Ende des sächsischen Fürstenaufstandes. 353
zu werden, und setzte deshalb von seiner auf einem hohen Berge gelegenen
Feste Dasenburg an der Dimel auf eigene Faust den Kampf gegen Herzog
Heinrich fort. Mit grimmiger Freude sah dieser doch einen und gerade den
kecksten seiner Feinde in seine Hand gegeben; sofort schloß er dessen Burg ein.
Aber bei dem niedrigen Stande der damaligen Belagerungskunst war der
hohe Burgberg für sie ein unübersteigliches Hindernis. Auch hierfür wußte
Heinrich Rat. Er holte die tüchtigsten Bergleute vom Rammelsberge und
ließ diese in das Innere jenes Berges eindringen. Hier trafen sie auf den
Brunnen, aus dem die Schloßbesatzung ihr Wasser holte. Nachdem sie ihn
abgeleitet hatten, entstand natürlich im Schlosse größter Mangel, und Wede-
kind mußte sich und seine Burg in die Gewalt des Herzogs übergeben").
Auf Bitten des Bischofs von Paderborn begnadigte ihn der Herzog auf dem
Landtage zu Corvey unter folgenden Bedingungen: erstens mußte Wedekind
die Dasenburg dem Herzoge überliefern und zweitens schwören, vom 24. Juni
des nächsten Jahres ab Deutschland diesseits des Rheines zu verlassen und
nur mit Erlaubyis des Herzogs zurückzukehren“).
So ward der drohende große Aufstand der sächsischen Fürsten gegen ihren
Kriegsherrn beendigt und gestillt. Aber Heinrich war gerade nicht mit großem
Ruhm aus dem Kampfe hervorgegangen. Anfangs im Übergewicht, hatte
er sich doch gegen Ende des Krieges entschieden im Nachteile gesehen, und
nur der Machtspruch des Kaisers hatte ihn aus arger Bedrängnis gerettet.
War auch seine äußere Macht unverändert, sein Ansehen mußte durch die
ungünstige Wendung des Kampfes sehr gelitten haben. Man sollte denken,
daß so schlimme Erfahrungen dem Herzoge eine Warnung gewesen wären,
eine Mahnung, mehr Milde und Achtung vor fremdem Besitze zu zeigen —
Eigenschaften, mit denen sich eifrige Handhabung der Gerechtigkeit, feste Ver-
fechtung der eigenen Rechtsansprüche und angemessene Wahrung der ge-
ziemenden Würde sehr wohl vereinigen ließen. Aber leider hatten, wie gesagt,
die Drangsale der jüngsten Vergangenheit nur in ungünstiger Weise auf den
Charakter Heinrichs eingewirkt. Er war auch nicht zu der Einsicht gediehen,
daß er dauernd des Beistandes des Kaisers bedürfe, wenn er nicht unter der
Wucht des allgemeinen Hasses erliegen solle.
Noch mitten in den Wirren des Kampfes hatte Heinrich eine Handlung 1167
vorgenommen, die sonst gewöhnlich nur im tiefsten Frieden ausgeführt zu
werden pflegt. Er hatte seine seit drei Jahren vorbereitete Vermählung mit
Mathilde, der Tochter des Königs Heinrich von England, vollzogen. Der
Kaiser selbst wirkte auf die endliche Schließung des Bündnisses hin“““), durch
das er Heinrich II. auch für den Kampf gegen das Papsttum an Deutschland
½% Helm. II, 107.
#5RKrit. Erört. VIh.
½%%) Theod. Mon. Palid., p. 94: Et hoc (bie Hochzeit Heinrichs] factum est instinotn
et vohkuntate imperatoris.
FPilippson, Heinrich der Löwe. 23