Full text : Geschichte der Hohenzollern.

Offiziere  verloren  haben,  und  hat  nur  vier  bis  fünf  verloren;  fie  haben  sich
allmälig,  nach  fünf  bis  acht  Tagen,  wieder  eingefunden;  so  die  Soldaten  im
Verhältniß.  Sollten  Sie  es  wohl  glauben,  daß  ein  Fähnrich  mit  seiner  Fahne
und  nebst  fünf  oder  sechs  Soldaten  in  Göttingen  angekommen  ist,  und  daß
Pauker  ebenda  ganz  allein  eingetroffen?  Kurz  man  würde  nicht  enden,  wenn
man  alle  Unordnungen  erzählen  wollte.  Das  Feld  ist  mit  unsern  Soldaten
auf  vierzig  Meilen  in  die  Runde  bedeckt  gewesen;  sie  haben  geplündert,  gemordet,
Frauen  entehrt,  geraubt  und  alle  mögliche  Gräuel  begangen.  Hätte  der  Feind
uns  lebhaft  verfolgt,  nachdem  er  mich  geworfen,  so  würde  er  unser  ganzes
Heer  vernichtet  haben.  Er  hat  es  ohne  Zweifel  nicht  gewollt,  und  es  ist  gewiß,
daß  der  König  von  Preußen  Befehl  gegeben,  unsere  Leute  zu  schonen  und  die
Deutschen  zu  zermalmen;  seine  Husaren  haben  mehrere  von  unsern  Soldaten
zurückgeschickt,  nachdem  sie  dieselben  anständig  behandelt.  Man  kann  nichts
hinzufügen  zu  dem  Edelmuth  und  der  Feinheit,  mit  welcher  er  unsern  Gefangenen
  begegnet  ist.  Als  sie  ihre  Briefe  unverfiegelt  schickten,  mit  der  Bitte,
sie  durchzulassen,  sagke  der  König:  Ich  kann  mich  nicht  gewöhnen,  sie  als
meine  Feinde  zu  betrachten,  und  ich  habe  kein  Mißtrauen  gegen  sie,  also  versiegeln
  sie  ihre  Briefe  und  sie  sollen  die  Antworten  ungeöffnet  empfangen.
Er  äußerte  auch,  daß  er  keine  Freudenfeste  über  den  Sieg  anstellen  wolle,  daß
derselbe  sein  Herz  betrübe,  daß  übrigens  die  Franzosen  schlecht  geführt  worden,
und  daß,  da  sie  nicht  in  Schlachtordnung  gewesen,  ihre  Tapferkeit  nicht  hätte
zur  Anwendung  kommen  können.  Wir  gehen  nach  dem  Hanauischen  in  die
Winterquartiere;  ich  denke,  es  ist  keine  gute  Politik,  das  hessische  Land  zu  verheeren.
  Das  Reich  ist  sehr  empört  gegen  uns,  und  es  sieht  mit  Schmerzen
und  mit  großer  Unzufriedenheit,  daß  man  einige  seiner  Glieder  erdrückt.  Ich
denke  immer,  wir  haben  einen  schlechten  Krieg,  und  es  würde  sehr  gut  sein,
daß  man  ihn  endigte;  er  wird  keinen  guten  Ausgang  haben,  wenn  er  sich  in
die  Länge  zieht.“  Auch  Friedrichs  Aeußerungen  in  den  Briefen  an  seine
Freunde  bezeugen  denselben  Unwillen  über  das  Benehmen  der  Franzosen,  deren
Leitung  er  jedoch  allein  diese  Zügellofigkeit  zuschreibt.

Nach  diesem  glücklichen  Schlage  kehrte,  obschon  die  Gefahren  noch  drohend
genug  über  seinem  Haupte  hingen,  dennoch  eine  ruhigere  Stimmung  in  Friedrichs
  hartgeprüftes  Herz  zurück.  Er  fand  wieder  Geschmack  an  der  Dichtung;
wir  kennen  eine  große  Zahl  von  Versen,  die  in  jener  Zeit  geschrieben  find,  und
wo  er  seinen  unerschütterlichen  Muth  und  standhafte  Beharrlichkeit  in  seiner
#Pflicht  bekundet.  Es  war  der  erste  Lichtblick  des  Glückes,  welcher  seinen  dunkeln
Pfad  in  jenen  Tagen  der  Trübsal  erhellte.  Vor  der  dringendsten  Gefahr  sah
er  sich  wenigstens  gerettet.  Richelien,  dessen  Lager  bei  Halberstadt  aufgeschlagen
war,  zog  ins  Hannöversche  zurück,  die  Verbündeten  faßten  wieder  Muth  und
ergrifsen  von  Neuem  die  Waffen;  bald  trat  auch  England  wieder  in  die  Schranken;
kurz  es  begann  ein  mächtiger  Umschwung  der  Dinge  seit  dieser  glorreichen
Schlacht  von  Roßbach.