Vorrede.
Bei der Abfassung dieses fünften Jahrgangs der „Politischen Geschichte
der Gegenwart“ hat der Verfasser, wie beim vorigen Jahr—
gang, die eigentliche Kriegsgeschichte in großen, eine leichte Uebersicht
gestattenden Zügen beschrieben; nur eine Ausnahme hat er sich erlaubt:
er konnte der Versuchung nicht widerstehen, das was man
den „Werder'schen Zug“ nennt, etwas weitläufiger zu behandeln.
Der eigenthümliche Hauch von Poesie, welcher die Operationen der
Generale Manteuffel und Werder begleitet, schien eine genauere
Beschreibung wünschenswerth zu machen, zumal da die militärischen
Schriften von Blume und Wartensleben gerade über diesen Theil
der Kriegsgeschichte so interessante Aufschlüsse geben. Im übrigen
hat der Verfasser den diplomatischen und parlamentarischen Verhandlungen,
welche ein reiches Material liefern, alle Aufmerksamkeit
geschenkt und jene Episode in den östreichischen Verfassungskämpfen,
bei welcher das Ministerium Hohenwart-Schäffle eine so
wenig beneidenswerthe Rolle spielt, nicht vernachläßigt. Als neues
Element erscheinen die Kämpfe der Staatsgewalt mit den Konsequenzen
des vatikanischen Koncils, wie sie in Baiern bereits in
bedenklicher Schärfe sich zeigten, in Preußen durch einige Vorpostengefechte
sich ankündigten. Die Verhältnisse in Baiern sind im einzelnen
geschildert, die in Preußen nur kurz berührt; das Jahr 1872
wird Veranlassung geben, von den letzteren ein zusammenfassendes
Bild zu entwerfen.