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Adelung; geld, bucher. — eutloden, herauslocken,
ablocken, einem ein bekenntnis; den saiten susze töne;
kusse gab und kusse dir entlockte Schiller Iphig. 5, 3;
nicht ein wörtchen ist ihr zu entlocken Heyfe 3, 226.
— enklodern, verstärktes entbrennen: dem heerd ent-
lodrc knatternd die flamme Matthisson 94; über-
tragen: die entloderten adern Hölty 86; in seinem
blick entlodert tödtlich klar das feuer Geibel 2, 277;
dacht ich es doch, ihr wurdet ganz entlodern in leiden-
schaft Wildenbruch Harold 1, 6.
Enutmannen, der Mannschaft beranben, bei Jero-
schin 23875 intmannet von reiterlosen Pferden, jetzt
namentlich ein schiff entmannen; — der Mannheit be-
rauben, körperlich und echich ich entmanne, ebfro,
eunttesium facio Stein bach; mit dem leeren schrecken
wirst du meinen muth nicht entmannen Schiller Nänb.
5, 1; wie einst sich selber entmannten berauschte kory-
banten Lenau 138. — entmasten, des Mastes berauben,
ein schitf. — entmenschen, der Menschlichkeit berauben:
wie unser pöbel Kanaans volk entmenscht Klopstock
2, 46; ein entmenschter mensch Somo ommt Auman-
tate privatus Stieler; desz freut sieb das entmenschte
paar Schiller Eisenh.; aus einem ganz cytmenschten
gemüthe h
Menschen berauben, entvölkern: (so wäre) entmenschet
entlocken — entaquellen.
der erdkreise Weckherlin 330. — entmündigen, der
Mündigkeit berauben: ein volljähriger erhält einen vor-
mund, wenn er entmundigt ist bürgerl. Gesetzb. 1726;
dazu entmundigung 1726; tmiu dig 8 fahren
Taylor Antin. 223. — entmuligen, mutlos machen
Stieler; er konnte ihn durch seine bedenken nicht
entmutigen.
Eninahme, k. das Entnehmen, von geld, waren u. a.
— entnehmen, mhd. entnemen, wegnehmen, nehmend
entziehen, eine Sache: solche sorge wol ein weib dem
pfarher entnemen kan Luther Verm. an die Geistl.
1530; dasz mir . ein schwerer unerträglicher last
entnommen war Simpl. 3, 22; soll mir nicht wehr
grauen für allem, was mir will entnehmen meinen
mut PGerhard 75; in neuerer Spr.= an sich nehmen,
holen von einem, kaufend, borgend, tauschend u. ä.:
waren beim kaufmanne, geld als vorschusz; übertragen:
eine stelle aus einem schriftsleller; geistig gewendet:
gesprüch, woraus zu entnehmen war, was er vorhatte;
als ich mir das entnommen Uhland 106; — mit Acc.
der Person, durch Wegnehmen befreien, entrücken: der
gefahr, der strafe, dem unglück, der dienstbarkeit,
cinen der schulden entnehmen Stieler; so wird der
tag auch kommen, da diesem frost entnommen mein
herz in wonnen bluhen mag Geibel 2, 11. — eul-
nerven, der Nervenkraft berauben: dein zittern entnervet
den starken Schiller Räub. 4, 12; dich entnervt
die gliederlöschde sencctus C FMeyer Nov. 1, 186;
des weibisch verwöhnten . und entnervten mannes
Treitschte 2, 463. — entnüchtern, 1) von Nüchternheit
frei machen (durch Essen, Trinken), sich Stieler.
2) nüchtern machen, — ernüchtern: bin ich entnuchtert
nicht Zesen Ros. 8.
Entpflücken, pflückend entnehmen: die susze frucht
den zweigen zu entpflucken Lenau 374. — entpuppen,
aus der Puppenhülle schälen: nachtschmetterling, der
sich unter der erde enipuppet JPaul Vorsch. d. Aesth.
3, 161; bildlich: er entpuppte sich schlicszlich als
heuchler. — entpurpurn, des Purpurs berauben: ent-
purhurk liegt sie da (die Rose) Hölty 47.— entaucllen,
1) aufhören zu quellen: der brunn ist entquollcn, sontis
renae su#nd intercisae Stieler; jetzt nicht mehr ge-
kannt. 2) quellend entfließen, eigentlich und bildlich:
wasser entquillt dem felsen; thränen cutquollen dem
blick Goethe Eleg. 1, 6; verse, die uns bei jeder
gelcgenheit entquclien DuW. 11; lieder die dieser
flote einst so froh entquollen Lenau 53; falsch:
reytag Soll 1, 189; — früher auch der
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dasz ein sein in ihr entauille (statt entauelle) Tieck
Oct. 302.
Entraffen, raffend wegnehmen, mhd. entraffen: er
schlügt zurück aufs bett, vom tod entrafft Geibel
2, 73; dem druck entrafft 261; refl.: wenn sie der fessel
sich entrattt Schiller Glocke 162. — entraten, 1) ab-
raten: dise##adere entraten Dief.; später ausgestorben.
2) entbehren, nachweislich seit 16. Ih. an Stelle des
ältern rät hön eines dinges (vgl. rat), mit Gen. der
Person oder Sache: meineten, sie könnten eincs pfarr-
herrn wol entrathen Luther Tischr. I1, 21; ich musz
seiner hulfe entrahten Stieler; ihrer dienste kann
ich entrathen Schiller M. Stnart 1, 2; weil die hof-
burg der Rothschildschen gelder Dicht entrathen konnte
Treitschke 2, 421; neuer mit Acc.: die vorsicht kann
den uberfluszgen geist entrathen Schiller 4,25. —
enträtseln, Rätsel oder Rätselhaftes erklären: zcichen,
dunkle worte, eines verhalten; wer konnte die schrift
eenträthseln Heyse 4, 34; refl.: o jetzt enträthselt sich
mir alles Schiller Karl. 4,19.— entrauschen, rauschend
davon -, wegziehen: ein strom entrauscht umwölktem
felsensale Goethe Sonectte 1; der bach entrauscht
Geibel 1, 18; den saiten entrauscht.. ein verführe-
risch muntrer walzer 5, 102. — enfreißen, reißend
wegnehmen, einem etwas; was sie gewunn, wer will
es ihr entreiszen? Goethe nat. Tocht. 4, 4; und ent-
reiszt die keule deem nächsten gleich Schiller Bürgsch.;
läszt er geschiekt den namen sich entreiszen Zerst. v.
Troj. 22; — einen, sich, gewaltsam entziehen: dieses
thieres schnelligkeit entrisz mich Banniers verfolgenden
dragonern Schiller Wallenst. Tod 2,3; musz ich
dich deinem holden morgentraum entreiszen Goethe
nat. Tocht. 2, 2; sich den armen der liebe entreiszen:
entreisz dich dem wahn Schiller Worte des Wahns;
älter mit Gen.: sich eines handels, der banden ent-
reiszen Stieler; — intrans,, jetzt erloschen: der bär
entreiszt, die geduld ist ihm entrissen Adelung; ein
tanzhär war der kett entrissen Lessing 1, 102. —
entrichten, mhd. entrihten, 1) aus der Richte bringen,
irre machen: cntrichten mir den man nit! er ist uf
gutem wege Schade Sat. 3,45; später nicht mehr.
2) in die Richte bringen: alle sachen scheiden und
entrichten Luther v. weltl. Oberkeit 1523; später nur
in Bezug auf zu Zahlendes: abgaben, gebühren, steuern,
7zoll, Rllige summen entrichten; die schuld entrichten
Stieler. — entriegeln, aufriegeln Stieler als Dichter-
wort: das reich der geister, dessen Pforten du ent-
riegelst Geibel 3, 80. — eutringen, gewaltsam ent-
reißen, einem die watfe, ein gehcimnis; blachfeld,
welches der fleisz muhsam brausenden wogen entrang
Voß3, 121; ihn den machten zu entringen Müllner
Schuld 4,2; refl. sich den sorgen, drückenden verhüält-
nissen entringen; cntrang ein ach sich unbewuszt
Syrithas uberraschter brust Heyse 3, 100.— entriunen,
1) fortrinnen, weglaufen, mhd. ent-rinnen, en-rinnen,
vom Wasser u. ähnl.: dem lcisen entrinnt der quell;
thrünen entrannen seinen angen. 2) entfliehen, ur-
sprünglich völlig anderes Wort, dem ahd. in-irinnan,
mhd. ent-trinnen, en-trinncu (vgl. dazu unter treunen)
entsprechend: daz im niemen entran Iwein 1093; Davi
aber floh und entrann 1. Sam. 19, 10; die jr dem
schwert entrunnen seid Jer. 51, 50; & entran aus
seinen henden 2. Cor. 11, 33; mit dem leben entrinnen
Simpl. 1, 393; in einen siebern port entrunnen 2, 147;
wie er mit ihr aus Babylon entronnen Wieland Ob.
8, 36; hier ist kein raum zum entrinnen mehr Schiller
Räub. 2, 3; übertragen auf Gegenständliches: der laut
entrann Semele 761; stunde um stunde catrinnet
Bürgsch.; entränn er (der Pfeil) jetzo kraftlos meinen
hünden Tell 4,3.— cutrollen, intranf. wegrollen, rollend
entsallen: wann. mir thränen oft entrollten Cronegk
2, 9; schlug dasz hand und schild entrollten Uhland
entraffen — entrollen.