Nuinmier 261
DHer neue Präsidenk der Vereinigsen
Staslen.
Im Kampf um die Präsidentschaft der nordmammerikansschen
Staaten-Union ist Wison unterlegen,
und Hughes, der republikanische Kandidat,
wurde mit Leutschamerikamscher Hilfe
bum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt.
Wir haben vorerst keinen Grund, über
dicsen Sieg des Republilanismus in helien Jubel
auszubrechen. Ob Milson, ob Hughes. berde
bleiben Amerikaner, die einzig die Interessen
ihres Landes, nicht nur die poüätischen, sondern
auch die materiellen, zur Richtbhnur nehmen. Es.
näre falsch, übertriebene Hoifnungen an einen
ieg von Hughes zu knüpfen. Selbsi wenn er
wollte, wäre ihm eine gründliche Umkehr von
den Wegen Wilsons sehr erschwert, denn die Vereinigten
Staaten sind durch ihre Munitionsleserungen
und noch mehr durch ihre Selddarlehen
an die Entente mit deren Inleressen so
eng verquickt und an dem Kriegsausfall geui##sermaßen
damit selbst so beteiligt, daß es
schwer ist, die Verbindung zu lösen. Trotalldem
aber werden wir die Wahl von Hughes wenigstens
um deswillen begrüßen, veil nach
aliem, was man hört, seine Person eine gewisse
Gewähr gibt, daß die unaufrichtige, heuchlerische,
mit salbungsvollen Sprüchen sich ungebende.
innerlich aber zielbewußt nach der Cntente strebende
Grundtendenz der Wilson-Lan#ingichen
Politik einer ehrli###ren, klareren. verlässigeren
Platz machen würde, die nicht den Gipfel der
Staatsweisheit in der Doppelzüngigk:it sucht,
heute den Loyalen mimt. morgen niederbort und
dann bei Herannaben der Wahlzeit wieder Kon.
zesitionen mackt. Wenn auch Hugher gewällt
ist, dürfte die Richtung der allgemeinen Ponen
Politik der Vereinigten Sigaten wenigstens
vorläufig leine Aenderung erfahren, denn der
neue Präsident klommt er#ir im nächiten Johre,
im Märi 1917 zur Regierung. Wilion dürfte
mittlerweile nichts Enischeidendes uniernehmen,
um seinem Amtsnachfolger die Wahl seiner Politik
frei zu lassen. Andere Leute sind allerdings
der Meinung, daß Wilson sehr wohl imstame
näre, Hughes vor # o#lendete Tat#achen zu stellen
und ihn so zur Fortführung einer Politik zu
zu ingen. die eigentlich den Anschauungen des
neuen Präsidenten nicht entspräche. In den
letzten Tagen hat man sogar erzähl, Mr. Hughtes
werde sehr starl von London unterstützt.
und der englische Botschafter in Woshington
setze sich eifrigst für dieses seim Plänchen ein,
aus der Erwägung, daß Wilson dann als Durchgesallener
die letzten vier Monate jeiner Amiszeit
mutentbrannt noch benützen werde, um Ametiku
in den offenen Krieg mit Deutschland zu
bringen. Eines sckeint sestzustehen: Ein Umschuung
in der Haltung der Veremigten Staaten
zum Kriege wenigstens in dem Sinne wirklicher
Neutralität wird voraussichtlich nicht eintreten.
Hughes, dessen Name seine Landsleute
Hjuhs aussprechen, hat in den letzten Tagen nech
nusbrücklich beträftigt, daß er kein Munitionsausfuhrverbot
erlassen, daß er fur freies Reisen
von Amerikanetn — alfo auch un Dienste
unserer Gegner als Schutzschild für Munitionsschisse
— eintreten würde. Nach wie vor wird
also auch die schamlose heimliche Beteiligung
der amerikanischen Lieferantenkreise am Kriege
zuter gleichseitiger Beteuerung des Neutrali.
tätswillens der amtlichen Kreise sortdauern. Alles
übrige bleibt abzuwarten.
* "
Charles Evan Hughes ist der Sohn eines
Vaptisten-Pfarrers und einer Ir'in. Er trat
1884 in die Kanzlei des berühmten N##rke#
Ncchtsanwaltes Carter ein, deisen Tochter er
1888 heiratete. Dadurch wurde er, da er schließ.
Morgenrot!
Noman von wilhelm von Trotha-15
2E—————
Uüund nach diesen Worten slag sie, ohm
irgendeine Aumtmart abzuwarten, zur Tür hin.
aus und eilte, draußen angekoninen, über der
Hof. Sie hörte un Vorübenennen nur noch
wie der Bruder ganz außer Atem rief:
„Beide sind eriiossen“" dann war sie weg
Zwar schaule die Iih# eben über das ab
zejagte Pierd so ausgebrachte junge Dameinen
Augenblick in den Siall, eilte dann aber
durch ein Nebenpf##rtchen in den anstoßender
Harten und von d: aus in den großen Park
Zetzt wußte sie ja. Sas sie hatte in Erjahrunf
#ringen wollen. nentich: Herr Walier kam mit
And so galt es denn, schleunigst die Gedanker
I ordnen, um bein Cintreffen von Landrat,
dem etwas schwerialtigen Jungen mit einem
aieses Mal sogar zwei jernden Plänen für
Dre Zulunir entgegenzutrelen.
er eine lautete für den Friedensder
andere für den Kricgosall!
Trude war mit sich äußerst zufrieden.
apa“, schnaufte Kurt eintretend
da bin ich wieder. Hier sind die ersten Extra
blätter über die Sehredenslau# Ich habe nu
lüchtig bineingeschaut und bin dann gleich los
gesaust. Im Vorbei##eiten sprach ich nur der
dicken Rittmeister v. Ulimann von den Ulanen
der mir lokonisch zurief: ·
„Sie, Wussow, ich lasse für alle Fäll,
meinen Kriegssäbel morgen schleifen!“
7 „Komm mit ins Arbeilszimmer.“
unter
IAECCI
—
— =
ii.
.[ ———
dich die schwiegervälerlichen Geschäfte allein leiicle,
einer der ersten Anwälte Newyorls. Von
1893 bis 1900 war er Rechtsiehrer an der
Newyorler Univerfflät. Er nuroe populär drch
die Enthällung der Mißbräuche im amerilanisch
en Vorsicherungswesen u. ais Begrunder einer
Versicherungereform. Dieser Popularität als
furchtloser Bekämpier der dunkien Geldmächte
nerdankte er seine Wahl zum Gourerneur des
Slaartes Neryorl. Als solcher belämpfte er
die Wettsucht und die Truntsucht so rigoros,
daß er nicht mehr genug Unterstützung auf seinem
Posten sand. Seine Aufstellung zum remublilanischen
Kandidaten verdankte er einer
Verlegenheit; denn weder Tafft noch Rooseveit
waren die geeigneten Männer, die Republilaner
und Progressisten (Noosevelts ehemalige
Partei) wieder zu vereinigen. Ohne diese Vereinigung
aber wäre der Sieg der Demokraten
unvermeidlich gewesen.
„½
1J———.——————— , :
zewordene Kebre erlt gründlich aus. in de
Zeit häre ich die Lchl Da einer Durchsich
anterioagen! Paltl,“ soßte er kurg überlegen!
hinzu. „da: geht ja nicht, du mußt dich schleu
rigsi umziehen. denn Landrats mit ihren
Besuch haben sich angesagt und können jeder
Augenbliek in den Hof eintössen. Da, versuch
nal die Bomle und dann — mach’ dich schön
denn — Miß Wilcox kommt auch mit!“
„We—e—#e—ee r, die hübsche Miß-Ethe
Wilcor aus Philadelphia wieder mal hier?“
„Ja ja, was ist denn dabei?“
„O AR-micht weiter, Vater
lber § ist n fsamoier Kerl und — — —“
„J. mein Aunichen, rot, #wie’n verliebtei
Lertianer, brauchsie nicht zu werden, aber mi
nach', daß dnu ranftommst, und zieh dich um
s wird Zeit.“
Vater Wussow zog ein gar komisches Ge
icht und murmelte, allerdings nur halb bei de
Sache:
"Habe doch n paar merkwürdige Jöhren
verden beide rot. wenn sic hören, daß Besuck
Pommt! Donnerwekter, oller Herr, sei uff der
5 Walter und Tiude, und Kurl und die
! El ia, da muß ich gründlicher auspassen
Lic. aber heute, nec, weeß Jott. da habe ic
eene Zeil für solche Liebe#tändeleien.“
Und nmit den Worten ließ er sich in seinen
tederseise! fallen, setzte den Kneifer auf und
jertiefte sich in das Extrablalt.
4. Kapitel.
Allerlei Pläne.
„Ta—tü—ta—ta—ta!“ erklang da das
#zignal des landrätlichen Autos. Trude horchte
'on ihrem Veriteck im Parke auf und sab eben
—.0——
7——883
bvuine mocker
Polen und Gaazzien.
Das neue Polen.
Warschau, 8. Nov. Am 1. Norember
eimpfing der Reichslanzier den Rechtsanweoit
#talowiecki, den Schriftsteller Studnicki und
den Professor Humnicki. Nach der Verslellung
ergriff Malowiecki das Woct zu einer Ansprach:,
in dei er sagte: „Jetzt ist es unser Wille, zusammen
mit den Zentralmächten genen Rußland
zu jämpfen und schon jeWßt mit unieren Kräften
le. zukünftigen polnischen Staat zu erweitern
und zu organisieren. Wir haben die Hoffnung,
daß das Deutsche Reich uns zu diesen Taten
reihelfen wird, damit der zulünflige polnicche
Slaat stark genug wird, nicht nur für uns, sondern
auch für unsere Befreier, die, wie wir
meinen, auch unsere Bundesgenossen sein werden.“
Del Reichskanzler teilte den Herren die Eröffnung
mit, die er der ersien Deputation machte.
Einleitend bemerite er: „Es isl mir bekannt,
daß Sie die historischen Notwendigkeiten, die
den Anschluß Polens an die Zentralmächte fordern,
erkannt und diesen Gedanken mit Unerschrodenheit
vertraten.“
Galizien und die Ulrainer.
Wien, 8. Nov. Die Ukrainer sind mit der
Neugestaltung (zaliziens nicht einveritanden. Am
Dienslag fand eine Vollversammlung der ukrainischen
parlamentarischen Vertretung statt, an
der die sämtlichen Mitglieder des Reichsratsklube
sowie des Herrenhauses teilnahmen. Der
Torsitzende gab die Demission der Präsidien
des Ukrainischen Reichsratsllubs und des Uk.
rainuchen nationalen Rates bekannt, die insolge
der angekundigten Sondersiellung Galezi#ns
erfolgte. Nach einer den ganzen Tag
währenden Debatte wurde eine Entschließung
angenommen, in der es nach einem geschichtlichen
Rüclblick über den Anfall Galizienz an die habsburgische
Monarchie heißt: Die angekündigte
Sonderstellung Galiziens verletzt aufs tiefste
die historischen sowie die bereits erworbenen
Ncchte des ukrainischen Volkes und liefert das
viertgrößte Volk des Staates der unbeschränlten
Herrschaft seines nationalen Gegners
aus. Die ukrainische Nation wird die Sonderstellung
Galiziens unter poluischer Herc
oft nie
Frelkag, 16. Noßember 1618
anerkenren und wird auf das Rechk der Selbstrerwaltung
des nationalen Territoriums sowie
auf die Bildung eines desonderen ukrai.
nischen Kronlandes im Nahmen Oeilerreichs nie
veizichten.
Wügzemeines vom Keien.
Englische Niederträchtigkeit.
Verlin, 8. Novbr. Einen selbst fur englische
Verhetzung ungewöhnlichen Rekord erreicht
die neueste Nummer der von dem berüchtigten
Horatio Bottomley herausgegebene Wochensunift
„John Bull“, die, beiläufig bemerlt,
eine Auflage von mehr als einer Miilion errricht
Am 4. November spricht hier ein Leser
des Blattes die Befürchtung zus, daß die englische
Regierung sich nicht dazu aufrafsen werde,
den deutschen Kaiser, wie er es doch verdiene.
austnüpfen zu lassen. Er tegt vaher die Gründung
einer internationalen Vereinigung an, deren
Mitgliederbeiträge dazu dienen sollen, nach
Friedeneschluß einen beherzten Mann zur Ermordung
des Kaisers zu dingen. „Ich würde die
Sachrt ja gern selbst machen, wenn ich nur dos
urige Geld dazu hätle“ — so meint der Biedermann
zum Schluß, und die Redaktion des
„John Bull“ beantwortet diesen Wink mit der
Aufsorderung, „der Gentleman (wörtich) möge
nach Friedensschluß bei ihrer Kasse vorsprechen.
Diemögliche Invasion.
Amsterdam, 8. NoSvbr. „Laim Mair“
bringt eine Erklärung des Kriegsministers Feldmarschalle
Freuch, in der es hemt: Die ganze
Geschichte des Krieges lehre, daß alles, was sich
ereigne, unerwartet komme. Er möchie dacan
erinnern, daß eine I#wasion in England möglich
sei, er sage zwar nicht, baß sie wahrscheinlich
sei oder nale bevorslehe, aber möglich sei eine
iolche.
Aligemeine Wehrpflicht in Amerika.
RKopenhagen, 8. November. Der „Matin“
will aus bester Quelle in Newyork erfahren
haben, daß die Regierung in Walhington
den Generalstab ersucht habe, einen Gesetzentwurf
über die Einführung der allgemeinen
Wehrpflicht in den Vereinigten Slaaten auszuarbeiten.
Der Entwurf soll unmittelbar darauf
dem Kongreß vorgelegt werden.
—-Die
Schlacht an der S###e.
Französische Ziffern.
Paris, 8. Nov. Der aintliche französische
Bericht vom 7. Nov. nachmittag; meldet: Die
Ftanzosen und Engländer machten vom 1. Juli
bis 1. November an der Somme 71 532 deutf-Soldaten
und 1449 Offiziere zu Gefangenen.
Das im gleichen Zeitabschunt durch die Alllierten
erbeutete Kriegsgerät veläuft sich auf 173
Feldgeschütze, 130 schwere Geschütze, 215 Grabenmorser
und 988 Maschinengewehre. Der Anteil
der Franzosen an der Gesamtsumme beträgl
40 796 Soldaten, 809 Offiziere, 77 Feldgeschütze,
101 schwere Geschüte, 104 Mörser
und 535 Maschinengewehre. — Es ist kein
Verbrechen, wenn man oieien Zifsern keinen
Glauben schenlt. Aus einer früheren franzöinschen
Zusammenstellung uber die Somme-Schiacht
wissen wir, dah die Franzosen und Engländer
gar vieles sich zuschrieben, wae sie nie
erbeutel hatten.
l
—
nom, wie das ꝛuto durchs Parlior bog unt
dann vor die Freitreppe des großen Herren
zauses schnaufjte.
Die junge Dame war äußerst zufrieden
denn der Herr Kadett saß, wie sie es gendi
Jpatte festsiellen können, mit im Wagen.
Wie von ungejähr kam sie gerade, alt
sie Herrschaften dem Auto entstiegen, daher,
sleschlendert und begrüßte den Vesuch mit all
eitig gönnerhaftem Zunicken, wührend sie jeden
die Hand reichte; nur Frau v. Klützow, di-Frau
Landrätin, erhielt einen freundlich-verraulichen
Handkuß: sonst ging die allgemelm,
9egrüsßung nach Trudes Ansicht programmäßie
vror sich, und man betrat gemeinsam das großt
derrenhaus. Als letzte: der Herr Kadett mis
#em gnädigen Fräulein. Walter v. Klützom
at bei allem, was er vornahm, alse rechter
imd echter Kadelt ungemein wichtig und gab
ich im Kadeltenjargon als einen ganz kolosfalen
Oerl.
... ... . sei
ar Ebrhütteruich chiterroch Ba ieige
nerksamkeiten des jungen Herrn mit sichtbare“
Freude entgegen, schien aber dem Grundsagze 31
duldlgen: man darf den Männern nicht zeigen
baß man sich für sie interesliert: demgemäs
zt sie auch etwas von oben herab, konnt
Sber dennach Mund und Augen nicht so in
Zaume halten, wie sie 65s als wlrkliche Dam-Ur
angebracht und durchaus wünschenswer
Miß Wilcox, von dem jangen Ulanen
Afizier geführt, sah sich bdmmt etstaum un
diesem merkwürdigen Hause um.
Alles war ein wenig allmodisch, dber ge
#Aegen. Die Möbel und Schranke von schwersten
kichendoll mut herrlichen. erbabenen Schnis#
reien. Teppiche, Vorhange, aue von unen
Mufster, waren aber von einer Dauerhafugke
rpereg, die man ihnen auf den ersten BVll
an
Das Gesicht der jungen, verwöhnten Dan
bekam einen ganz erstaunten Ausdruck, un
sie fragte ihren Begleiter:
„Alsosso sieht ein deulsches Landhaus aus?
„Ja. Wiox, hier bei uns auf der
Lande herrscht noch nicht sener großstäbtische
übertriebene Luxus; bei uno heißt es: einfach
sollde, aber gemütlich.“
„Nicht wahr, Dollarpringechen,“ mischt.
sich nun der Oberst lachend in das Gespräc
der beiden, „das ist nett und gemütlich. Sehern
Sie bloß mal den Kamin dal Wie?
müssen einmal im Winter zu uns lo umen
wenn tiefer Schnee lienk, draußen die Bäum:
unter dessen Last und dem Frost ächzen und
stöhnen, und dann hler am flakernden Kamin.
feuer iren und mil uns Tee trinken, na, ic
weiß nicht, ob Sse dann ooch nicht ganz Modern
Amerika zum Teusel wünschen.“ 4
„Mein Herr erst.“ antwortete Ethel
Wilcoz lachend, „Sie verstehen er, einem einzu.
beizen, „Wer — weiß, ob ich dann nicht doch
1 4.
ier 2# Dberst schonte lie einen Augenolta erstaun!
an und bemerkie, wie das bildbübsche
Gesicht dei schlanken Dame um eine Tonart
rosiger wurde. als bisher, denn ihrer und
Kurts Blicke hatten sich für eine Sekunde
getrossen. „Nee, so was“, dachte der Alie,
mußte sich aber gleich wieder dem Landrate
zuwenden, der ihm lelse elwas zugeraunt
batte, woraufüln beide errey in dem Arbeitsalmmer
des Kausberra norschmanden.
— Si-