Full text: Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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empfangen; in älterer Spr. mit dem Beisinne des Ge- 
winnens durch Thätigkeit: das wir samen von unserm 
vater erhalten 1. Mos. 19, 32; sie erhalten einen sieg 
nach dem andern Pf. 81, 8; wann sie die schlacht vor 
Allerheim nicht erhalten hätten Simpl. 3,247; wie 
gern wollte ich, dasz der ehrliche mann seinen zweck 
erhielte Lessing 3, 35; einen so seltenen sieg. er- 
halten Dram. 33; übers herz erhalten, gewinnen Wie- 
land Liebe um Liebe 6, 416; jetzt eingeschränkt: durch 
ein verdeseertes verfahren zucker aus rüben erhalten; 
man erhält silber aus bleierz; auch: den preis, lohn 
für seine bemüuhung erhalten; kein geld vom schuldner 
erhalten können; sonst ohne den Beisinn der Bemühung: 
eine nachricht, briefe, waren, zusendungen erhalten; 
das testament, das Sie abschriftlich erhielten Benedix 
Gefängn. 3, 4; weszhalb habe ich Ihre ausforderung er- 
balten! Isfland Mann v. Wort 4,11; von eurer macht 
allein und ibrer furcht erhaltet ihr den gern ver- 
sagten dienst Schiller Br. v. Mess. 347; wenn er (der 
Funke) keine nahrung erbült Goethe W. Meister 1, 11; 
die vorstellungen, die ich durch dieses (Gefühl) erhalte 
Schiller 1, 83; in erweiterter Fügung: etwas zu- 
geschickt, ubersendet erhalten u. a. 4) in älterer Spr. 
beweisen, darthun: sachen ..die so leicht mit der schrift 
zu verwerfen als zu erhalten sein Aventin 1,746; noch 
im 18. Ih. kanfleimäßig etwas eidlich erhalten Abe- 
lung. — Elrhalter, m. der erhält; erhalter seines volkes 
Sir. 49, 17.— Erhaltung, f. das Erhalten. — erhängen, 
aushängen: meine seele wundschet erhangen zu sein 
Hiob 7, 15; miszgewächsen, die man an eim rost erhieng 
Garg. 71; sich, sich durch Hängen töten: erbenget sich 
selbs Matth. 27, 25; der sich selbst erhbing Bürger 
Erhalter — erheben. 
Mactb. 1, 3; jetzt er hat sich erhängt. — erharren, 
völlig harren, erwarten, in älterer Spr. mit Gen.: ein 
demütiger erharret der zeit Sir. 1, 28; der hulfe er- 
harren Judith 7, 22; jünger mit Acc.: eine gute ge- 
legenheit erharren Simpl. 2, 98; lasz uns im stillen 
jenen tag erbarren Goethe nat. Tocht. 1,6; sehnsuchts- 
voll erharrte freunde Geibel 6, 8; intranfs. erharret. 
ruhig Uhland 99. — erhärten, mhd. erberten, hart, 
sest machen, gewöhnlich übertragen: (wenn er) seinen 
muth an ecenen des leidens erhärtet Schiller 2, 318; 
der sich . zu den abscheulichsten verbrechen erhärtet 
hatte 355; — bekräftigen: wil mit mime swerte die 
wärheit erherten Rol. Lied 301, 22; wabrheit, die ich 
mit einem koörperlichen eide erhürten will Isfland 
Mann v. Wort 5,6; seine sonntagspredigten erhürtei 
er.. durch beispiele Rosegger Waldschulm. 239; — 
intrans. für das jetzt verschollene erharten hart werden 
(noch bei Adelun 6 der koth erhartet an der sonne), 
schon im 16. Ih.: dasz sie (getrocknete Fische) im luft. 
recht . erhärteten Garg. 101; übertragen: den arm 
eines im bandwerk erhürteten buben Schiller 2, 363. 
— erhaschen, haschend erlangen, ergreisen tmittedeugsches, « 
asler 
erwischen, fahen erklärt): der woll 
durch Luther allgemein gewordenes Wort, im 
N. Test. 1523 dur 
erbaschet und zerstrewet die schafe * 10, 12; die 
veisen erhaschet er in jrer klugheit 1. Cor 
haechen weiszt Schiller Räub. 3, 2; wenn der dieb 
erdascht und gehenkt wird Hebel 2,5; die leute ringen 
.. zZu er- 
untereinander um diese scherben, um solche 
haschen Rosegger Waldschulm. 166. — erhausen, 
hausend, sparend erwerben; oberdeutsch: es ist kein 
geld schlechter erhaust Hebel 2, 187; da brächten sic 
Was sie erhauset Keller Seldw. 2, 309. 
Erheben, vollkommen aufwärts heben, mhd. erheden; 
mit dem Prät. mhd. erhuop, uhd. erhub, das erst in 
diesem Ih. zu Gunsten von erhob zurückgetreten ist 
(noch bei Lenau erhube: trube 93); und dem Part. 
mhd. und älter nhd. erhaben (dasz es sich wider den 
. 3, 19; er- 
hasche die achlange bei dem schwanz 2. Mos. 4, 4; 
wenn du noch in der welt eine einzige freude zu er- 
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berrn erhaben hat Jer. 48, 42; da es mich 80 hoch 
erhaben hätte Simpl. 1, 381), das in verbaler Fügung 
schon seit 17. Ih. durch erhoben ersetzt wird, während 
es sich als Adj. (vgl. erhaben) erhalten hat: schwache 
Formen kommen vereinzelt, namentlich mundartlich ober- 
deutsch vor (da erhebte sich ein kalter wind Stranitzky 
in den Wiener Neudrucken 6, 32). 1) etwas erheben. 
in sinnlicher Bed.; bei den Jägern jagdzeng, aufheben; 
die hutte (1. Mos. 13, 18), sie an einen andern Ort 
bringen; der wind erhebt die wellen (Pf. 107, 25); 
fühlt ich den sarg erboben und fortgefuhrt Schiller 
Räub. 4, 5; kasten .. dessen deckel nicht zu erbeben, 
kaum zu lusten war Goethe Wanderj. 1, 4; besonders 
von Körperteilen und damit Verbundenem, zugleich zum 
Ansdruck für Willen und Empfindung: band (zur Hilsc, 
zum Schwur, Pf. 10, 12. Hes. 20, 5); fusz (zur Flucht); 
kopf, augen, kühn, frei; blicke zu einem zu erheben 
wagen; hand, schwert wider einen; ein verhaltnes ach! 
erhebt die rosenbrust Wieland Idr. 5, 30; — ver- 
blaßter, gelder, zinsen, summen erheben, ursprünglich 
gemeint vom S#hltische meint er den achatz zu erheben 
Schiller Walleust. Lager 11; daher früher auch — er- 
langen, erwerben: (daß ich nicht) den acker kund er- 
heben Rebhun Eus. 2,1; — in der Kunstspr. bei 
Malern, Bildhauern, Stickern, Teile der Arbeit hervor- 
treten lassen; bei Lichtwirkungen: dureh die dunkelheit 
des übrigen eruoben Wieland Ob. 12, 16; — un- 
sinnlich, in Bezug auf Inneres: Bernhards siege er- 
hoben seinen muth Schiller 8, 386; rie lebt in deinem 
sinne, den sie sonst erhub Goethe nat. Tocht. 3, 4; 
auf Erhöhung von Rang und Wertschätzung: eines 
leistungen, verdicnste gebuhrend erheben; hat man 
doch die giftmischerei beinahe in den rang einer ordent- 
lichen wissenschaft erhoben Schiller Ränb. 2,1; — 
anders die stimme erheben (Luc. 11, 27. 17, 13), laut 
werden lassen; das laute erheben der stimme Bismarck 
Neden 8, 38; daher gesebrei, streit, zank; erhuben sic 
klag Odysfs. 10, 567; auch einwurfe, bedenken; als aber 
einer den klugen einwand erhob Freytag Erinn. 
213. 2) einen erheden, in sinnlicher Bed., vom boden, 
einen gelallenen; stieg auf den tritt, der mich uber 
das (Puppenhtheater erbub Goethe W. Meister 1, 6; 
unsinnlich, in Bezug aus Würde, Rang: das ieh dich 
aus dem staub erhaben habe, und zum fursten gemacht 
l. Kön. 16, 2; einen zu amt und würden, in den adel- 
stand erheben; lobend, preisend: meine seele erbebt den 
herrn Luc. 1, 46. 3) sich erheben, in sinnlicher Bed., 
von Lebewesen: vom boden, aus dem bette: zum fort- 
gehen: wenn er (der Leviathan) sich erbebt Hiob 41, 16; 
da Ihesus diese rede volendet batte, erhub er sich aus 
Galilea Matth. 19, 1; es soll . was abnen bat, nach 
hofe sieb erbeben Wieland Perv. 1, 347; der vogel 
erhebt sich in die lust; auch von belebt Gedachtem: 
meer (Hes. 26, 3), wind (Ap. Gesch. 28, 13) hat sich er- 
hoben; jetzt erhob iller 8, 175; 
erheben. 
sich ein sturmwind Schil 
— vider einen, kämpsend, streitend: erhub sich Kain 
wider seinen bruder 1. Mos. 1, 8; erhuben sich gegen 
die neuerung Goethe DuW. 2; sich zu etwas, auf- 
schwingend: zu neuen absichten erhob sich alsdann 
der papst Ranke Päpste 1, 216; über einen, in Stolz 
oder Kraft: warumb erhebt jr euch uber die gemeinde 
des herrn? 4. Mos. 16,3; ein volk wird sich erheben 
uber das ander Luc. 21, 10; in älterer Spr. auch sich 
eines dinges, überheben, damit prahlen: erbeb dich 
nicht deiner kleider Sir. 11, 4; und noch: cr erhub 
sich des groszen vermögens Goetbe Rein. F. 5, jetzt 
nicht mehr; — vom Innern des Menschen, Eigenschaften 
u. u.: so wie sich der karakter Herrmanns erhob 
Schiller 2, 371; die kraft erhebt sich im drang Räub. 
1, 2; bald erhob sich sein gemüt und sank dann wieder 
mutlos nieder bald Platen Abbass. 2, 96; — von 
Dingen, — entstehen, beginnen (vgl. anbeben): cetreit