschland 1152 
geschlichtet und sich nach außen und innen höchstes Ansehen verschafftf). Nach 
Gewinnung dieser festen Operationsbasis gedachte er nun seine Romfahrt 
ins Werk zu setzen, zu der er schon lange Vorbereitungen getroffen hatte; Mi 
bereits in Würzburgff) hatten die Fürsten dem Könige den Heereszug nach us ieoi 
der Lombardei zugeschworen. Freilich forderten die Zustände Italiens 
die deutsche Intervention, sollte das kaiserliche Ansehen daselbst nicht gänzlich 
zugrundegehen. 
Seit Heinrich V. hatten sich dort, besonders im Norden, die Verhält- 
nisse bedeutend geändert, und Italien, oder vielmehr die einzelnen italieni- 
schen Kleinstaaten traten Deutschland und seinem Herrscher viel unabhängiger 
gegenüber, als dies früher jemals der Fall gewesen war. Im Süden der 
Halbinsel besaß der deutsche König schon längst keinen Einfluß mehr. Eine 
eigentliche europäische Bedeutung erwarb sich der Normannenstaat in Süd- 
italien aber erst, als Roger II., der Großgraf von Sizilien, sämtliche nor-- (1127) 
mannische Besitzungen in Sizilien und Apulien vereinigte, die sich damals 
nördlich bis an den Ofanto und den Vesuv erstrecktenft). Roger II. war 
ein ehrgeiziger, listiger, tatkräftiger Mann von großen, aber doch bestimmten 
Zielen, und in der Tat mißglückte ihm auf die Länge fast keiner seiner Pläne. 
Als er auch das Fürstentum Capua und die bis dahin unabhängigen Repu- 
bliken Campaniens mit seinem Reiche vereinigt hatte, strebte er offen nach der 
Königskrone, die ihm zugleich rechtliche Unabhängigkeit von Deutschland ge- 
währte. Um nun diesen Zweck zu erreichen, schloß er sich, während die ganze 
übrige abendländische Christenheit Innozenz II. anhing, dem Gegenpapste 
  
) Theod. Mon. Palid. 1153. Frequens barbarorum irruptio provinciae maximo 
fuit dispendio. 
½% Ann. HLiingr. Maj., p. 313: 1154. Multus sanguis effusus est; pro pace firmanda a 
Friderico rege plurimi suspensi et multae ecclesiae et villae et castella igni suooensa. 
%Krit. Erört. IV k. 
) Die in diesem Teile zeitgenössischen Annales Laubienses melden unter dem Jahre 
15 (M. G. Ss. IV, p. 21) von einem Feldzuge Friedrichs: Fridericus super Arelatem 
vadens sed non perveniens, deficiente exercitu, negotio infeoto reversus est, der 
sonst nirgends erwähnt ist. 
f Siehe S. 135. 
tt) Über Rogers Regierung sehe man Caspar, Roger II. und die Gründung der 
normannisch-sizilischen Monarchie (Innsbr. 1904). 
Phluippson, Heinrich der Löwe. 10