Volltext : Archiv für Stamm- und Wappenkunde. 8. Jahrgang. (8)

Freiwillige  aufgeführt.  Auch  über  die  Ritter
des  Eisernen  Kreuzes,  die  sich  1863  zur
Jubelfeier  in  Berlin  angemeldet  hatten,  haben
wir  eine  gedruckte  Nachweisung  (Berlin  1863
Decker),  die  noch  2130  Namen  enthält.
Beide  Verzeichnisse  können  freilich  auf
unbedingte  Richtigkeit  und  Vollständigkeit
keinen  Anspıuch  machen.

Militärlisten  hat  es  im  preußischen  Heere
selbstverständlich  immer  gegeben,  man  legte
aber  auf  ihre  Aufbewahrung  keinen  besondern
Wert.  .  Der  Sturm  des  Jahres  1806,  der  die
Auflösung  so  vieler  Regimenter  zur  Folge
hatte,  wird  auch  die  noch  vorhandenen
Stammrollen  wohl  alle  weggefegt  haben.
Auch  aus  der  bewegten  Zeit  der  Befreiungskriege
  wird,  zumal  bei  der  Hast,  mit  der
ganz  neue  Truppenkörper  gebildet  wurden,
wohl  nur  ganz  lückenhaftes  Material  übrig
geblieben  sein.  Das  preußische  Kriegsministerium
  hat  erst  später  dieser  Angelegenheit
  besondere  Fürsorge  gawidmet.  Die
alten  Listen  wurden  gesammelt  und  im
Geheimen  Archiv  in  Berlin  niedergelegt;  die
Kriegsstammrollen  von  1864,  66,  70  und  71
müssen  bei  den  betreffenden  Truppenteilen
dauernd  aufbewahrt  werden,  geraten  sie  in
Verlust,  so  ist  dem  Kriegsministerium  unverzüglich
  Meldung  zu  machen.')  Der  Grund
zu  dieser  Fürsorge  ist  neben  der  bekannten
militärischen  Ordnungsliebe  wohl  in  den
Invaliden-Versorgungsansprüchen,  die  oft
noch  in  späten  Jahren  geltend  gemacht
werden,  zu  suchen,  doch  werden  diese
Verzeichnisse  mit  ihren  biographischen  Angaben
  späteren  Generationen  bei  Familiennachforschungen
  oft  ein  wertvolles  Nachschlagematerial
  abgeben.

Ich  komme  nun  zu  den  sogenannten
Verlustlisten.  Bis  zur  Einführung  der  allgemeinen
  Wehrpflicht  wurde  bei  den  Militärbehörden
  der  Soldat  als  Mensch  nur  gering
geschätzt,  aber  auch  privaterseits  hatte  man
für  das  stehende  Heer,  von  dem  sich  bessere
Elemente  rmeistensfreimachten,  imallgemeinen
kein  familiäres  Interesse.  So  sind  uns  denn

ı)  Verzeichnis  der  Kriegsstammrollen  aus  den
Feldzügen  1864,  66,  70  und  71.  Berlin,  E.  S.  Mittler
und  Sohn  1899,

von  den  aus  früheren  Kriegen  Gebliebenen
nur  die  Namen  der  Offiziere,  und  diese  auch
nur  in  den  einzelnen  Regimentsgeschichten
überlieiertt.  Mit  dem  großen  Nationalkriege
von  1813—15  änderte  sich  dieses.  Zwar
konnte  man  in  jener  so  unruhigen  Zeit,
zumal  bei  der  Größe  des  Kriegsschauplatzes
und  bei  den  so  mangelhaften  Verkehrsverhältnissen
  und  Publikationsorganen  an
eine  geregelte  Herausgabe  von  Verlustlisten
nicht  denken,  Preußen  aber  sorgte  dann
doch  nach  beendetem  Kriege  für  die  Bekanntgabe
  und  Verewigung  aller  im  Kampfe  für
die  Befreiung  des  Landes  Gefallenen,  indem
es  die  Aufstellung  der  bekannten  Totentafeln
  in  den  Kirchen  verfügte.  Auch  andere
Staaten,  wie  Hannover,  Nassau,  die  freien
Hansastädte,  trugen  später  eine  ähnliche
Fürsorge,  um  das  Andenken  an  ihre  tapferen
Landsleute  für  immer  festzuhalten.

Ueber  die  1848/49  im  Schleswig-Holstein’schen
  Kriege  und  gegen  die  Aufständischen
  gefallenen  preussischen  Militärs
(779)  haben  wir  schon  vollständige  Nachweisungen,
  auch  sind  alle  Namen  auf  dem
Nationaldenkmal  im  Invalidenpark  in  Berlin
verewigt.  Dort  steht  auch  das  Marinedenkmal
  mit  den  Namen  der  1861  mit  dem
Kriegsschiff  „Amazone“  Untergegangenen.
In  den  kommenden  Kriegen  1864,  66,  70/71
wurden  vollständige  Verlustlisten  im  Staatsanzeiger
  veröffentlicht  und  durch  die  Polizeibehörden
  zur  allgemeinen  Kenntnis  gebracht.

Die  Verlustlisten  70/71  wurden  nach
beendetem  Kampfe  kompagnienweise  nach
Befragen  der  Mannschaften  aufgestellt  und
enthielten  oft  flüchtige  Angaben,  weshalb
dann  auch  amtliche  Berichtigungslisten  folgen
mussten.  Im  Ganzen  sind  preussischerseits
(einschieslich  Baden)  248  Verlustlisten  herausgegeben.
  Zu  diesen  ist  später  ein  Titelblatt
und  Inhaltsverzeichnis  gedruckt  worden,
so  dass  man  das  1982  Seiten  starke  wahrlich
inhaltsschwere  Buch  wohl  noch  heute  in
mancher  Sammlung  vorfindet.  Einzelne
Regimenter  haben  die  Namen  aller  ihrer  im
letzten  Kriege  Gefallenen  auf  Denkmälern
und  oft  auch  in  der  gedruckten  Regimentsgeschichte
  verewigt,  während  auf  den  meisten