61. Jahraamil
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d Beriag: Nr. 72; Inseratem-Kobellemon 238.
reich ensgestaucten achtteiiloen
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1. Heb## 1915
Rosenheimer Anzeiger
Rosenhehn in der M. Nledermso####chen Buchdruckeret sowie in
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Schins ber Aneraten-Annahme 1 Uht mittags. Nach diesem Zeitpunk kann für Uufnahme in die lanfende Tagesmummer nicht mehr gaxantiert werden. Für schlechtgeschrichenes M#rnustript wird keine Verunkrkung Alernmmen.
Die Vernichtung der 10. rufischen Armee in der mafurischen Winterschlacht.
Ueder 100 Ooo Gefangenc, mebr als 300 Geschütge und rlesigt Kriegsbeme. — Weiterc sechs engiisiche Dampfer durch Uu-Bootc und den
hufskrruzer „Kronprinz wupckm“ verfenkt. — Die Slockadc gegen engiand und ihrc wirkung. — Unterbrechung des Verkehres zlschen
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Faris und london. — Slooo Ruflen mit 64 Oflzuercn in den Karpatben gefangen. — die volusulmmung in Tilick.
Die Winkerschlacht in Mosuren.
Die Vernichtung ber russischen 10. Armee.
Mit Frohlocken vernahmen wir am Montagnachmittag
die Kunde von dem prächtigen Siegeskranz,
den Generalfeldmarschalk v. Hindenburg
mit seiner tapferen Armee dem deutschen
Vaterlande gewunden hat. Der Sieg Hindenburgs
ist nach den Mitteilungen, die als Endresultat
jetzt darüber vorliegen, so gewaltig
und so weitgreifend, daß niemand in der Ferne
imstande ist, eine richtige Abwägung davon zu
geben. Wir wußten schon, daß noch Verschiedenes
als Ergebnis der neuntägigen gewaltigen
Winterschlacht in Masuren in Aussicht stand.
Tag für Tag wartete das deutsche Volk, in der
festen Zuversicht, daß die noch ausstehende Gesamtübersicht
nach dem Umfang und dem sicheren
durchschlagenden Gelingen der Kämpfe einen
Sieg von gewaltiger Größe ergeben werde.
Dieses zuversichtliche Harren hat abermals reichen
Lohn erfahren.
Die mafurische Winterschlacht ist mit einem
glänzenden Erfolg beendet. Man könnte ihn
beispiellos nennen, wenn nicht die Schlocht bei
Tannenberg ihm ebenbürtig zur Seite träte.
Die 10. russische Armee ist vernichtet. Ihre
Stärke belief sich auf etwa 300 000 Mann und
rund 5/(1) Geschütze. Etwa die Hälfte ist gefangen.
Die blutigen Verluste sind nach der
mehrtägigen Versolgung ebenso hoch anzunehmen.
Nur Trümmer konnten noch die Narew-Bobre--Linic
erreicht haben. Die größten Verluste
erlitt die Artillerie durch Zertrümmerung
ihres Materiols. Sie sind noch erhöht durch die
freiwillige Vernichtung ihrer schweren Geschünc.
In dem neuen großen Sieg sehen wir ein
vollendetes Abbild der Schlacht bei Tannenberg.
Diese Schlackt, in der die russische Narewarme
vernichtet wurde, fand vom 26. 28. Aug. statt.
Der erste Bericht über den glücklichen Ausgang
der Kämpfe gab damals 30 000 Gesfangene an;
ober schon am 31. August wurden 60 000 gemeldet,
am J. September 90000. Genau so
stiegen die Zahlen auch diesmal: Am 12. Februar
erfuhren wir, daß 26.000 Gesangenc in
unsere Hände gefallen seien, am 16. Februar
war die Zahl schon auf 50 000 gestiegen, am
18. Februar auf 64000, und nun, da die Verfolgung
abgeschlossen ist, sind es über 100 000
geworden. Und wie nach der Schlacht bei Tannenberg
ein Grohteil der Beute aus den Wäldern
und Sümpfen Mosurens herausgezogen
wurde, so war es auch diesmal. 40000 Mann.
darunter 7 Generäle, 75 Geschütze und eine
vorerst noch unabsehbare Menge von sonstigem
Kriegsgerät ist bei der nachträglichen Razzia
zutage gefördert worden. Die Wirkung des Sieges
ist womöglich noch größer als die der
Schlacht von Tannenberg
Noch zu einem anderen Vergleich drängt das
Ergebnis der Winterschlacht in Masuren. Um
ihre Ergebnisse in ihrer ganzen Größe zu würdigen,
genügt ein Vergleich mit der Siegesbeute
bei Sedan. Die Zahl der Franzosen, die
sich während der Kämpfe am 1. September 1870
ergaben, betrug 21000 Mann. Durch die Kapitulation
fielen noch 83000 Mann in deutsche
Gefangenschaft. Das sind im Ganzen annähernd
soviele Gefangene, wie jetzt in der masurischen
Schlacht. Während aber die Schlacht bei Sedan
den Franzosen an Toten etwa 17000 Mann
kostete, dürfte das Opfer der Russen cin Mehrsaches
dieser Zahl sein.
Von großter Bedeutung ist die Wirkung des
Sieges Hindenburgs auf Rußland. Nach der
Schlackt von Tannenberg vermochte Rußland
dank seiner großen Ersatzmittel verhältnismäßig
mit Leichtigkeit seine Verluste zu ersetzen und
eine neue Armec an die Stelle der vernichteten
zu setzen. Inzwischen aber haben sich die Verhältnisse
sehr zu seinen Unguniten veranderl.
Man greift kaum zu hoch, wenn man die bies
herigen Abgänge Rußlands auf Millionen ein
schant. Und nock viel schmerwiegender sind seine
Verluste an Kriegemalerial. Allein an Geschützen
haben die Russen sicher weit über 11
verloren. Ein solcher Verlust wäre aber auch
für einen anderen Staat als Rußland schlechter
dings unersetzlich. Rußland wird daran zugrunde
gehen.
Wieder sind wir einen gewaltigen Schritt
weiter gekommen zur Cnlicheidung und jum
Frieden. Ehre gebult der Fuhrung, Nuhm
dem siegreichen Heere: Unsd alle beseelt die iu
versichtliche Hoffnung, daß die Osfensive der
deutschen Armec, die auf den glanzenden Sieg
gefolgt üt und unsere Truppen bereils vor
Grodno, O ssomier und Lomza gesuhrt hat, einen
günstigen Fortgang nimmt!
2 2 ·#
Die masurischen Scen.
Die masnrischen Seen sind in letzter Zeit in
aller Mund. Der großte der masurischen Zeen
ist der Spirdingsee, der größer ist ale unser
banerischer Chiemsee und nahezu doppell so
groh wic nnser Starnbergersee. Allerdings wirkt
er nicht so mie uniere oberbayerischen Seen,
da er verschiedene Buchten aufweist. Auch isi er
lange nicht so lief wie unsere Voralpenseen.
nämlich nur 27 Meter, während der Starnbergersee
beinahe 200 Meter tief ist. Der Spirdingsee
ist Preiter ald der Stambergersee, aber
nicht so lang. Abgesehen vom Bodensee, der
ja teilweise der Schweiz angehört, ist der Spirdingsee
der zweitgrößte See des Deutschen Reiches;
die Reihenfolge der größten reich-sdeutschen
Seen ist in Guadratkilometer: Müritzsee (Mecklenburg)
208, Spirdingsee 118, Mauersec 107,
Chiemsee 96, Schwerinersee 64. Starnbergersee
61. Auch der Mauersee gehört zu den masuri—
schen Seen und ist ebenfalls größer als der
TChiemsee. Er zerfällt noch mehr wie der Spirdingsee
in einzelne st een, von denen jede
ihren eigenen Namen
Allgemeines vom kKrieg.
Frankreich drängte England zum
Kriege.
WIE. London, 22. Febr. Hier wurde
ein Weißbuch veroffentick4 demzufolge der Präsident
der französischen Republik, Poincare, am
31. Juli 1914 einen persönlichen Appell an König
Veorg von England richtete. Poincare erklärte,
wenn Deutschland und Oesterreich-Ungarn
auf ein Fernbleiben Englands vom Kriege
rechnen könnten, so würde Oesterreich-Ungarn
unbeugsam und ein Ausgleich mit Nußland unmöglich
sein. Wenn aber anderseits Deunschland
uberzeugt wäre, daß England sich im Notfalle
auf die Seite Frankreichs stellen würdc,
so Uleibe die beste Aussicht auf die Erhaltung
des Friedens. Die letzte Auesicht auf eine friedliche
Regelung hänge von der Sprache und dem
Vorgehen Englands ab. Der Konig antworteie
mit dem Brief, in dem er seine Sumpathien mit
dem Bentreben Frankreichr. den Frieden zu erhallen,
auesprach und id ließlich sagte, er gäbe
sich noch immer die großte Mühe mit dem
russischen und dem Denischen Kaiser. Was Englande
Haltung betreffe, wechselten die Ereignisie
so schnell. daß er sahwer sef. die Entwicklung
vorau##iusehen, aber seine Regierung werde
meiterlin mit dem Boischafter Cambon offen
jeden Punkt besprechen, der fur beide Nationen
von Interesse sei.
Das Willl. bemerli dazu: Der Schrilt Poincares
bei dem englischen Konig liefert die beste
Illumtration dafur., daß Frankreich damit den
letzten Helel in Bemegung senzte, um Deunchland
durch die Kriegedrohung Englands diplomatisch
auf die Knie zu zwingen. Es iist vor
allem bezeich nend. daiz Frankreicd, nicht etwa
Schritte in Petersburg tat, um den Zaren von
der allgemeinen WMeobilmachung abzuhasten. die
in der Nacht zum sellen Tage erfolgle, sondern
daß man England unter allen Um'iänden zum
Kriege gegen Demichhland feslzumacken ver
suchle. Vio zum #1. Juli gab Sir Edward
(rey dem franzosüchen Volschafter Cambon
gegenüber noch leine die Megierung bindende
endgullige Jusicherung uber Englands Eingreifen,
soweit der Minier auch dem deutschen
Votschafier gegenuber in seinen versteckten Dro
hungen schon gegangen war. Poincares Brief
war der letzte Trumpf im franzölischen Karten
piel.
—
Sohaltman bei uns die Gesangenen.
London. 22. Febr. Die „Times“ veroffent
lichen einen Brief von den Eltern eines eng.
lischen (befangenen in Ruhleben, in dem gesagt
wird, sie hatten direkte Beweise dafür,
daß die Gefangenen von den deutschen Behörden
rücksichtovoll und freundlich behandelt wurden.
(3.)
Wien, 22. Febr. Die zurzeit in Meran
weilenden russischen Untertanen rich teten an die
Bezirlshauptmannschaft von Mieran eine Zu—
schrift, in der sie erklärten. daß sie es für e
Pflicht halten, der osterreickisch-ungarischen Negierung
fur die bei aller Strenge stels humane
Behandlung, die ihnen zuteil wird und die csihnen
ermöglicht, ihre Kur durchzumachen, oder
ihren Beschäftigungen nachzugehen und ihren
Lebensunterhalt zu verdienen, ihren tiefemp-
fundenen aufrichtigsten Dank auszusprechen. Sie
sordern ihre Landsleute in anderen Orten der
Monarchie und im Deutschen Reiche auf, dasselbe
zu lun zur Ehre der Wahrheit und zur
Abwehr der öfter auftauchenden verleumderischen
Behauptung, daß die beiden verbündeten
Reiche die Menschenrechte verletzen und dadurch
ethische Werte vernichteten. (J.) Aus dem
hintersten Sibirien und dem tiefsten Ural werden
Pohl keine Danksagungen kommen!
Dasneutrale Holland.
Groningen, 22. Febr. Ein Angestellter
eines hiesigen Handelshauses, der den in Groningen
internierten englischen Offizieren Harmsworth
und Lockwood behilflich war, aus dem
Internierungslager zu flüchten, wurde zu drei
Monaten Gefängnie verurteilt. Die Strafe fiel
so mild aus, weil die Offiziere bei ihrem Fluchtversuch
verhaftet werden konten, weshalb das
Gericht nur Beihilse zum Fluchwersuch annahm.
König Albert.
Rom, 22. Fehr. Die „Tribung“ berichtet
in einem Pariser Brief: Die Wahl des Königs
Albert von Belgien zum Konig von Frankreich
werde in weiten Kreisen Frankreichs eifrig befürwortei.
Es haben bereils mebrere geheime Versammlungen
üattgefunden. Konig Albert genicht
heute in Frankreich eine Volkstümlichleit.
die leine der Thronpratendenten besigzt.
(J.) Von Volkltumlichkeit bis zur Thronbesteigung
ist noch ein meiter Schritt, namentlich
in Frankreich.
Die Juden in Rußland.
Peter#burg. 21. Febr. In einer Konferenz,
die vor Eroffnung der Dumo zwischen der
Regierung und Algeordneten abgehalten wurde,
erklarte der Minister des Innern nach der
Zgeitschrift Nowi Woid.od“ bezuglich der Judenfrage.
daß die Regierung unter den obwal.
tenden Verhaltnissen zur Besserung der Lage
der Juden nichts tun konne. (Z.) Daneben
zalte man die Versprechungen, welche der Zar
bei Ausbruch des nußqltn den Juden machte
n n
WIE Großes Hauptquartier, den
22. Febr., vormittags. Amtlich.
Westlicher Kriegsschauplatz.
Oestlich Avern wurden gestern einige feindliche
Schugnengralen genommen. Feindliche Gegenangriffe
auf die gewonnenen Stellungen blieben
erfolglos.
In der Champagne berrichte auck gestern
verhaliniomäßig Ruhe. Die JZahl der von uns
in den letzten der dortigen Kämpfe gefangenen
Franzosen hat sich auf 15 Offiziere und über
I Mamn erhöht. Die blutigen Verluste des
Feindes haben sich als außerst hoch herausgesiellt.
Gegen unsere Stellungen nordlich Verdun hat
der Gegner gestern und heute nacht ohne jeden
Erfolg angegriffen.