142 VI. A. Innere Politik und Kriegführung bis zur Revolution von oben.
dem demokratischen Denken in unserem Volke anpaßte und es
immer mehr verschärfte. Sie hätte aber, trotz der Blockade, nie so
wirken können, wie sie es tat, wenn die falschen Führer des deutschen
Volkes nicht selbst den Boden für die Saat bereitet hätten. Sie
waren eben nichts anderes als Bundesgenossen des Feindes, gegen
den das Heer kämpfte.
Die Selbstsicherheit und Schwungkraft des Volksgeistes mußte
erlahmen. Vernachlässigt und aufs heftigste bekämpft, erlag er
schließlich den vereinten Anstürmen von innen und außen. Das
hatten viele von denen nicht gewollt, die ihn geschädigt hatten. Das
entlastet sie nicht. Mit ihrer Mithilfe hatten die inneren und
äußeren Feinde ihr Ziel erreicht. Die einzige Gegenwirkung, die
diese fanden, waren unsere Siege an der Front. Aber das
ungeheure Geschehnis, die Niederwerfung Rußlands und Rumäniens,
der Waffenstillstand und die Friedensschlüsse von Brest-Litowsk
und Bukarest, lösten schon keinen nachhaltigen Widerhall
mehr aus.
Unsere Siege im März, April, Mai und Juni 1918 hoben die
Stimmung. Weil sie keinen durchschlagenden Erfolg hatten — zum
Teil schon deshalb, weil der Geist der Truppe durch den mißleiteten
und zersetzten Volksgeist bereits angekränkelt war —, setzte die Kritik
sofort ein. Als dann mit dem 15. Juli die Siege ausblieben und
Mißerfolge eintraten, ergab man sich auf der einen Seite willenlos
dem Mißgeschick, auf der anderen erhoffte man endliche Erfüllung
parteipolitischer Wünsche, sei es im Sinne der Demokratisierung, sei
es im Sinne der Sozialisierung und Bolschewisierung Deutschlands
oder zur Schwächung der protestantischen Vormacht.
Was tat nun die O. H. L. angesichts dieser Zustände, die die
Kriegführung so eng berührten?
Auch wohlwollende Beurteiler der Gesamttätigkeit der Dritten
O. H. L. lehnen ihr Handeln ab. Ich gebe hier folgendes Urteil als
bezeichnend für das Denken der Mehrzahl des deutschen Volkes
wieder: „Wie allerdings Ludendorff. dieser gefahrvollen Sachlage
zu begegnen suchte durch rein militärische Machtmittel, durch