Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

 

 

Schattenseiten  einer  allzu  raschen  Entwicklung  treten
vielfach  peinlich  und  drohend  hervor.  Schon  hat  die
Bewertung  des  Geldes  bei  uns  ein  Gewicht  gewonnen,
  das  man  nur  mit  Lorge  beobachten  kann.  Die
tüchtige  Leistung  als  solche  gilt  heutzutage  leider
häufig  schon  weniger  als  das  Dermögen,  das  einer  ererbt
  oder  errafft  hat.  Und  auf  welche  Weise  das  Dermögen
  verdient  worden  ist,  danach  wird  oft  schon
kaum  mehr  gefragt.  Diese  Sucht  nach  dem  Besitz
möglichst  großer  Geldmittel  droht  alte  und  ehrwürdige
  Begriffe  zu  verschieben,  Dinge,  die  früher
nicht  als  fair,  oder  besser  gesagt  nicht  als  anständig
galten,  werden  stillschweigend  geduldet,  dem  hitzigen
Gelderwerb  wird  alles  geopfert.  Die  alten  Ideale,
ja  selbst  Ehre  und  Ansehen  der  Nation  können  in  Mitleidenschaft
  gezogen  werden;  denn  zum  ungestörten
Geldverdienen  braucht  man  Srieden,  Frieden  um
jeden  Dreis.  Und  doch  lehrt  uns  das  Studium  der
Geschichte,  daß  noch  immer  alle  diejenigen  Staaten,
bei  denen  rein  kaufmännische  Interessen  in  entscheidenden
  Stunden  den  Kusschlag  gaben,  elend  zugrunde
gegangen  sind.

Srisch  und  freudig  wieder  anknüpfend  an  den
schlichten  Iinn  unserer  Däter  wollen  wir  gewiß  keine
Säulenheiligen  heranziehen,  die  sich,  auf  alle  Sreuden
der  schönen  Erde  verzichtend,  von  wildem  honig  nähren
und  rauhe  Kamelfelle  zur  Sewandung  wählen.  Mögen
wir  den  Komfort  und  Luxus,  den  wir  als  Kinder  unserer,
  in  der  Technik  so  fortgeschrittenen,  an  praktischen
  Erfinbungen  so  reichen  Seit  genießen,  als  angenehme
  Beigabe  betrachten,  die  an  sich  keine  ver- 



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