Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

54  Ersteo  Buch.  Die  Elemenie  des  preußischen  Staates  (bis  1598).

von  Böhmen.  Aber  auch  der  brandenburgische  Markgraf  Otto
hatte  sich  angeschlossen,  nicht  minder  die  Ritterschaft  Sachsens,
Meißens,  Thüringens,  des  Rheinlandes  und  Oesterreiche.  Von
Balga  aus  brach  man  in  das  Samland  ein,  zerstörte  etliche
preußische  Burgen  und  erzmang  die  Stellung  von  Geiseln.
Dann  errichtete  man  an  der  südlichen  Grenze  auf  der  Höhe
über  dem  rechten  Pregelufer  aus  Holz  und  Erde  einen  festen
Plak,  der  nach  der  gemaltigen  Kreuzfahrerfeste  Montroyal  im
südlichen  Palästina  Königsberg  genannt  wurde  —  ein  Ramen,
der  spater  falschlich  auf  die  Teilnahme  des  Böhmenkönigs  an
diesem  Zuge  zurückgeführt  wurde.  Bereits  1257  wurde  der
provisorische  Bau  in  etwas  veränderter  Lage  und  beträchtlich
erweitert  in  Stein  ausgeführt:  in  ihm  sollte  dereinst  die  Wiege
des  preußischen  Königtumo  siehen.  Bis  zum  Auegang  der
fünfziger  Jahre  beschäftigte  den  Orden  vornehmlich  Samland.
Wer  von  den  einheimischen  Edlen  sich  willig  bengte,  erhielt
Landgüter  mit  umfänglichen  gutsherrlichen  Nechten.  Nur  in
der  Nordostecke  der  Halbinsel,  wo  Preußen  und  Kuren  sich  berührten,
  drang  der  Orden  noch  nicht  durch.  Wohl  aber  unterwarf
  er  von  Wehlau  aus,  am  Zusammenfluß  von  Alle  und
Pregel,  das  Gebiet  von  Nadrauen.

Nun  waren  aber  diese  dreißig  Jahre  an  dem  Orden  selbst
nicht  spurlos  vorübergegangen.  Mit  seinen  ursprünglichen
Pflichten  war  der  Beruf  eines  Eroberers  und  Landesherrn  nicht
ohne  weiteres  vereinbar.  Die  Kämpfe  in  Preußen  kosteten
größere  Opfer  an  Menschenleben,  als  er  bei  seiner  beschränkten
Mitgliederzahl  bringen  konnte.  Deshalb  erlanbte  Papst  Alerander
  IV.  1256  die  Aufnahme  neuer  Genossen  ohne  vorhergehendes
  Noviziat  und  verhieß  1257  den  als  Anhänger  der
Staufer  gebannten  Rittern,  die  dem  Orden  beitraten,  Lösung
vom  Bann.  Das  drohte  eine  Lockerung  der  strengen  Zucht.
Dazu  kam  die  Entfernung  Preußens  von  dem  Sitß  der  Ordensleitung
  in  Accon,  der  sie  eine  dauernde  Einwirkung  auf  das
Ordensland  unmöglich  machte.  Der  prenßische  Zweig  war  nicht
nur  wie  selbständig,  sondern  hatte  auch  die  Zukunft  des  Ordens
in  der  Hand.  War  doch  1251  in  die  Regel  die  Bestimmung
ausgenommen,  zur  Abhaltung  eines  Generalkapitels  in  dem