M. 44
Rosenheimer Anzeiger
Der „Rose#heimer An#e#em
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Wn ie n Redaktion und Berlag: Nr. 72; Inseraten-Abteilung: 238.
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Genstan 20. Pebruar 1915
—II
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Das Abonnement wird für Nosenheim in der M. — Buchdruckerei sowie in
den sechs Fillal-Expeditionen der Stadt ent au
chaften der Umgebung errichteten #eenturen — alle Postanstalten und sämt-„Rosenhelmer
Anzeiger“ an. — Die einspaltige 50 mm
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Rosenheimer Tagblakt
Amsliches Publikafions--Orgon
7—''''“
en #ntg. Brencbn a. M. Hamburg, Darmover, ##
wenes Manrusfript wird keine Berumntwortung #llnmmen.
Nach dem Sieg über die Rufsen in der Winterschlacht in Masuren.
ÖGroße berlulpte der franzofen im Oberellab. — neuc ollensive der verbündeten auf der Westflrom? — der bandelsuricg gegen engiand
und die Maßnahmen der ncutralcn. — Die engiulche Amwortnotc an Rmerika. — Der Kal#cr über dic Winterschlacht in drn Maluren. —
Rullengreuck in onpreuben. — Foridauer des rufrrischrn Kückzuges. — verzweifeitc Lage in Warschau. — Czcrnow von den oisterciera
belscht. — Ucuc Kämpic bei Kolomca. — Kiesige verlursc der Kullen in den Karpatben. — neuc Opcratloncn im Rankalus. —
hochfpannung zulschen Ccbina und Japan.
NMallen vor der Enlscheidurg.
Am Donnerstag kam die italienische De-Futiertenkammer
zusammen und dabei soll, vielen
Anzeichen nach, die weitere Haltung Jtaliens
entschieden werden. In welcher Richtung
dies geschehen wiro, darüber enthält der Berner
„Bund“ Mitteilungen von einem Mitarbeiter
in Rom. Dieser deutet an, daß es sich um die
Abtretung des Trentinos handelt. Im einzelnen
schreibt er
„Es ist kein Geheinmis, daß unter Billigung
Deutschlands hierüber zwischen Rom und Wien
verhandelt wird. Und kommt es endlich (längeres
Zögern müßte die Sache nur verschärfen),
kommt es endlich zu einem Einvernehmen, so
wird damit für die beiden Kaisermächte ein
großer Stein des Anstoßes beseitigt sein. Denn,
wir hier Lebenden sind durchaus in der Lage,
ein Urteil zu sällen: Kommt über Trient nicht
in Bälde eine Einigung zustande, so ist die fernere
Entwicklung der Ereignisse hierzulande gar
nicht abzusehen. Wer von „Bluff“ sprickt, kennt
die Stimmung der Italiener nicht und hat lein
Recht mitzureden. Ja. es wird selbjt bei einer
Grenzkorreltur in Trentino großer Geschicklichkeit
seitene der Regierung bedurfen, um jenc stürmischen
Elemente unschadlich zu machen, fur die
der Besitz von Trient eben nur ein fast verächtlicher
Koithappen ist. Gibt es dock unter den
heutzutage Italien mit ihrem Geschrei beherrschenden
Natienalisten (die Anfang August mit
Deutschland Oeiterreich gehen wollten!!) Leute
geuug, die nicht nur Triest, sondern auch Isirien
und Dalmatien wollen. Sollte die Regierung
imstande sein, der Kammer direkt oder indirekt,
durch die Blumc. über Trient beruhigende Versicherungen
abzugeben. so wäre sehr viel, wärc
vielleicht alles gewonnen und die Kriegsgesahr
möglicherweise beseitigt. Wie denn Giolitti in
seinem bekannten Briefe an den Abgeordneten
Piano die Ansicht duherte. daß Ztalien auch
ohne Krieg „manches“ („Darecchio“, was zauch
„viel“ heißen kann zzu erreichen vermöge.“
Nach weiteren Meldungen aus Rom ist aus
verschiedenen Anzeichen zu schließen, daß die
Eröôffnung der Kammer eine Klärung der Haltung
Jtaliens dringend nahelegt. Politisch ernster
aĩs der Alarmruf, der kürzlich im „Giornale
d'Italia“ erschien u. großes Aufsehen erregte,
ist die Auveinandersetzung der „Tribuna“
mit der Wiener „Neuen Freien Presse“ aufzufassen.
Das Wiener Blait hat den österreichischen
Standpunkt vertreten mit der Grundnote, daß
Italiens Interessen gewahrt werden könnten,
ohne daß Oesterreich Teile seines Gebietes
opfere. Darauf erwiderte, die „Tribuna“ in
einem Leitartikel, der in seiner Zusammenfassung
folgendes sagt; Niemand denkt daran,
Oestlerreich die ganze Küste wegzunehmen und es
vom Meere abzuschneiden. Wenn man aber
in Wien aus der allgemeinen Lage heraus diese
Gesahr als bestehend erkennt, so sollte man
meinen, es sei dieses ein Grund, um mit einer
weisen Politik zu einem angemessenen Zugeständ.
nis zu kommen.
.
#
Rom, 138. Febr. Die Kammer nahm ihre
Arbeiten wieder auf. Die Abgeordneten erschienen
sehr zahlreich. Die Galerien sind überfüllt.
Auf der Ministerbank befanden sich Salandra,
Sonnino und alle übrigen Minister.
Der Vorsitzende Marcora gedachte in bewegten
Worten der Opfer des Erdbebens und sprach
den Wunsch aus, die verwüsteten Gegenden möchten
wieder aufblühen. Unter den lebhaftesten
Beifallskundgebungen entbot er Grüße der
Kammer an den König, der immer als erster
an die Unglücksstätten eile, sowie an die Armce
und die Presse. Ministerpräsident Salandra
gab seiner Teilnahme fur die Opfer Au#druch,
besprach die weitreichenden Maßnahmen der Re
gierung zugunsten der Verunglückten und brachte
eine Gesetzesvorlage über diesen Gegenstand
ein. (J.)
I
Isomänegoomäeleq
Ein Setalmn aus den Karpathen.
München, Febr. Im hiesigen Bahnhof
ist in der 16. ebr Nacht der oflerrei
chisch- ungarische Spitalzug Nr. 3# aus Oesterleich
eingelausen. Er brachte 141 verwundele
und kranke deutsche Soldaten. Die Aerwundeten
kommen aud den Karpathenkämpfen. (3))
Die neue Kriegoanleihe.
Berlin, 13. Febr. Die „Deutsche Tagece-r
zeitung“" meldet zur Ausgade der neuen Kriegs
anleihe: Die Bedingungen für die neue Anleine
werden sich durch einen höheren Ausgal #ureis
und durch eine langere eich nungefrift von den
bei der Begebung der erien Anleihe getroff:
nen Bedingungen unterscheiden, also ill die Wic
derkehr des fünfprofentigen Tups alr sicher
anzusehen und damit in in der neuen Anleile die
gleich vorteilhafte Geldanlage dargeboten, wie
in der eriten Anleihe, von deren Bewertung
durch das Publilum die sichere Unterbringung
in feiten Handen, der um 21: vom Hundert
den Emissionspreis übersleigenden Kursstand
und die dauernd lebhafte Nachfrage Zeugnio
ablegen. (.)
Weitere NKrastigung
der Neichsbank.
Berlin, 18. Febr. Der Reichsbank flossen
in der Woche vom 7. bis 15. Februar um
33.5 Millionen Marl Gold zu. In solcher Hohe
ist, wie von zuständiger Seite hervorgelben
wird, der Bank seit Ende November in einer
Woche gelbes Metall nicht zugeführt worden.
Der Gesamtbestand an Gold stellt sich jetzt auf
2228.06 Mill. Marl. Der Ausweis vom 15.
Februar ist daher außergewöhnlich günstig. Seit
Beginn des Krieges hat sich der Goldbestand
der Reichsbank um 975 Millionen Mark erhöht,
wovon 205 Millionen aus der Kriegsschatzreseroe
stammen.
Große Auszahlungen in Tirol.
Innsbruck, 18. Febr. Bis zum Jahresschlusse
wurden in Tirol und Vorarlberg für
Pferde und Transportmittel 13 782 Anweisun-
gen im Betrage von 12 349 119.34 Kronen
ausgesertigt. An Unterhaltsbeilträgen wurden
bis zum gleichen Zeitpunkte 12 614 888 Kronen
zur Auszahlung gebracht.
Frankreich und der Londoner
Sozialistenkongreß.
Paric, 18. Febr. Die Beschlüsse des Londoner
Sozialistenkongresses erregen in der ganzen
Presse, mit Ausnahme der sozialistischen.
einen wahren Entrüstungssturm. Schon die
Aeußerungen Sembats und Guesdes, daß die
Völker frei über sich verfügen müßten und daß
die franzosischen Sozialisten nack dem Kriege
den deutschen Sozialiften die Hand reichen wollen,
merden cchar, angegriffen mit dem Hinweis,
das Elsaß Lothringen ein integrierender
Bestandteil Frankreichs sei und nicht zu wählen
habe. Besonders werden Sembat und Guesde
angegriffen, weil sie als Vertreter der französi.
schen Regierung gegen das russische Regime
zu proteitieren wagten. Am schärfiten äußert
sich die „Liberte“. welche bereits gesiern. angedeutet
haite. daß Semlat und Gucodc im Miluinerinm
nicht am reckien Platze seien. „Liberte“
schreibt, daß zmei franzosische Minitter
an dem Kongreß teilnahmen und dadurch die
franzosische Regierung und das Land verpflick.
leten, werde die difentliche Meinung nicht zulassen
und deswegen soforlige Remedur fordern.
Sollten zmei frantosüche Minister ungeitraft
eine derartige unerborte Haliung einnehmen
lonnen: Wenn die NRegierung und das Ztaats#
erkaurt sich von ilhnen nicht treunen wurden,
bedente dier. daß #sie ihre Hallung gut hei-Heen.
Der „Fi arc schreibt, man musse an.
aniehmen, daßt die Regierung die Abenteuer der
leiden sozialislischen Minister bedaucre. Frank
reich lede in einer Ncil, in der man dic offentliche
Meinung nicht verwirren durfe, eine Erllärung
von holer Stelle gegen diese gefäh rliche Irrfahrt
scheine nicht uberfluisig zu sein. Repu
klique Francaise“ schreibt, es sei unertraglich,
daß zwei Minister sich den Protesten gegen die
Unterdruckung der Finländer und der russischen
Juden in Polen anichlossen. Die fran zosische
Regierung durfe jeßt die russische Regierung
nicht zenfurieren. Sembat und Gueode betrugen
sich vielleicht ale gute Sozialisten, auf jeden
Fall zeigten sie aber, daß sie mittelmäßige
Patrioten und unerttägliche Minister seien, eine
Demission sei eine kaum hinreichende Genug
tuung. „Libre Parole“ richtet die Anfrage an
die Regierung, ob sic nicht das Beduürfnis fühle.
lundzugeben, daß das Ministerium der heiligen
Einigkeit mit Sembat und Guesde nicht solidarisch
sei. Die sozialistische Presse nimmt Sem.
bat und Gucede in Schutz. „Humanite“ schreibt.
die sozialistischen Minister erfüllten nur ihre
slicht, wenn sie auf die Gefahr aufmerksam
machten, welchke ein verbundetes Land laufe.
indem co eine Politik durchführe, welche moralische
Wassen in die Hände des Feindes gebe.
Man musse sich beglückwünschen, daß die Londoner
Konferenz einstimmig erklärte. daß der
Krieg bis zum endlichen Siege durchgeführt
werden müsse. Das sei die Tatsache, auf die
das Hauptgewicht zu legen sei. „Lanterne“ erklärt,
nur den Gegnern der Sozialisten sei es
eingefallen, daß Sembat und Guesde auf dem
Kongreß etwos anderes vertraten, als die polisiche
Partei in einer Parteiversammlung. Daß
der Sozialismus durch den Krieg nicht vernichtet
würde, sei für die Reaktionäre und die
Nationalisten ein Grund der höchsten Verblüfsung.
(3.)
Explosion in einer Sprengmittel-Fabrik.
Paris, 18. Febr. In der Sprengstoffmittelfabrik
von Chedde fand bei Versuchen mit einer
Pulvermischung eine Eplosion statt. Das
Gebäude wurde ziemlich schwer beschädigt und
mehrere Personen getötet. (3.)
Der Kapitän des „Blücher“.
London, 17. Febr. Nach der „Daily Mail“
erlag der Kapitan des Schlachtkreuzers „Blücher"
in Edinburg einer Lungenentzündung.
Russische Straffreiheitl.
Moskau, 18. Frbr. Die Teilhaber an den
Zernorungen der deutschen Laden in Moskau
sind freigesprochen worden. 1 3.)
Die Teucrung in Rußland.
Peteredurg. 13. Febr. Nach den Fest.
Lellungen der stadtischen Untersuchungskommission
sind seit Beginn des Krieges in Petersbura
die Warenoreise wie solat gestiegen: Salz
um s57, Roggenniehl 18. Hirse 21. Buchweizengrutze
51, Butier 36, Fleisch dritter Sorte 26,
Milch 25, Zucker 13, Heu und Hafer 12— 23
Prozent. In Moskan itt die Preissteigerung.
eine noch diel scharfere. (.3.)
Die euglische Aukwort an Ameriko.
London, 18. Febr. Die Antwo#rt Sir Edmard
Greys auf die amerikanische Note zitiert
die amerikanische amtliche Handelsstatistik, um
zu zeigen, daß von Baumwolle abgesehen
der Krieg den Rückgang der amerikanischen
Auefuhr, der sich in der ersten Hälfte 1914
entwickelte, nicht gesteigert, sondern tatsachlich
aufgehalten Labe. Tagegen sei die amerikanische
Ausfuhr in Baumwolle nach Großbritannien
ehenso siark wie nach anderen Landern gefallen.
Die Antwort wein ferner darauf hin, daß die
amerilanische Ausfuhr von August bis Dezem.
ber 1913 von 110 auf 246 Millionen Dollar
und seither noch ne#iter gefstiegen sei.
Die allgemeine Beschwerde der amerikanischen
Noe sei geweien, daß Englands Maßregeln den
amerikanischen Handel mit neutralen Ländern
ungunftig keeinflußt hätten. Die britischen Operationen
zur Sec hatten jedensalls den amerilanischen
Handel mit Großdritannien und den
Verbundeten nicht beeintrachtigt. Aber die amtliche
amcrikanische Statistik zeige, daß die Ausfuhr
nach England und den verbündeten Staaten
in den ersten vier Monaten des Kli es
um mehr als 28 Millionen gesunken sei, wäh.
rend die Auofuhr nach den neutralen Ländern
und Oesterreich-Ungarn um über 20 Millionen
stieg. Man dürfe wohl daraus den Schlutz
ziehen, daß ein wesentlicher Teil den Handels