Full text : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Zweiter Band.

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gemeine  Landrecht,  ausarbeiten.  Es  war  dieses  das  erste  Gesetzbuch,  das  in
deutscher  Sprache  geschrieben  war.  Dem  Heerwesen  widmete  der  König  seine
besondere  Fürsorge.  Bei  seinem  Tode  betrug  die  Stärke  des  Heeres  186  000  Mann.

5.  Kunst  und  Wissenschaft.  Fürstenbund.  Friedrich  war  selbst  ein  guter  Musiker,
und  darum  wurde  die  Musik  zu  seiner  Zeit  sehr  gepflegt.  Auch  ließ  er  prachtvolle
Bauten  aufführen,  unter  denen  besonders  das  Neue  Palais  und  Sanssouci  bei  Potsdam
  zu  nennen  sind.  Wie  sein  Vorgänger  sorgte  Friedrich  auch  für  Schulbildung
in  seinem  Lande.  In  den  Dorfschulen  sah  es  damals  noch  recht  jämmerlich  aus.  Es
fehlte  an  ordentlichen  Schulhäusern,  und  als  Lehrer  wurden  Handwerker,  gewesene
Bediente  und  Unteroffiziere  angestellt,  Leute,  die  zuweilen  selber  kaum  schreiben  oder
lesen  konnten.  Friedrich  erließ  daher  gleich  nach  Abschluß  des  Hubertusburger  Friedens
den  Befehl,  daß  in  allen  Dörfern  besondere  Schulhäuser  gebaut  und  ordentliche  Lehrer
angestellt  werden.  Um  den  Besitzstand  im  Reiche  zu  sichern  und  sich  vor  österreichischer
  Eroberungssucht  zu  schützen,  schloß  er  1785  mit  Sachsen  und  Hannover  den
Deutschen  Fürstenbund.  Diesem  traten  bald  die  meisten  deutschen  Fürsten  bei.

i)  Friedrichs  Persönlichkeit,  letzte  Regierungszeit  und  Tod.

1.  Persönlichkeit  und  Lebensweise.  Der  große  König  war  von  Gestalt  nur
llein,  im  Alter  etwas  gekrümmt.  Aber  das  Feuer  seiner  großen  Adleraugen  verriet
auch  da  noch  seinen  großen  Geist.

„Er  ist  jeden  Zoll  ein  König,  wenn  auch  ohne  Königsschmuck.  Seine  Krone  is  ein  alter,
dreieckiger  Hut  (ein  neuer  mußte  vor  dem  Gebrauche  weichgeknetet  werden).  Sein  Zepter
ist  ein  im  Walde  geschnittener  Spazierstock,  der  zugleich  als  Reitstock  dient,  womit  er  seinen
Gaul  zwischen  die  Ohren  haut.  Sein  Königsmantel  ist  ein  gewöhnlicher  Soldatenrock,  blau
mit  roten  Aufschlägen.“

Bald  nach  Beendigung  des  zweiten  Schlesischen  Krieges  ließ  er  sich  nahe  bei
Potsdam  das  Lustschloß  Sanssouci  bauen.  Dort  verbrachte  er  den  größten  Teil
des  Jahres,  jeden  Tag  in  streng  geregelter  Tätigkeit.  „Der  König,“  sagte  er,
„ist  der  erste  Diener  seines  Staates  und  wird  gut  genug  bezahlt  für  sein
Amt,  um  ordentlich  zu  arbeiten.“  Im  Sommer  stand  er  schon  um  3  Uhr,  selten
nach  4  Uhr  auf.  Vor  Tisch  ritt  er  gewöhnlich  aus,  immer  im  Trab  oder  Galopp.
Bei  großer  Kälte  ging  er  auch  wohl  zu  Fuß;  aber  sowohl  beim  Reiten  als  beim  Gehen
trug  er  einen  Krückstock  und  war  in  der  Regel  von  3—1  Windspielen,  seinen  Lieblingen,
  begleitet.  —  Schlag  12  Uhr  wurde  das  Mittagessen  aufgetragen.  Die  Unterhaltung
  bei  Tische  war  meist  sehr  lebhaft.  Gegen  Abend  veranstaltete  der  König
gewöhnlich  ein  Konzert  in  seinem  Schlosse;  dabei  spielte  er  dann  die  Flöte.  Erst
um  Mitternacht  ging  er  zu  Bett;  „denn  nichts,“  sagte  er,  „hat  mehr  Ahnlichkeit  mit
dem  Tode  als  der  Müßiggang.“

2.  Letzte  Negierungszeit.  Bis  in  sein  höchstes  Alter  war  Friedrich  für  sein  Land
tätig,  und  eine  seiner  größten  Sorgen  war  jetzt,  seinem  Lande  den  Frieden  zu  erhalten.
Gegen  jedermann  war  er  leutselig,  und  so  war  er  denn  der  Liebling  seines  ganzen
Volkes  geworden.  Gewöhnlich  nannte  man  ihn  den  „Alten  Fritz“.  So  oft  er  in  die
Stadt  geritten  kam,  war  es  stets  ein  festliches  Ereignis  für  die  Berliner.  Nicht  selten  liefen
viele  Kinder  vor  und  neben  ihm  her,  riefen  ihm  Lebehochs  zu,  warfen  ihre  Mützen
jubelnd  empor,  wischten  ihm  auch  wohl  den  Staub  von  den  Stiefeln  und  trieben  sonst
allerlei  Possen.  Friedrich  störte  nie  ihre  Freude,  nur  wenn  sie  sein  Pferd  neckten,
daß  es  scheu  ward,  stieß  er  wohl  einige  Drohungen  aus  und  ritt  dann  ruhig  weiter.