Full text : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Aummer  140
—.4n.“.

Nos.  len#é  Anzelgen

Freltas  9.  Juni  1011

 

Foliuüsche  Rundschen.
Barern
Aenderung  des  Berggesetzes.

Das  Finanzministerium  hat  dem  Landtag  einen
  Gesetzentwurf  über  Aenderungen  im  Berggesetz
  zugeleitet.  der  nur  einen  einzigen  Artikel
enthält  und  in  einer  der  nächsten  Sißzungen  der
Abgeyronetenkammer  zur  Beratung  kommen
soll.  Der  Entwurf  bedeutet  die  Erfüllung  eines
jüngst  in  einem  Antrag  ausgesprochenen  Wunsches
  der  Abgeordnetenkammer  und  bestimmt,
daß  die  Vertrauensmänner  nur  aus  der  Mitte
der  von  den  Arbeitern  selbst.  gewählten  Vertreter
  in  den  Arbeiterausschüssen  genommen  werden
  dürfen.

Die  Posteinnahmen.

Der  Gebührenanfall  aus  dem  Posl-,  Telegraphen=
  und  Telephonbetrieb  betrug  im  Monat
  Mai  4458  233  Ml.  Das  ist  gegen  den
Monat  Mai  um  385  982  Mk.  mehr.  Seit  dem
1.  Januar  bis  Ende  Mai  stellen  sich  die  Einnahmen
  auf  26174062  Mk.,  das  ist  gegen
den  entsprechenden  Zeitraum  um  1441  093

Mark  mehr.
Deutschland.
Keine  Erhöhung  der  Getreidezölle.

Der  häufig  offiziös  inspirierte  Berliner  Lokalanzeiger
  teilt  mit:  „Es  sind  Bestrebungen  im
Gange,  die  Reichsleitung  zu  bewegen,  für  eine
Vermehrung  der  Minimatlzölle  des  bestehenden
Zolltarifs  im  Hinbli  auf  die  bevorstehende  Erneuerung
  der  Handelsverträge  einzutreten.  Wie
indessen  verlautet,  halten  die  maßgebenden  Negierungestellen
  die  geltenden  Minimalzölle  auf
Weizen,  Noggen,  Haber  und  Gerste  für  ausreichend
  und  sind  nich!  gewillt,  eine  Vermehrung
solcher  Mindesilsölle  zu  empfehlen.“

Auslané.
neues  Tabrikgesen  in  der
Schweiz.

Der  hweiserische  Nationalrat  nahm  einstimmig
  das  neue  Fabrikgesetz  an.  Das  Geseg  beruht
  auf  einem  Kompromiß  zwischen  der  Industrie
  und  der  Arbeiterschaft,  es  bringt  den
Zebustundentag,  schränkt  die  Nacht=  und  Sonntagsarbeit
  ein,  verbietet  diese  für  Frauen  und
Jugendliche  unter  18  Jahren,  setzt  als  Mindestalter
  für  Fabrikarbeiter  das  14.  Jahr  fest
und  gewährt  den  Wöchnerinnen  einen  Schut
bis  acht  Wochen.

Jur  Aufbesserung  der  Volksschuliehrer.


Ein

 

münchen,  17.  Juni.

Die  Denksckrift  über  die  Neuregelung  der
Dienst=  und  Gehaltsverht  ällnisse  des  Vollsschullehrpersonals
  ist  jetzt  dem  Landtag  zugegangen.
Sie  ergibt  folgende  finanzielle  Konsequenzen:

Gesamtmehrbedarf  für  die  Verbesserung  des
Diensteintommens  7  094000  Ml.  Davon  entf#allen
  auf  die  Gemeinden  und  Kreise  1  926,.000
Mark,  auf  den  Staat  5  168  000  Mk.  Dabei
ist  die  Summe  für  persönliche  Zulagen  mit
1  315  000  Mk.  im  Budget  1914  und  1915  nicht
mit  eingerechnet.  Belanntlich  sind  hier  fur  die
Volksschullehrer  Zulagen  von  250,  200  und
150  Mk.  vorgeschlagen,  für  das  Verweser-  und
Hilfslehrpersonal  Zulagen  nicht  unter  200  M.

Die  Neuregelung  der  Ruhegehalte  und  Hinterbliebenenbezüge
  erfordert  für  die  Kreise  aus
der  Uebernahme  der  Verpflichtung  der  bisherigen
  Kreisanstalten  und  Kreisvereine  infolge
Wegdfalls  der  ilgliederbeiträge  zunächst  fähr- 



Augen  stets  an  Sabine  gebangen  hatten,  und
sie  hatte  schon  damals  einen  schüchternen  Versuch
  gemacht,  auf  den  Bruder  einzuwirken,  daß
er  die  häusigen  Besuche  Breunings  ein  wenig
einschränkte.  Lächelnd  hatte  er  sie  beschwichtigt;

aber  er  hatte  ihre  Furcht  nicht  zu  ersticken.
vermocht.  Und  dann  war  Kurt  Breuning  eines
Tages  gekommen,  um  Sabine  zu  seinem  Weibe
zu  bege
zitterte  noch  jetzt,  da  sie  an  den
chrecsehine  Tag  dachte.  Sie  war  keineswegs
gewillt  gewesen,  reuning  kurzerhan  uweisen.
  Sie  ha  ihn  auf  die  Zukunft  vertrösien,
  baues  *  keine  bündige  Antwort  geben
wollen.  erst  Hertas  Verzweiflung,  ihren
zeen,  n  Vorstellungen  und  flehentlichen
Bitten  war  es  gelungen,  sie  anderen  Sinnes
zu  machen.  ie  hatte  Breuning  einen  Korb
hgegeben,  und  seitdem  hatte  er  sich  in  ihrem
Hause  nicht  mehr  sehen  lassen.  Bier  Jahre
lang  oder  mehr  hatten  sie  vor  ihm  Ruhe  gehabt,
  und  nun  dieser  Besuch,  für  den  Herta
keine  Erklärung  fand!l
e  hatte  ihr  gesagt,  daß  er  nicht
wiederkommen  würde,  und  sie  hätte  sich  ja  wohl
damit  beruhigen  können.  Aber  die  marternden
Zweifel  wollten  doch  nicht  zum  Schweigen
kommen.  Und  sie  trugen  nicht  wenig  dazu
bei,  sie  vollends  niederzudrücken
während  der  letten  Tage  stets  geschehen
  *—  hatte  Sabine  auch  heute  die  Teilnahme
  an  der  Morgenspazlerfahrt  unter  einem
Vorwand  abgelehnt.  Hätte  Herta  nicht  einer
entsernten  Verwandten,  der  Gräfin  Degernheim,
  die  bestimmte  Zusage  gegeben,  sie  heute
morgen  bei  ihren  Einkäufen  zu  begleiten,  wäre
wohl  auch  sie  zu  Hause  geblieben;  denn  sie

 

 

verspürte  einen  leichten  Kopfschmerz  und  eine

lich  750000  Mk.  Hiezu  kommen  die  N##
lenden  Ruhegehalte  und  Hinterbliebenenbezüge
für  die  erste  Finanzperiode  mit  565  000  Mk.,
über  deren  Verteilung  auf  Staat,  Kreise  und
Gemeinden  die  Denkschrift  noch  leine  genaueren
VBorschläge  enthält.

Besoldungsregelung,  Pensionsregelung  und
Reliltenversorgung  zusammen  in  der  ersten  Finanzveriode
  3  409  000  MI

Unter  Hinzurechnung  der  bereits  in  den  Etat
für  1914  und  1915  eingestellten  Petäe  für  die
vorläusige  Aufbesserung  zu  1315  Mk.  und
der  Entschädigung  an  die  WS  für  den
Wepfall  der  Unterstützungssondsabgaben  mit
1151000  Mk.,  die  jedoch  in  der  nächsten  Finanzveriode
  auf  15  30  000  Mk.  zu  ergänzen  ist,  würde
der  Gesamtwert  der  Aufbesserung  9  -374000
betragen.  Davon  würden  nach  den  Deckungsvorschlägen
  auf  den  Slaat  allein  6  633  000  M
entfsallen,  auf  Gemeinden  und  Kreise  zusammen
  2676.000  Mk.,  ferner  auf  Staat,  Kreise
und  Gemeinden  zusammen  die  oben  erwähnten
  565  000  Mk.

Diese  Bedarfsberechnung  gilt  nur  für  die  erste
Finanzperiode,  in  der  die  Neuregelung  zur
Durchführung  käme.  Durch  den  Bedarf  für  die
Ruhegehaite  und  Hinterbliebenenbezüge  würden
noch  auf  eine  Reihe  weiterer  Finanzperioden  erhebliche
  Mellraufwendungen  erforderlich.  Diese
Mehraufwendungen  find  auf  rund  &  Mill.  Mk.
geschätzt  worden.

Gegenüber  dem  Stande  von  1913  würde  nach
Erreichung  eines  qgewissen  Beharrungszustandes

für  Staat,  Kreise  und  Gemeinden  zusammen
mit  einem  gesamten  Mehraufwand  von  13  14
Millionen  Mart  zu  rechern  sein.

 

of-  und  Perfonalnachrichlen.

München,  17.  Jumi.  Mittwoch,  24.  Juni,
feiert  die  trotz  ihres  hohen  Alters  noch  immer
lätige  und  selbst  an  den  großen  Reisen  noch
teilnehmend:  Ovberhosmeksterin  unserer  Königindie
  Gräfin  Therese  Eckbrecht  von  Dürckheim-Montmartin,
  iyhren  90.  bebnrmia.  nachdem
  sie  im  Epril  auf  eine  60jährige  Dienstzeit
als  Hosdame  zurückblicken  konnre.

DHassau,  17.  Juni.  Das  Königspaar  und
bie  Prinzessinnen  nahmen  abends  bei  dem  Bischof
  Freihertn  von  Ow  das  Souper  ein,  zu
dem  auch  die  Spitzen  der  Behörden  geladen  waren.
  Die  Festlichkeiten  fanden  trotz  der  trüben
  und  feuchten  Witterung  ihren  Abschluß  mit
einer  Illumination  und  einem  Feuerwerk.  Nach
dem  Souper  fuhren  das  Königspaar  und  die
Prinzessimnen  auf  dem  neuerbauten  Eildampfer
„Erzherzoge  Franz  Ferdinand“  der  kaiserl.  österreichischen
  Donau-Dampfschiffgesellschaft  bis  zur
banerisch-österreichischen  Grenze  und  von  dort
zurück.  Die  Häuser,  Brücken,  der  Dampfer  sowie
die  Vegleitschiff  waren  mit  Lampions  beleuchtet.
  Als  das  Königspaar  in  den  Hasen  zurücklehrt?,
  siel  ein  Naletenstock  auf  das  Schiff
und  traf  die  Königin,  die  am  Kopfe  leicht  verletzt
  wurde.  Die  Verketzung  ist  völlig  ungefährlich.


Wien.  17.  Juni.  Der  Erzherzog-Thronfolger
  Franz  Ferdinand  wirt  sich,  einer  Einladung

  Kaiser  Wilhelms  Folge  leistend,  wahrscheinlich
  am  12.  September  zu  den  gtoßen
Manövern  nach  Deutschland  begeben.  In  der
Besleitung  des  Thronfolgers  wird  sich  auch  der
Chef  des  Generalslabs,  General  der  Infanterie
Freiherr  Konrad  v.  Hötzendorff,  befinden.

Soziale  Kundschau.

Verlin,  17.  Juni.  Die  Zuwanderung
ausländischer  Arbeiter  war  nach  dem

Mar#gten,
als  ungestlörte  Ruhe.  So  aber  durste  sie  sich
nicht  einmal  das  gönnen.  Mil  Hilfe  der  Zofe
kleidete  sie  sich  an.  und  fuhr  nach  der  Straße
„Unter  den  Linder

Die  Gräfin  Fr  sie  bereits  erwartet.  In
ein  ichwarzes.  spinzenbesetztes  Gewand  gekleidet,
das  ihr  im  Verein  mit  den  klösterlich  glatt  gescheitelten
  Haaren  und  den  strengen  Zügen  ein
ehrfurchtgebietendes  Aussehen  gab,  lehnte  sie
im  Fond  ihrer  Cqu  gutpage.  Sie  begrüßte  Herta
mit  einer  gemessenen  Freundlichkeit,  die  ihr
siets  eigen  war,  und  forderte  sie  auf,  an  ihrer
Seite  Platz  zu  nehmen.

„Ich  fühle  ich  nicht  recht  wohl,  Kind,“
sagte  sie.  „Und  auch  Sie  scheinen  mir  der  Erholung
  sehr  rrauch  zu  bedürfen.  Ich  denke,
wir  verzichten  do  lieber  auf  unsere  Einkäufe
suree  lassen  uns  nach  der  Kolonie  Grunewald
ab

 

   

die  die  nichts  anderes  wünschen  ließ,

Ver#a  war  ihr  aufrichtig  dankbar  und  sandte
ihren  Wagen  nach  Hause,  während  sie  die  Equipage
  der  Gräfin  beftieg.  In  rascher  Fahrt  durchquerten
  sie  den  Tiergarten  und  bogen  dann
in  den  Kurfürstendamm  ein,  der  heute,  an  einem
Alltag,  p  ganz  menschenleer  war.

isher  hatten  sie  nur  wenige  gleichgültige
Worte“  gewechselt.  Als  jedoch  die  Häuserreihen
zu  beiden  Seiten  der  Straße  ein  Ende  nahmen,
um  Wiesen  und  Gärten  Platz  zu  machen,
wandte  sich  die  Gräfin  Herta  plötzlich  zu  und
agte

„Es  tut  mir  leid,  Kind,  daß  Ihre  Schwester
durch  die  Kopfschmerzen  gerade  heute  am  Ausfahren
  perhindet  wurde.  Ich  hätte  gern  elnmal
  mit  ihr  gesprochen  —  wegen  des  törichten
und  aichtebwicldigen  Geschwätzes,  das  jetzt  wieder
  einmal  in  den  Salons  herumgetragen

 

Bericht  der  Deultschen  Arbeilerzentrale  im  Monat
  Mai  im  großen  Ganzen  beendet.  Nur  vereinzelte
  größere  Trupps  kamen  noch  im  ersten
Monatedrittel  zur  Grenze  und  konnten  zumein
in  einigen  Tagen  untergebracht  werden.

der  Landwirtschaft  war  der  Bedarf  chon  frähzeilig
  in  den  Vormonaten  gedeckt.  Die  Industrie
  hal  laum  eine  Belebung  erfahren,  nur
Kohlemechen  sind  etwar  besser  beschäftigt,  nahmen
  aber  unter  Berücksichtigung  einheimischer
Arbeitekräfte  nur  wenige  ausländische  Arbeiter
  mus.  Die  Ueberseewanderung  war  nur  gering
  und  hatte  an  einigen  Uebergangsstellen
ganz  ausgehört.  Wanderarbeiter  aus  Rußland
kamen  im  Anfang  des  Monats  auch  in  einigen
gröberen  Gruppen,  deren  Unterbringung  ohne
besondere  Schwierigkeiten  gelang.  Später  trasen
  nur  noch  einzelne  Personen  ein,  die  ihren
Verwandten  und  Bekannten  auf  deren  Arbeitsstellen
  solgten.  Ans  Galizien  war  die  Zuwanderung
  unbedeutend  und  hörte  bald  ganz  auf.
Auch  der  Bedarf  an  Arbeitslräften  war  gering,
  denn  die  meisten  Arbeitgeber  hatten  sich
damit  schon  in  den  Vormonaten  reichlich  versehen;
  immerhin  konnte  den  Nachzüglern  noch
Arbeitsgelegenheit  zugewiesen  werden.  Aus  Ungarn
  erfolgte  lein  Arbeiterangebot,  Nachfrage
war  ebensowenit  vorhanden.  Italiener  kamen
aus  Mangel  an  Arbeitsgelegenheit  und  weil
sie  In  ihrer  Heimal  aus  diesem  Grunde  vor
Zuzug  Kewarnt  worden  waren,  nur  verhältnismäßig
  wenig  über  die  Grenze,  dagegen  war
die  Rückwanderung  um  so  gröher.  Holländische
Wanderarbeiter  wurden  durch  größere  Bauten
im  eigenen  Lande,  auch  zum  Teil  durch  hinreichende
  Beschäftigung  in  der  heimischen  Industrie
zurückgehalten.  Bedarf  war  nur  an  Biehwärlern;
  das  Angebot  blieb  hinter  dem  Bedarf  erbeblich
  mrück.  An  der  dänischen  Grenze  war
oie  Lage  unverändert,  und  der  alljährlich  im
Mai  statlfindende  Dienstbolenn  echsel  vollzog  sich
in  demselben  Umfange  wie  in  den  Vorjahren.

Verschiedene  Nachrichten.

Berlin,  17.  Juni.  Die  Untersuchung  des
bei  Diedenhofen  zerstörten  Militärluftschiffes

„Z.  1“  hat  ergeben,  daß  der  Luftkreuzer  so
jiart  elaienr  ist,  daß  ein  vollständiger  Neuaufbau
  in  der  Zeppelinwerft  notwendig  ist.  Die
erhaltenen  Teile  oes  Luftschiffes  sind  sehr  gering.
Soweit  amtliche  Ermiltelungen  bisher  an  Ort
und  Stelle  vorliegen,  ist  die  Ursache  der  neuen
Zeppelinlalastrophe  nur  in  höherer  Gewalt  zu
suchen.

Straßburg,  17.  Juni.  Im  Dialonissen
hause  zu  Straßburg  hat  ein  Kranker  eine  Nöhre.
mit  Radium  im  Werte  von  25  000  Mark  ver
schluckt.  Das  Radium  war  innerhalb  der  Mundhöhle
  besestigt  worden  und  sollte  dort  72  Stunden
  verbleiben.  Die  Aerzte  waren  über  den  Vorfall
  sehr  beunruhigt,  da  die  Gefahr  nahe  lag,
daß  der  Kranke  durch  das  Radium  innere  Brandwunden
  darontragen  würde.  Es  gelang  schließlich,
  das  Radium  auf  nalürlichem  Wege  wieder
  zum  Vorschein  zu  beingen.

Straßburg,  17.  Juni.
Witwe  Wendel  und  der  39jährige  Taglöhner
Wirth,  die  wegen  Gistmordes,  begangen  an
dem  Chemann  der  Wendel,  zum  Tode  verur
teilt  worden  waren,  sind  heute  morgen  hingerichtet
  worden.

London,  17.  Juni.  Nach  einer  Meldung
von  Lloyds  Agentur  ist  der  deutsche  Dampser
„Kaiser  Wilhelm  II.“  im  Aermellanal  mit  dem
enalischen  „Dampfer  „Incemore“  zusammengestoßen.
  Der  Vorderteil  des  englischen  Dampfers
  wurde  schwer  beschädigt.  Der  „Kaiser  Wil- 



heim  II.“  fuhr  von  Southampton  nach  Neu-VYçorl.
  Der  Wjammenstoß  Uat  im  dichten  Newird.“


Jerta  fühlle  ein  Bangen,  wie  wenn  ihr  die
Worte  der  Gräsin  eine  neue  peinliche  Ueberraschung
  hätten  ankündigen  sollen.  Sie  kannte
die  alte  Dame  gut  genug,  um  zu  wissen,  daß  sie
eine  derartige  Bemerkung  nicht  ohne  triftigen
Grund  gemacht  haben  würde.  Sie  wußte  nicht,
was  man  in  der  Geiellschaft  über  ihre  Schwester
sprach  oder  sprechen  konnte  —  und  etwas  in
ihr  wehrte  sich  geradezu  dagegen,  von  dem

Geschwätze  Kenntnis  zu  erhalten.  Aber  sie  mußte
sich  doch  zu  einer  Frage  zwinge

„Ein  gehälsiges  Gerede?  —  Sollte  dem
denn  eine  to  qrosiss  Bedeutung  beizumessen  leink.

ie  Gräfin  dlickte  mit  einem  sonder
ernsten  und  strengen  Ausdruck  in  die  lrrbo

„Ich  e  einem  Gerede,  wenn  es  sich
um  meine  Person  handelt,  niemals  irgendwelche
  Bedeutung.  beigumessen,  Kind,“  sagte  sie
langsam.  „Hier  ftce  kann  man  sich  eigentlich
Lcban!  aicht  mehrt  belschan  e  verhalten.  Es
ist  d  doch  ein  Unierschied,  ob  ein  unbedeutender
  Klatsch  berumgelragen  wird,  oder  ob
man  jemanden  eines“

ie  hielt  inne,  wie  wenn  es  ihr  schwer
fiele,
Dann  aber  sagte  sie  in  der  gleichen  langsam
leierlichen  Weise,  Herta  dabei  in  die
sehend:  „—  eines  Verbrechens  bezichtigt.“

Das  junge  Mädchen  warf  es  gegen  den

ond  des  Wagens  #els  als  habe  ihr  ein
beimtückichert  Feind  einen  furchtbaren  Stoß  ge- 



 

geben.  r  für  die  winzige  Zeitspanne
weniger  Ertunen  überließ  sie  sich  dem
ellungelofen  Entsetzen.  Dann  strömte  das

Blut  heiß  in  ihre  leichenblassen  Wangen,  und
mit  slammenden  Augen  richtete  sie  sich  hoch  auf.
er  waat  das?“  fraate  lie,  und  ihre

Die  41jährige

das  inhaltschwere  Wort  auszusprechen.

 

bel  statigesunden.  „Kaiser  Wilhelm  II.“  ist
sofort  nach  Southamption  zurückgekehrt.

Champaign  (JIllinois),  17.  Juni.  Der
deutsche  Botschafter  Graf  Bernstorff
inapp  dem  Tode  entgangen,  als  ein
beamter  auf  das  Automobil  feuerte,  in  dem  sich
der  550  ter  zu  der  Semestereröffnungsfeier
nach  der  Universität  Ilinois  begab.  In  seiner
  Begleitung  befand  sich  der  Wizepräsi-ent  der
Unwersität.  Der  Polizeibeamte  forderle  das
Automobil  auf,  zu  halten.  Da  er  jedoch  nicht
in  Uniform  war,  wurde  sein  Befehl  außer  acht
gelassen.  Darauf  seuerte  er  einen  Schuß  ab.
Amerikanisch!

„Im  Bauch  von  Paris“.
DHaris,  17.  Juni.

Inweesern  die  merlwũrdigen,  verderbenbringenden
  Verwüstungen,  die  ein  Unwetter  in  und
unter  den  Straßen  von  Paris  angerichtet  hat,
auf  Unzulänglichkeiten  gerade  franzölischer  ri.  efbautechnik
  zurückzuführen  sind,  mögen  die  Untersuchungen
  gewiegter,  unparleiischer  Fachmänner
  offendaren  oder  nicht  offenbaren;  jedenfalls
wird,  nachdem  man  auch  alles  auf  das  genaueste
erwagen  und  berücksichtigt  hat,  was  allein  durh
die  Besonderheit  der  örtlichen  Verhällnisse  bedingkt
  ist,  noch  etwas  übrig  bleiben,  was  sich
nur  als  ein  allgemeines  Großstadtschichal  definieren
  läht,  wie  es  früher  oder  später  auch  janderwärts
  überall  sich  wiederbolen  kann.

Nach  den  bis  jetzt  vorliegenden  Berichten  hat
sich  an  mindestens  zehn  Stellen  der  Boden  währeno
  des  furchtbaren  Gewitlers  und  Wolkenbruches
  mitten  auf  dem  Fahrdamm  plotzlich  ge;
öffnet  und  Personen  und  Wagen  sind  in  die  Haf
senden  Löcher  geftürzt.  Es  haben  sich  Szenen
abgespielt,  wie  sie  schredlicher  und  unheimlicher
taum  bei  vulkanischen  Erdbeben  vorkommen  lönneu.
  Am  Platz  St.  Augustin  verschlang  der
sich  öffnende  Boden  plötzlich  ein  Auto,  währen?
die  Fuhgänger  in  der  Nähe  plöhlich  den  Boden
  mie  ein  Meer  unter  sich  wallen  sühlten.
Frauen  und  Kinder  #ah  man  anderer  Stelle'plotzlich
  in  einer  viele  Quadratmeter  großen  Oessnung,
  äus  der  große  Wassermassen  hervorquollen,
  rettungslos  versinken.  Dazu  kamen  heflige
Explosionen  und  grobe  Teile  des  westlichen  Paris
  lagen  nachts  in  völliger  Dunlelheit,  weil
die  elektrischen  Leitungsdrähte  an  vielen  Stel—
len  gerissen  waren.

Die  Pariser  Presse  hal  sich  beeilt,  die  Hauplschuld
  der  Bauverwaltung  der  Pariser  Untergrundbahn
  aufzubürden,  die  mit  ihren  Arbeiten
  nie  ferlig  werde  und  in  ganzen  Stadtvierteln
  den  Boden  aufreiße.  Ueberall  werde  gebaut,
  überall  ständen  Gerüste,  und  tiese  Baugruben
  öffnelen  sich  gerade  an  den  verlehrsreichsten
  Stellen.  Der  Präfekt  des  Seine-  Departements,
  Delanney,  führt  alle  Unglückssälle  auf
das  Bersten  der  Kanalisationsrohre  zurück.  „Wir
leben,“  äußerfe  er,  „auf  einem  wie  von  Maulwürfen
  unterhöhlten  Boden.  So  befinden  sich  3.
B.  in  einem  Raume  von  wenigen  Quadratmetern
zwei  Kanalisationsrohre,  ein  riesiges  Garleitungsrohr,
  Drucklastrohre  usw.  Kein  Wunder,
daß  der  durch  die  Arbeiten  beim  Bau  der-  Untergrundbahn
  gelockerte  Boden  unter  dem  Druck
der  eindringenden  Wassermassen  nachgab.“

Bisher  wurden  sechs  Leichen  zutage  gefördert.
Nach  oen  der  Polizei  zugegangenen  Meldungen
werden  sechs  Personen  vermißt,  von  denen  man
annimmt,  daß  sie  ihr  Leben  eingebüßt  Laben.
Unter  ibnen  besindet  sich  auch  der  55  Jahre  alle
Nentner  Mallmann,  ein  Angehöriger  der  belannten
  Bankier-Familie.  Die  Besitzer  der  durch
die  Erdeinstürze  gefährdeten  Häuser  haben  die
Ansicht,  gegen  die  Stadt  Paris  einen  Schaden-Ersatzprozeß
  anzustrengen.

Stimme  hatte  mit  einem  Male  denselben  herrisch
on,  den  Sabine  so  oft  anzulchlagen
„Wer  dürfte  das  tun,  ohne  sofort  zur
Rechenschaft  gezogen  zu  werden?  Und  warum
erfährt  mein  Bruder  nichts  davon,  der  doch
am  ehesten  berufen  ist,  die  beleidigte  Ehre
meiner  E  zu  rächen?
räfin  Fenkriinn  legte  ihr  bechwichgend
  die  kleine  und  schön  geformte
echte  au  den  Arm.
„Bleiben  Sie  vor  allem  ruhig,  Aorce  Kind!
Ich  hoffe,  das  Gerede  ist  noch  nicht  zu  Ihres
Bruderz=  Obhren  gedrungen.  n  es  aber
doch  all  sein  sollte,  auch  er  kann  gegen
dec  ms  kopsge  Far  nicht  ankampfen.
Wie  soll  man  sechten  orgen  ein  Phantom,
ein  Nichts,  gegen  etwas  nicht  Greifsbares?
Weiß  man  doch  weder,  wer  das  Gerede  aufgebracht
  hat,  noch,  wer  sich  zu  seinem  Träger
gemacht  hat.  Wie  wenn  es  Flügel  hötte,  eilt
es  von  einem  zum  anderen;  und  was  heute
Geheimnis  war,  weiß  morgen  die  ganze  Stadt.
Was  hllft  es  denn,  wenn  Ihr  Bruder  einen
der  Schwätzer  vor  seine  Pistole  stellt?  Nichse,
als  daß  er  sein  Leben  riskiert  —  nichts,  als
daß  der  Skandal  damit  öffentlich  würde.  als
nicht  deswegen  habe  ich  mit  Ihnen  davon  8
Frechen,  begonnen,  nur  die  Augen  wollte
hnen  öffnen,  wollte  durch  Sie  Ihr  0
Schwester  warnen.  Denn  gerade  dadurch,  daß
ch  Sabine  nun  von  aller  Welt  ab  W1
aß  sie  keine  Einladungen  annimmt,  keine
empfängt,  nich  mehr  ausfährt,  gerade  dablurn
gibt  #.  en  eschwätz  stets  neue  1——
n  Sie  gelebt  hätte  wie  lenh
sie  nizen  gerede  se  ewnn
beiten  geändert  päite,  viellelcht  wären  die  Ver-  *.n