thumbs : Geschichte der Königlich Preussischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Erster Band Erste Hälfte.

‘4  Die  Gründung  der  Soeietät  im  Jahre  1700.

Nach  dem  Muster  von  Frankreich,  England  und  China  soll  ein
Observatorium  eingerichtet  und  dazu  eine  »  Academia  Seientiarum  in
Physik,  Chemie.  Astrononie,  Geographie,  Mechanik,  Optik,  Algebra,
Geometrie  und  dergleichen  nützliehen  Wissenschaften  nach  und  nach
etablirt  werden«.  Die  Zeit  ist  günstig,  weil  sich  Gelegenheit  bietet,
ohne  Kosten  das  Unternehmen  in's  Werk  zu  setzen,  wenn  der  Kurfürst
  nur  passende  Räumlichkeiten  gewährt.  Für  die  Statuten  können
die  der  französischen  und  englischen  Akademie  zum  Vorbild  dienen;
als  Proteetor  erbittet  man  sich  den  Kurfürsten  selbst,  als  Präses
den  Hrm.  Geh.  Rath  Leissiz,  »welecher  ein  Membrum  honorarium  der
französischen  Akademie  ist  und  dessen  grosse  Erudition  in  omıi
seibili,  auch  stupenda  inventa  promotae  matheseos  nicht  weniger
als  seine  herausgegebene  scripta  bekannt  seind«.  Er  wird  das  Amt
von  Hannover  as  als  Ehrenamt  führen  können,  doch  wird  ihm  für
seine  Reisen  und  Anderes  eine  Entschädigung,  »ohne  Consequenz
pro  successoribus«,  zu  gewähren  sein.  Auch  die  Mitglieder  sollen
zunächst  keine  Besoldung  empfangen  ausser  dem  Astronomen  —-Hr.
  Kırcn  in  Guben,  der  bedeutendste  unter  den  deutschen  Astronomen,
  sei  zu  gewinnen  —  und  den  jüngeren  Leuten,  die  er  sich
heranziehen  wird.  Für  Mathematik  und  Chemie  ist  der  Rath  Ar-BINUS,
  für  Physik  Cnauvix  und  Dr.  JaegEwiırz,  für  Mathematik  NAavpe
und  der  ÖOberingenieur  Bär.  für  beobachtende  Astronomie  Hofrath
RABENER  und  CuneAu  in’s  Auge  zu  fassen.  Auch  auswärtige  Mitglieder
  sind  sofort  zu  erwählen,  z.B.  von  TscuirnHAusen  in  Sachsen,
einige  Matlıematiker  und  Medieiner  auf  kurfürstlichen  Universitäten,
der  Prof.  Sturm  in  Altdorf  (Mathematik),  Remer  in  Kiel  u.  s.  w.
Für  die  Correspondenz,  die  Protokolle  und  die  Administration  ist
ein  besoldeter  Secretär  zu  ernennen,  ein  Fiscal  muss  über  die  Erhaltung
  des  Fundus  wachen.

Nöthig  wären  ein  Observatorium,  ein  Versammlungszimmer,  ein
Bibliotlieks-  und  Instrumenten-Raum,  eine  Dienstwohnung  für  den
Astronomen,  sodann  Instrumente,  Holz  und  Licht.  Das  Observatorium
  könnte  auf  dem  mittelsten  Pavillon  des  neuen  Stalls  errichtet
werden;  unterhalb  desselben  sind  durch  Einschiebung  einer  Etage
(die  nöthigen  Zimmer  zu  gewinnen,  »Die  Instrumente  werden  sich
schon  finden«;  einige  astronomische  sind  vorhanden,  andere  wird
Kırcn  mitbringen,  Einiges  kann  die  kurf.  Bibliothek  liefern.  Was
aber  den  Fundus  anlangt,  so  wird  es  zunächst  genügen,  wenn  der
Kurfürst  der  Societät  das  Kalender-Monopol  ertheilt.  Dafür  wird
der  Astronom  die  Kalenderberechnung  leisten.  Gute  Kalender  werden