Metadaten : Geschichte des deutsch-französischen Krieges 1870 und 1871.

Gefecht  bei  Bougival.  219

der  strengen  Maßnahmen  verminderten  sich  diese  Meuchelmör—
der  bald.

Am  13.  Oktober  machten  zehn  Bataillone  Mobilgarde  und
Linientruppen  einen  Ausfall  gegen  die  Stellungen  des  2.  baierschen
Korps.  Die  Baiern  wiesen  denselben  mit  Leichtigkeit  zurück,  bei  einem
eigenen  Verlust  von  nur  19  Mann.

Am  16.  Oktober  kapitulirte  die  Festung  Soissons,  es  wurden
dabei  4732  Gefangene  gemacht.

Um  die  Mittagszeit  des  21.  Oktobers  unternahmen  die  Fran—
zosen  in  der  Stärke  von  etwa  15000  Mann  mit  zahlreicher  Feldartillerie
  einen  Ausfall  in  der  nordwestlichen  Richtung  vom  Mont
Valérien  aus.  Der  feindliche  Vorstoß  richtete  sich  namentlich  gegen
Bougival.  Se.  Majestät  der  König  beobachtete  den  Verlauf  des
Kampfes,  in  den  auch  Gardelandwehr  eingriff,  von  dem  Marly-Viadukte
  aus.  Mit  Verlust  von  mehreren  Hundert  Gefangenen  und
2  Feldgeschützen  wurde  der  Feind  sehr  bald  zurückgeworfen.

Am  24.  Oktober  kapitulirte  die  Festung  Schlettstadt  im  Elsaß,
2500  Gefangene  wurden  gemacht.

Interessante  Aufschlüsse  über  die  Verhältnisse  in  Paris  erhielt
man  durch  die  Gefangenen,  welche  am  21.  Oktober  bei  Bougival  gemacht
  wurden.  Von  ihnen  wurden  118  Mann  und  2  Offiziere  am
Vormittage  des  22.  Oktobers  nach  Versailles  gebracht.  Vertreten
waren  in  ihnen  die  Zuaven  und  andre  Infanterieregimenter  der  regulären
  Armee,  Mobilgarden  und  die  „Franctireurs  de  Paris“,
letztere  in  schwarzer  Uniform.  Die  Linientruppen  zeigten  durch  die
große  Mannigfaltigkeit  der  Regimentsnummern  auf  ihren  Mützen,
daß  sie  den  für  die  Vertheidigung  besonders  formirten  Marschbataillonen
  entnommen  waren.  Die  Mobilgarden  hatten  dieselbe
Uniform  wie  die  Liniensoldaten,  auf  ihrer  Kopfbedeckung  trugen  sie  die
Nummer  ihres  Bataillons  mit  einem  römischen  M.

Von  den  Einwohnern  der  Stadt  Versailles  hatten  sich  auf  den
Straßen,  die  der  Zug  passiren  sollte,  größere  Volksmassen,  namentlich
Frauen  eingefunden.  Der  erste  Eindruck,  den  die  Gefangenenkolonne
hervorbrachte,  war  offenbar  ein  peinlicher.  Düsteres  Schweigen
empfing  die  Soldaten,  welche  zwischen  der  preußischen  Eskorte  frei