Metadata : Bavaria. Landes und Volkskunde des Königreiches Bayern.

952  Schwaben  u.  Reuburg.

einzogen)  bereits  eine  vortreffliche  Schulanstalt;  für  die  Unvermöglicheren
aber  stünden  in  Augsburg  die  Schulen  am  Dom,  bei  St.  Moriz,  St.  Ulrich
und  St.  Martin  offen.  Erst  nach  20jährigen  Bemühungen  gelang  es,  die
Gründung  eines  Collegiums  (mittels  großartiger  Gaben  aus  der  Fuggerschen
  Familie  u.  a.)  durchzusetzen.  Im  März  1582  bezogen  die  Jesuiten  das
neue  Collegium,  worauf  auch  sofort  der  erste  Stein  zur  Kirche  gelegt  wurde,
welche  in  Folge  lebhafter  Unterstützung  von  Seite  katholischer  Patrizier  und
mehrerer  beim  Reichstag  anwesender  Fürsten  schon  am  1.  Mai  1584  eingeweiht
  werden  konnte.  Da  mit  dem  Collegium  auch  das  Gymnasium  erbaut
  wurde,  konnte  dieses  nebst  einem  von  P.  Frick  geleiteten  Seminar
(zum  hl.  Joseph)  )  ebenfalls  1582  eröffnet  werden.  Jakob  Pontan,  einer
der  größten  Schulmänner  seiner  Zeit,  leitete  als  Studienpräfect  die  ganze
Anstalt  und  lehrte  selbst  Poesie.  Pontaus  Ansichten  von  der  Bedeutung  der
Humaniora  waren  von  großem  Einflusse  auf  die  Ordensobern,  welche  balo
von  Augsburg  aus  eine  kurze  Anleitung  für  die  Lehrer  der  Humanität  an
die  Collegien  in  Dilingen,  München,  Innsbruck,  Hall,  Regensburg  und  Ingolstadt
  ergehen  ließen.  Im  zweiten  Schuljahre  wurde  auch  Rhetorik  gelehrt,
  und  zwar  durch  Wolfg.  Stark.  Die  Schülerzahl  wuchs  von  Jahr
zu  Jahr  —  1585  schon  über  300  —,  so  daß  auf  Andringen  mehrerer  Patrizier
  und  Klostervorstände  1589  auch  ein  Lyceum  eröffnet  wurde.  Der
gelehrte  Marx  Welser  hörte  ein  ganzes  Jahr  lang  die  Vorlesungen  über  Moraltheologie
  und  das  Domcapitel  fand  die  Methode  der  Jesuiten  so  vortrefflich,
  daß  es  1611  die  auf  der  Domschule  bisher  noch  gelesenen  Collegien
über  Dialektik,  Erhik  und  Moral  eingehen  ließ  und  den  Unterricht  daselbst
auf  die  Vorbereitungsgegenstände  beschränkte.

Dem  Collegium  der  Jesuiten  wurde,  wie  oben  erzählt,  ein  Collegium
bei  St.  Anna  zur  unentgeltlichen  Erziehung  der  Kinder  armer  Bürger  des
Augsburger  Bekenntnisses  entgegengesetzt.  Joh.  Bapt.  Hainzel,  ein  Freund
und  Beförderer  wissenschaftlicher  Bildung,  hatte  schon  1580  die  Sache  in
Anregung  gebracht  und  Hieronymus  Wolf  einen  Plan  dafür  ausgearbeitet.
Aber  erst  nachdem  von  mehrern  Wohlthätern  (namentlich  M  Zobel)  ein  entsprechendes
  Capital  aufgebracht  war,  konnte  Haud  aus  Werk  gelegt  werden.
Der  Grundstein  zum  neuen  Collegiumsgebäude  (in  der  St.  Annagasse)  wurde
am  5.  Febr.  1581  gelegt,  an  demselben  Tage,  an  welchem  auch  die  Jesuiten
zu  bauen  anfingen.  Nach  den  vom  Senior  bei  St.  Anna,  Dr.  G.  Müller,
entworfenen  Statuten  ist  der  Rector  stets  aus  der  Zahl  der  evangelischen
Prediger  in  Augsburg  zu  wählen,  weil  „dieß  Collegium  ein  Seminarium
des  Ministerii  und  Grundsäule  der  Evangelischen  Kirche  seyn  und  bleiben
müsse.“  Auch  solle  er  sich  durch  pädagogische  Einsicht,  erprobte  Lehrgabe  und
1)  Schon  P.  Canisius  hatte  200  Jünglinge  unter  Einem  Dache  um  sich  gesommelt

gehabt.