Das Italienische Garantiegesetz vom 13 Mai 1871. 181
lischen Kirche entsandten, — hatten doch die meisten Geschäfte der Nuntien
mit der weltlichen Herrschaft und den Interessen der Unterthanen des Kirchenstaates
nichts zu thun — das Reglement des Wiener Congresses vom 15. März
1815 über den Rang der diplomatischen Agenten bestimmte einfach, daß es
hierbei verbleibe?). Nur solche Staaten können also den Legaten und Nuntien
den Vortritt weigern, welche sich wie die Verein. Staaten darauf berufen
können, daß sie jenem Reglement nicht beigetreten sind, thatsächlich aber hat
seit dem Sturz der weltlichen Herrschaft noch nie eine solche Weigerung seitens
eines andern Botschafters stattgefunden. Ziehen wir die Summe aus dieser
Erörterung der einzelnen dem Papste gewährten Rechte, so kommen wir zu
dem Ergebniß, daß derselbe nicht mehr als Souverän gelten kann. Der Cardinal-Staatssecretär
Jacobini hat dies zwar bestritten und in seinem Circular
vom 11. September 1883 behauptet, daß der Papst kraft seiner göttlichen
Mission und seines apostolischen Amtes, welches er in der ganzen Welt als
höchste Autorität übe, auch nach dem Verlust der weltlichen Herrschaft nicht
blos rechtlich, sondern auch thatsächlich Souverän geblieben sei und daß diese
Eigenschaft wirklicher Souveränetät (di sovranita attuale) von allen Mächten
anerkannt werde, welche bei ihm Gesandte beglaubigen und ihm diejenigen
Akte der Ehrerbietung bezeugen, die nur regierenden Fürsten zukommen. Allein
er setzt sich selbst in Widerspruch mit der S. 169 angeführten Erklärung Antonellbs,
daß eine auf Zugeständnissen einer anderen Macht begründete Autorität
niemals selbständig sein könne und übersieht, daß die auswärtigen Mächte
diese mit diplomatischen Privilegien ausgestatteten Gesandten beim Papst nur
beglaubigen können, weil Italien die Voraussetzungen ihrer Wirksamkeit gewährt.
Der Papst ist dazu nach Verlust der weltlichen Macht gar nicht im
Stande, er kann ihre Vollmachten in Empfang nehmen, ihren Mittheilungen
Glauben schenken, er vermag nicht ihnen Unverletzlichkeit und Exterritorialität
an ihrem Aufenthaltsorte zu sichern. Diejenige unveräußerliche Souveränetät,
welche Cardinal Jacobini betont, ist weder ein staatsrechtlicher, noch ein völkerrechtlicher
Begriff. Nicht blos ist es verkehrt, wenn der Papst ein „völkerrechtliches
Subject“ genannt wird (Allg. Ev. luth. Kirchenztg. Nr. 11 S. 249,
1885) denn dies find nur unabhängige Staaten, sondern er ist auch nicht
in dem Sinne Souverän, wie es der Kaiser von Rußland, der König von
Griechenland u. s. w. sind, welche die Souveränetät ihres Staates vertreten
und auf die Ehren und Prärogativen im Innern und nach Außen deshalb
Anspruch haben, weil sie Oberhäupter eines Staates sind. Wäre der Papst
Souverän, so hätte auch er diese Rechte aus eigner Kraft und es wäre ganz
unnöthig, daß ihm das Garantiegesetz im Gebiete Italien's Unverletzlichkeit,
königliche Ehren für seine Person, Gesandschaftsrecht u. s. w. ausdrücklich zuerkennte.3)
Der Papst kann nach Verlust seiner weltlichen Herrschaft deshalb
nicht mehr als Souverän gelten, weil die Gebietshoheit, so beschränkt sie auch
sein mag, eine nothwendige Voraussetzung der Souveränetät ist, der Papst aber
übt keinerlei Gebietshoheit mehr und selbst für die ihm belassnen Paläste ist