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Stadt, wo man an eine förmliche Aufhebung des katholischen
Kultus wie in Nürnberg und Strafsburg noch nicht herangetreten
war. Besserer, der sich seiner Verantwortlichkeit für das innere
wie äufsere Gedeihen der Stadt wohl bewulst war, sagte einmal
geradezu, Ulm könne die Ungnade des Kaisers nicht vertragen
und dürfe überhaupt als ein nur kleiner Teil des Reiches die Verhätnisse
des Reichsganzen nicht aufser Acht lassen, und sich gebärden,
als wenn es allein das Reich sei’). Immerhin hatte sich,
nachdem die ersten Verkündiger des Gotteswortes in Ulm, Eberlin
von Günzburg und Heinrich von Kettenbach, nach kurzer Wirksamkeit
der Stadt den Rücken hatten wenden müssen und ein
anderer evangelischer Prediger, Höflich, im Jahre 1524 sogar an
den Bischof von Konstanz auf dessen Verlangen ausgeliefert worden
war, noch in demselben Jahre 1524 der Rat bewegen lassen,
Konrad Sam als Prediger zu berufen, welcher dann der eigentliche
Reformator der Stadt geworden ist. Kühner indefs und energischer
zeigte sich die Politik Ulms da, wo es sich um die gemeinsamen
Angelegenheiten der Städte handelte. Auf den Städtetagen dieser
Jahre begegnet die meist durch Besserer vertretene Gemeinde
durchweg in der vordersten Reihe derjenigen, welche das Wormser
Edikt als höchst verderblich und unerträglich bekämpften?). Als
dann der neue Speierer Reichstag herannahte, suchte Ulm vor
allem mit dem glaubenseifrigen Nürnberg Fühlung zu bekommen,
welches, wie sich denken läfst, diesem Bestreben auch seinerseits
entgegenkam?). —
!) Ebenda S. 101.
?) So liegt zu dem Speierer Städtetage vom Juli 1524 ein Instruktionsentwurf
für die Ulmer Gesandten vor, verfalst von Besserer und Daniel
Schleicher, in dem es u.a. heifst, der letzte Reichsabschied (welcher wieder
auf Ausführung des Edikts, „soweit möglich“, drang), sei so hart, dafs er gemeinen
Städten weder menschlich noch möglich zu erleiden sei, denn, falls
das Edikt in Kraft trete, würde das die Städte in verderblichen und unwiderbringlichen
Schaden führen, u.s. w.; der Entwurf dringt daher auf Herstellung
des Reichsabschiedes von 1523 mit einigen Modifikationen. Dazu
ist am Rande vermerkt, der Rat lasse sich gefallen, dafs von Milderung der
Schwere des Edikts geredet werde, doch sei ohne Hintersichbringen nichts
zu beschliefsen. Konzept Ulmer Stadtarchiv.
3) Vgl. das Antwortschreiben Ntirmbergs vom Sonntag 27. Mai 1526
(Nürnberg, Ratsbriefb.) an Besserer, welcher mitgeteilt hatte, dafs seine
Gemeinde sich schlüssig gemacht, ihre Botschaft demnächst nach Speier zu
senden. Nürnberg antwortete, es habe ebenfalls bereits Bernhard Baumgärtner