Volltext : Württembergische Geschichtsquellen. Fünfter Band. (5)

wald  geblieben,  diesen  Platz  zu  behaupten.  Doch  als
Hauptmann  Bauer  mit  einigen  Schuͤtzen  im  Begriffe
war,  ihn  zu  retten,  erschien  er,  von  zahllosen  Schuͤssen
verfolgt,  unversehrt,  die  Kleider  von  Kugeln  durchloͤchert.
Er  begab  sich  mit  der  Reiterei  nach  Benedictbeuern  zuruͤck.
Die  Mannschaft  zu  Fuß  aber,  nachdem  sie  bis  an  die
Husselbrücke  über  die  Isar  auf  allen  Hôhen  von  Insurgenten
  umschwärmt  und  verfolgt  war,  wählte  zur  größerer
  Sicherheit  am  rechten  Isar=  Ufer  einen  15  Stunden
langen  Umweg  durch  die  unwegsamsten  Gebirge  über  die
Oswaldhütte,  Länggries  und  Tolz  nach  Benedictbeunern.
Die  Unternehmung,  obgleich  mißlungen,  ward  doch  durch
den  Schrecken  der  Ueberraschung,  welchen  sie  den  Insurgenten
  eingeflößt  hatte,  der  Sicherheit  des  angränzenden
  Baierns  wohlthätig,  und  durch  den  Muth  einiger
hundert  baierischer  Männer  im  Kampfe  gegen  einige  tausend
  Tiroler-Landesvertheidiger  ehrenwerth.  Hatte  die
noch  nach  Mittenwald  bestimmt  gewesene  Reserve,  aus
250  Gebirgsschützen  und  dem  Ueberreste  des  Linien-Bataillons
  bestehend,  diesen  Punct  zeitig  genug  erreichen
konnen,  vielleicht  wäre  ein  anderer  Ausgang  erlebt  worden.

Oberst  Arco  begnugte  sich  jetzt,  Benedictbeuern  mit
der  Umgegend  besetzt  zu  halten;  eben  so  Partenkirchen,
mit  Abtheilungen  gegen  Mittenwald.  Als  die  Tiroler
aber  nach  wenigen  Tagen  nicht  nur  diesen  Punct,  sondern
  auch  die  Scharnitz,  Loitasch  und  Seefeld  freiwillig
räumten,  und  aus  einander  liefen,  seit  ihnen  Innsbruck

*)  Der  bei  ebenerwähntem  Gefechte  den  Baiern  gewordene
Verlust  bestand  in  16  Mann  Todten  und  Verwundeten,
in  5  verwundeten  Pferden.  Dem  Obersten  Grafen  Arco
ward  ein  Pferd  unter  dem  Leibe  erschossen.