Full text : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

IV.  Die  Teilung  Polens  und  der  Baseler  Friede.  309

Frankreich  zu  ermöglichen,  wenn  ihm  entsprechender  Landgewinn
verbürgt  wurde.  So  erklärte  es  in  Wien  wie  in  Petersburg,
indem  es  die  angeblich  gesicherte  Zustimmung  des  einen  Hofes
dem  anderen  gegenüber  zu  benutzen  suchte,  um  den  ihm  zu  bewilligenden
  Lohn  zu  steigern.  Das  ihm  versprochene  Stück  Polen,
that  Haugwitz  in  Wien  kund,  könne  der  König  als  eine  ent—
sprechende  Entschädigung  nicht  anerkennen:  es  müsse  verdoppelt
und  ihm  die  sofortige  Besitzergreifung  gestattet  werden.  Die
Ueberlassung  der  fränkischen  Fürstentümer  an  Oesterreich  (S.  305)
lehnte  er  endgültig  ab,  versprach  aber  den  Tausch  Belgiens  gegen
Bayern  zu  fördern,  auch  Oesterreich  sonst  noch  zu  Erwerbungen
zu  helfen,  sei  es  im  Elsaß,  sei  es  in  Südpolen.  Nun  war  die
Kriegslage  für  Oesterreich  augenblicklich  sehr  ungünstig.  Es  hatte
Belgien  verloren;  Lüttich  und  Aachen  waren  von  den  Fran—
zosen  gewonnen.  Dabei  ließen  die  Beziehungen  des  preußischen
Hauptquartiers  zu  Dumouriez  einen  preußisch-französischen
Separatfrieden  befürchten.  So  mußte  sich  Franz  II.  fügen  (Dezember
  1792).  Sein  Gesandter  in  Petersburg  machte  offiziell
den  Anwalt  der  preußischen  Forderungen,  intriguierte  freilich
gleichzeitig  gegen  ihre  Erfüllung.  Jedenfalls  hatten  Rußland
und  Preußen  beim  Vorgehn  gegen  Polen  von  Oesterreich  zur
Zeit  Hinderung  nicht  zu  befürchten.  So  marschierte  denn  von
der  einen  Seite  eine  russische  Armee  auf  Grodno,  um  dem
Reichstag  die  Gutheißung  der  neuen  Naubthat  abzuzwingen.
Von  der  anderen  rückten  preußische  Truppen  unter  Feldmarschall
v.  Möllendorff  ein,  um  das  Land  von  Aufruhr  und  Bürgerkrieg
zu  befreien.  Die  Teilung  war  also  bereits  im  Gange,  als  am
23.  Januar  1793  in  Petersburg  der  Geheimtraktat  unterzeichnet
wurde,  der  Preußen  neben  Danzig  und  Thorn  zu  sofortiger
Besitzergreifung  das  Land  überließ,  das  eine  von  Czensiochan
über  Rawa  nach  Soldau  gezogene  Linie  begrenzte.  Dafür
wollte  es  mit  Rußland  Oesterreich  zu  dem  belgisch-bayrischen
Tausche  und  sonst  noch  zu  allen  Vorteilen  verhelfen,  die  mit
dem  allgemeinen  Interesse  irgend  vereinbar  seien.  Ob  letztere
in  Elsaß  oder  Polen  oder  wo  sonst  gesucht  werden  sollten,
blieb  eine  offene  Frage,  deren  Beantwortung  von  dem  Gange
des  Krieges  abhing.  Die  bereits  begonnene  Oecupation  nahm