Full text : Politische Geschichte der Gegenwart. V Das Jahr 1871. (5)

Vorrede.

Bei  der  Abfassung  dieses  fünften  Jahrgangs  der  „Politischen  Geschichte
  der  Gegenwart“  hat  der  Verfasser,  wie  beim  vorigen  Jahr—
gang,  die  eigentliche  Kriegsgeschichte  in  großen,  eine  leichte  Uebersicht
gestattenden  Zügen  beschrieben;  nur  eine  Ausnahme  hat  er  sich  erlaubt:
  er  konnte  der  Versuchung  nicht  widerstehen,  das  was  man
den  „Werder'schen  Zug“  nennt,  etwas  weitläufiger  zu  behandeln.
Der  eigenthümliche  Hauch  von  Poesie,  welcher  die  Operationen  der
Generale  Manteuffel  und  Werder  begleitet,  schien  eine  genauere
Beschreibung  wünschenswerth  zu  machen,  zumal  da  die  militärischen
Schriften  von  Blume  und  Wartensleben  gerade  über  diesen  Theil
der  Kriegsgeschichte  so  interessante  Aufschlüsse  geben.  Im  übrigen
hat  der  Verfasser  den  diplomatischen  und  parlamentarischen  Verhandlungen,
  welche  ein  reiches  Material  liefern,  alle  Aufmerksamkeit
  geschenkt  und  jene  Episode  in  den  östreichischen  Verfassungskämpfen,
  bei  welcher  das  Ministerium  Hohenwart-Schäffle  eine  so
wenig  beneidenswerthe  Rolle  spielt,  nicht  vernachläßigt.  Als  neues
Element  erscheinen  die  Kämpfe  der  Staatsgewalt  mit  den  Konsequenzen
  des  vatikanischen  Koncils,  wie  sie  in  Baiern  bereits  in
bedenklicher  Schärfe  sich  zeigten,  in  Preußen  durch  einige  Vorpostengefechte
  sich  ankündigten.  Die  Verhältnisse  in  Baiern  sind  im  einzelnen
  geschildert,  die  in  Preußen  nur  kurz  berührt;  das  Jahr  1872
wird  Veranlassung  geben,  von  den  letzteren  ein  zusammenfassendes
Bild  zu  entwerfen.