1. Der Staat des Deutschen Ordeno in Preußen. 85
Wladislaw II. vereinigt die Todfeindschaft der Litauer und der
Nationalhaß der Polen endlich ihre Zeit gekommen sahen. Die
Tüchtigkeit des Ordens bestand die Probe so wenig wie die
Treue seiner Unterthanen: so führte ein unverschuldetes Mißgeschick
im Felde zu einer folgenschweren Katastrophe im Innern.
Was einst das Glück Preußens gewesen, daß es siatt eigennützigen
Dynastien einer in den Dienst einer großen Zdee
gestellten Cienossenschaft unterthan war, wurde jetzt sein Verhängnis.
Es verbitterte den Konflikt zwischen Herrschern und
Unterthanen und machte aus dem Kamof um ein politisches
Prinzip ein wüstes Ringen um materielle Interessen. Indem
eine in überwundenen Anschauungen wurzelnde Genossenschaft,
deren Glieder die der Gesamtheit zustehenden Befugnisse für sich
persönlich nutzbar machten, die ihr Recht heischenden Stände
um jeden Preis niedertreten wollte, trieb sie sie in das Lager
des Erbfeindes und verkürzte in heilloser Verblendung den
Gesamtbesitz der deutschen Nation um ein kostbares Stück.
Lagen die Gründe für den Zusammenstoß zwischen Polen
und dem Orden in der Geschichte der letzten anderthalb Jahrhunderte:
den Anlaß gaben neue Streitigkeiten über wichtige
Grenzgebiete. Um 50000 ungarische Gulden hatte 1391 Herzog
Wladièlaw von Oppeln einen Teil der Herrschaft Dobrin, an
der Mündung der Drewenz in die Weichsel, dem Orden verpfändet
und dieser 1392 besetzt. Wladislaw lII. hatte das geschehen
lassen müssen, weil er, in Streit mit Witowd, es mit
dem Orden nicht verderben mochte. Erst als Witowd und der
König versöhnt war, verständigte sich der Orden 1404 mit
ihnen dahin, daß er gegen Erstattung der Pfandsumme Dobrin
herausgab und dagegen Samaiten erhielt. Schon war aber
ein ähnlicher gefährlicher Konflikt entstanden. Nach langen
Verhandlungen hatte im Sommer 1102 König Siegmund von
Ungarn als Markgraf ven Brandenburg die Neumark für
63 200 ungarische Gulden dem Orden verpfändet, für den sie
wegen der Verbindung mit dem Reiche besonders wichtig war.
Dagegen erhoben nicht bloß der Adel des Landes und Polen,
sondern auch die Pommernherzöge und Siegmunds luremburgische
Verwandte Einsprache. Insbesondere forderte Wladislam II. die