Full text: Staatsrecht des Königreichs Bayern.

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zember 1899 (R.-G.-Bl. S. 705) eine gesetzliche Grundlage für die Anlage und Führung 
von Telegraphenlinien geschaffen worden, welches eine Ergänzung des Gesetzes über die 
Zwangsenteignung (s. oben §§ 46—48) bildet. Hiezu ergingen die Ausführungsbestim- 
mungen vom 26. Januar 1900 (R.-G.-Bl. S. 7) und für Bayern noch die Vollzugsvorschrift 
vom 11. April 1900 (G.-V.-Bl. S. 398). 
Für den inneren Telegraphenverkehr Bayerns ist die Telegraphenordnung vom 
26. Juni 1897 (G.= V.-Bl. S. 222) maßgebend, deren Aenderungen im Gesetz= und Ver- 
ordnungsblatte verkündet werden, im Wechselverkehr die Telegraphenordnung für das 
Deutsche Reich vom 9. Juni 1897 (Zentralbl. S. 163). Durch Reichsgesetz vom 20. Dez. 
1899 (R.-G.-Bl. S. 711) wurde eine Fernsprechgebührenordnung erlassen, 
welche auf den inneren Verkehr von Bayern keine Anwendung findet, hiefür ist der Tele- 
phongebührentarif vom 27. Februar 1900 (G.-V.-Bl. S. 143) maßgebend, der durch 
das Ministerium des Aeußern auf Grund allerhöchster Genehmigung bekanntgegeben 
wurde. Dieser Tarif ist durch Bekanntmachung vom 31. Oktober 1900 und 31. Mai 1902 
teilweise geändert worden (G.-V.-Bl. S. 219, 1189, s. a. Weber 29 S. 345). 
Das Post= und Telegraphenwesen gehört zum Geschäftsbereiche des Staatsministe- 
riums des k. Hauses und des Aeußern. Als Zentralstelle ist demselben nach der Verord- 
nung vom 17. Juli 1886 (G.-V.-Bl. S. 437), bezw. V.-O. vom 22. Oktober 1898 (G.-V.= 
Bl. S. 587)1) die Generaldirektion der k. bayerischen Posten und Te- 
legraphen untergeben. Dieser unterstehen die Oberpostämter als äußere Vollzugs- 
und Aussichtsbehörden und diesen wieder die Post= und Telegraphenanstalten. Die Post- 
anstalten teilen sich in Postämter, Postverwaltungen, Post= und Telegraphenanstalten (Post- 
ämter I. II. III. Klasse und Postagenturen nebst Posthilfsstellen). Sie haben regelmäßig 
den Telegraphen= und Telephondienst mitzubesorgen, doch können, wo der Geschäftsumfang 
es bedingt, besondere Telegraphen= oder Telephonämter errichtet werden. An Orten mit 
Eisenbahnstationen kann die Wahrnehmung des Post= und Staats-Telegraphendienstes nach 
den vom Ministerium des k. Hauses und des Aeußern getroffenen Bestimmungen Beamten 
der Staatseisenbahnverwaltung übertragen werden. 
§ 106. Münze, Maß und Gewicht?). Das Münzwesen ist nunmehr von 
Reichs wegen geregelt. Die Bundesstaaten haben das Recht, Münzen zu schlagen. Bayern 
besitzt ein Hauptmünzamt in München 32), das dem Staatsministerium der Finanzen unter- 
stellt ist. 
Anch die Ordnung des Maß-) und Gewichtswesens fällt in die Reichs- 
zuständigkeit. Jedoch hat Bayern anläßlich der Einführung der norddeutschen Maß= und 
Gewichtsordnung vom 17. August 1868 (mit vielen im R.-G.-Bl. veröffentlichten Aende- 
rungen) durch das Reichsgesetz vom 26. November 1871 (R.-G.-Bl. S. 397) ein Sonder- 
recht zugestanden erhalten. 
Hienach finden die Art. 15—20 der deutschen Maß= und Gewichtsordnung auf 
1) Dazu Min. Bek. vom 29. Okt. 1898 (G. V. Bl. S. 5), und 15. Jannar 1899 (Weber 
XXVI S. 565), serner Bek. vom 31. Okt. 1899 (Weber XXVIII S. 119) über die Geschäfts- 
ordnung der Oberpostämter. Ueber die Aufnahme in den Dienst der Post= und Telegraphenver- 
waltung s. Bek. vom 11. Okt. 1899 (Weber XXVIII S. 70). 
2) v. Seydel, Staatsrecht III S. 337 ff., Laband, Staatsrecht III S. 179 ff. 
3) V. O. vom 28. Oktober 1808 und vom 10. Dezember 1875 (Weber I S. 248, XI 
S. 245). S. auch R. Bl. 1823 S. 1362. Vgl. hieher Hock, Handbuch der gesamten Finanz- 
verwaltung im Königreiche Bayern I S. 174 f. (vielfach veraltet). .. 
4) Vgl. u. a. das R.G. vom 1. Juni 1898 über die elektrischen Maßeinheiten (R.G. Bl. 
S. 905) und die Ausf. Best. vom 2. Mai 1901 (RN.G.Bl. S. 127). Ueber die Schiffsvermessungs- 
ordnung vom 1. März 1895 (R.G. Bl. S. 153), s. v. Seydel, Komm. S. 304; für die Ver- 
messung und Achung der Binnenschiffe s. den Vertrag der Rheinuferstaaten vom 4. Febr. 1898. 
(R.G.BBl. 1899 S. 299).