106 Rontad III. Frebrich I., Barbarossa. 1152—1190. 85 152—153.
focht für ihn sein Oheim Welf. Der erbitterte Kampf der Welfen und
Waiblinger begann, der ein Jahrhundert lang'’) das Reich zerrissen. Zu-
nächst währte die Fehde bis 1142. In diesem Jahre vermählte sich die
Mutter Heinrichs des Löwen, die verwitwete Gertrud, mit des inzwischen
verstorbenen Leopold Bruder Heinrich von Österreich (von seiner oft
gebrauchten Beteuerungssormel Jasomirgott genannt) und brachte diesem
Bayern zu. Bei dem Frieden, der nun 1142 zu Frankfurt geschlossen
ward, sprach König Konrad dem jungen Heinrich Sachsen wieder zu,
Abrecht der Bär verzichtete auf das Herzogtum, erhielt aber die Nord-
mark und seine Erbgüter, aus denen ihn die Welfen vertrieben, zurück und
warf sich nun ganz auf den Kampf gegen die Wenden. Als Markgraf
von Brandenburg, wie er sich seit (11362) 1157 nannte, legte er hier
den Keim zu einer neuen deutschen Macht für die fernste Zukunft.
*5 153. Unterdessen rüstete sich die abendländische Christenheit zu einem
neuen. Kreuzug Denn schon war die neugegründete Christenmacht im Morgen-
lande und selbst Terusalem aufs ernstete wieder von den Sarazenen bedroht.
Ludwig VII. von Frankreich durch Kriegsgreuel, die er veranlaßt, in seinem
Gewissen geängstigt, ergriff den Gedanken einer neuen Kreuzfahrt, den der
Papst anregte, mit großem Eifer. Im Auftrage des stes rief nun der
heilige Bernhard von Clairvaux, gewaltig durch Beredsamkeit, durch
innigen Glauben und Gottesliebe, die Völker und Fürsten zum Kreuzzuge
auf. Noch einmal wie beim ersten Kreuzzuge erfaßte die von Frankreich
ausgehende Bewegung mehr denn eine Million Menschen. Wie auf einer
neuen Völkerwanderung schien das Abendland sich gegen Osten zu wälzen.
Konrad III. aber, osein vom Papste zu einer Romfahrt gemahnt, zeigte
wenig Lust zu der fernen Unternehmung. Doch durch Bernhards feurige
Beredsamkeit wie im Sturme gewonnen, entschloß auch er sich. Es be-
gleiteten ihn, 1147, viele Fürsten, unter andern sein junger Nesse Friedrich
und sein früherer Gegner Welf. Leider aber verlief die fromme Unter-
nehmung ohne jeden Erfolg; nur halfen Kreuzfahrer des nordwestlichen
Deutschlands, die zur See ausgezogen, mannhaft mit zur Eroberung von
Lissabon; andere Norddeutsche kämpften mit schwankendem Erfolg gegen die
Wenden östlich von der Elbe. Nach seiner Rückkehr ward Konrad III. in
neue Kämpfe mit Welf verwickelt, er starb, ohne die Kaiserkrone erlangt zu
haben, 1152, indem er den Fürsten seinen Neffen, den eben erwähnten.
Friedrich von Schwaben, zum Nachfolger empfahl.
2. Friedrich I., Garbarossa. 1152—1190. Höhepunkt der Stanferzeit.
§ 154. In Friedrich, von den Italienern Barbarossa (Rotbart) ge-
nannt, war dem Reiche wieder ein Kaiser gefunden, der an Bedeutung neben
Karl und Otto dem Großen zu stehen verdiente. Damals 30 Jahre alt, hatte
er sich schon vielfach ausgezeichnet, und ganz Deutschland jauchzte seiner Wahl
zu. Man hoffte von ihm zunächst Aussöhnung des alten Haders zwischen
Welfen und Staufern, da seine Mutter selbst eine Welfin war. Und in der
That war es Friedrich nicht um Familienzwiste zu thun, da er seine Würde
höher faßte. Zu Frankfurt a. M. gewählt, empfing er zu Aachen mit dem
festen Entschlusse die Krone, die Macht Karls des Großen im Reiche zu er-
neuern. Wohl war die Stellung des deutschen Königs nicht mehr eine so
unmittelbar gewaltige wie ehedem, aber noch galt der König als der Quell
*) Als Parteiname hat Welf und Waiblinger noch viel länger gedauert.