Object: Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Vierter Band. (4)

Die Kämpfe vom 1. bis 5. Juli 1916 121 
Bombengeschwader überflogen im Nebel die deutschen Linien und suchten 
in Schwärmen die Bahnhöfe der Etappe auf. Von Roye bis Cambrai 
schlugen ihre Bomben ein, fielen auf Gleise und Transporte und zerstörten 
Brücken und Bauten. Der sechste Tag neigte sich, der siebente verging, der 
1. Juli zog herauf, und das Feuer brüllte immer noch und schüttete Berge 
von Eisen auf die deurschen Linien. 
Die Kämpfe vom 1. bis 5. Juli 1916 
Erst in der Nacht auf den 1. Juli rückte die Infanrerie des Angreifers 
in ihre Sturmstellungen. Die Franzosen Fayolles entwickelken sich zum 
Angriff auf die Linie Vermandovillers—Gouzeaucourt-—Dompierre— 
Frise— Maricourt, die Engländer Rawlinsons auf die Linie Mameg—Fri- 
court—Opillers—Thiepval—Hamel, und die Armee Allemby trat zum 
A#ngriff auf Beaumon—Serre—Hébuterne—Gommbcourt an. Die Fran- 
zosen gedachten die Deueschen zwischen der Römerstraße und der Somme zu 
überrennen, die Dörfer Estrées, Belloy, Becquincourt, Herbecourt, Flau- 
courk, Frise, Feuilleres zu nehmen und an der Somme auf beiden Lfern 
aufwärts gen Péronne vorzudringen. Bon Westen und Nordwesten an- 
gegriffen, sollte Déronne rasch erliegen. Die Engländer wollten den Haupt- 
angriff zu beiden Seiten der Straße Albert—Bapaume führen, mit dem 
rechten Flügel den Borsprung von Fricourt umfassen, im ersten Anlauf die 
Hänge von Hardeêécourk, Montauban, Contalmaison, Pozières und Thiepval 
ersteigen und mit dem linken Flügel die Ancre zwischen Hamel und Mirau- 
mone gewinnen und aus Südwesten und Westen auf Bapaume durchbrechen. 
Die Infanterie hatte durch deutsches Vergeltungsfeuer wenig gelitten 
und trat, von dem Schauspiel des eigenen überwältigenden Artilleriefeuers 
begeistert, zuversichtlich zum Sturm an. 
Um 7 Uhr 30 in der Frübe stiegen Engländer und Franzosen aus den 
Gräben. Altengland schritt voran. Wahrend Kanadier und Australier 
den Feind bei Lens und Bpern fesselten, griffen Kiecheners Divisionen und die 
auf die alte Feldarmee gepfropften Neubildungen an der Anecre an. Die 
Sturmkorps waren auf 4 Divisionen verstärkt. Engländer, Schotten, Iren 
fochten Schulter an Schulter, keiner zweifelte am Gelingen. Die Frangosen 
gingen mit dem Gefühl in die Schlacht, daß sie am Feinde für Verdun Rache 
zu nehmen batten, obwohl die Festung nicht gefallen war. Der Angriff 
war auf gewal same Durchbrechung des zerschlagenen Frontstückes auf beiden 
Anere- und Sommeufern gestellt und wurde mit rücksichtsloser Wucht geführt. 
Da wiederbolte sich dos alte Heldenspiel. Da erstanden aus Trichtern 
und Drümmern die lehten DLberlebenden der deutschen Grabenbesaungen 
und richteten die heilgebliebenen Maschinengewehre auf den anlaufenden