Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

 

Nummer  1183  —

—l

Sonntag,  10.  Mai  1015

 

mochte  von  ihrem  gas:  izen  Bestande  nur  mehr
4  Geschütze  zu  relten.  Cine  kaulasische  oision
Ubrachte  von  36  Kanonen  noch  9  zurüd.  Dazu
waren  die  russischen  Verbände  völlig  durcheinander
  geraten,  da  die  Besehlsführung  und
die  Aufrechterhaltung  der  Verbindung  der  Truppenteile
  untereinander  gänzlich  versagt  hatte.
Das  rechte  Flügelkorps  der  Armee  des  Erzherzogs
  Joseph  Ferdinand  stellte  an  einem  einzigen
  Verfolgungstage  Gefangene  von  51  verschiedenen
  russischen  Regimentern  fest.

Am  Abend  des  10.  Mai  war  die  Gesamtzahl
  der  Gefangenen,  die  die  verbündeten  Heere
in  Westgalizien  gemacht  hatten,  auf  über
100  000  gestiegen;  die  Zahl  der  genommenen
Geschütze  betrug  etwa  80,  die  der  erbeuteten
Maschinengewehre  über  250.

Die  Deulscheuhebe  in  Eupland.

Kopenhagen,  14.  Maoi.

London  steht  unter  dem  Zeichen  der  Herrschaft
  des  Pöbels.  Die  Plünderungen  der  Läden,
  an  denen  Männer,  Frauen  und  Kinder
teilnahmen,  nehmen  einen  erusten  Charokter  an.
Die  Polizei  ist  machtlos  oder  verweigert  das
Einschreiten.  In  der  Gegend  der  Wlitean
Docks  mußten  sich  die  Deutschen  bewaffnen
und  sammeln,  um  ihr  Eigentum  zu  schützen.  64
deutsche  Läden  und  Wirtshäuser  dieser  Gegend
wurden  völlig  zerstört,  die  Waren  und  das  Inventar
  auf  die  Straße  geworfen.  Viele  Polizisten
  und  HJivilpersonen  wurden  verwundet.
An  verschiedenen  Stellen  versuchten  Geistliche,
dem  nsten  Treiben  der  Menge  Einhalt  zu
tun.  Die  Regierung  ist  ganz  machtlos  oder  verhält
  sich  passiv.

Trotz  heftigen  Regens  versammelten  Sich
Tausende  ron  Cityleuten  auf  der  Towerhal
um  den  Antrag  zu  unterstützen,  daß  alle  Ausländer
  aus  den  feindlichen  Staaten  interniert
werden  sollen.  Die  Redner  erklärten,  da  die
Deutschen  den  Krieg  nicht  ehrlich  führten,  die
Sache  selbitl  in  die  Hand  nehmen  zu  wollen,
bis  die  Regierung  zwischen  beide  träte.  In
einer  Resolution  wmurde  dagegen  protestiert,
daß  die  Angehörigen  der  Deutschen,  die  ihre
Feinde  verstümmelten  (1)  und  vergiften  (1I),
Frauen  und  Kinder  morden  (!),  in  England
ihre  Freiheit  genießen.  Im  Unterhause  teilte
Asquith  mit,  daß  noch  40000  Ausländer,  darunter
  24.  000  Männer  aus  den  feindlichen  Ländern,
  sich  in  England  frei  bewegen.  Die  Regierung
  beantrage,  alle  erwachsenen  mämrlichen
Personen  wegen  der  Sicherheit  des  Landes  zu
internieren  oder,  wenn  sie  das  militärische  Alter
überschritten  haben,  nach  der  Heimat  zurückzuschicken.
  Frauen  und  Kinder  würden,  wenn  es
die  Umsiände  gellatten,  nach  Hause  geschickt  werden.
  In  vielen  Fällen  würde  es  das  Gebot
der  Monschlichleit  und  Gerechtigkeit  sein,  ihnen
zu  gestatten,  im  Lande  zu  bieiben.  Es  werde
eine  be  sonder:  Kommission  gebildet,  um  die  Ansprüche
  auf  Befreiung  von  der  Repatrilrung
zu  erledigen.  Man  denke  nidt  daran.  die  Naturalisierten,
  die  etwa  8000  Mamn  zählen,  zu
internieren.  Ausnahmefälle  würden  besonders
behandelt  und  die  Möglichkeit  geschaffen  werden
  müssen,  sie  in  Fällen  von  Notwendigkeit
und  Gefahr  zu  internirren.

Der  NRotterdamsche  Courani  meldet  aus  London:
  Die  Unruhen  in  Liverpool  hörten  auf.

Der  in  London  angerichteie  Schaden  wird  auf
20  000  Pfund  Slerling  g##  schäß.  Das  Gerücht,
daß  kanadische  Offizier:  von  Deutschen  gelreuzigt
  worden  seien  (11,),  erregte  die  Leute  mehr
als  der  Untergang  der  „Lusitenia“.

In  Johann'berg  in  Südafrile  führten  die
hefligen  deull.  seindlichen  Kundgebungen  zur
Verwüstung  deas  Eigentums  der  Deutschen  und

 

zur  Schließung  vieler  deutscher  Läden  und  Bureaus.
  Die  Menge  wandte  sich  auch  gegen  die
Wohnungen  der  Deutschen.  Die  dem  Feinde
gehörigen  Kinos  wurden  zum  Schließen  gezwungen.
  Gegen  Abend  verlor  man  die  Kontrolle
  gegen  den  Mob  volllländig.  Die  Leute
liesen  wie  loll  durch  die  Straßen  und  verwüsleten
  alles,  wo:  seindlichen  Untertenen  gehörte.
Die  Pokiz##i  bildste  einen  Kordon  in  der  Forstreei,
  um  die  Menge  von  den  vornehmsten
Bureaus  und  den  Bergwerlsunternehmungen
abzuhalten.  Sie  war  zu  schwach.  Der  Kordon
wurde  durchbrechen.  Gegen  halb  9  Uhr  sah
man  an  verschiedenen  Punkten  der  Stadt  Feuer
aufsteigen.  Um  9  Uhr  war  das  Zentrum  der

Stadt  hellerleuck  tet  durch  große  Freudenfeuer,

welche  mit  d  n  Inhalt  der  verwüsteten  Häuser
genährt  wurden.  Ein  deutscher  Juwelierladen
wurde  geplündert  und  zerftört.  Der  Justizminister
  erließ  einen  Aufruf  an  di:  Bürger,  in
dem  er  erklärte,  er  verstehe  die  Ursachen  für
den  Ausbruch  der  Unruhen  vollständig:  er  ergus
  aber  die  Bevölkerung,  eine  vernünftige

Selbstblhertsckung  an  den  Tag  zu  legen  und
die  Regierung  bei  der  Wiederherstellung  der
Ordnung  zu  unterstützen.  Auch  in  Kapftadt  kem
½es  zu  deulschfseindlichen  Kundgebungen.  Sechs
deutsche  Läden  wurden  angegriffen  und  angezündet.
  Die  Polizei  wur  dem  Mob  gegenüber

machtlos.
1  4

die  sitise  in  Italien.
Rom,  14.  Mai.

Die  „Agenzia  Stesani“  meldel:  Im  Laufe
des  Vormittags  empfing  der  König  der  Reihe
nach  den  Senatspräsidenten  Manfredi,  den
Kammerpräsidenten  Marcora  und  Giolitli.  Am
Nachmittag  wurden  nacheinander  Salandra  und
der  Kammerpräsident  Martora  empfangen.  In
Besprechung  der  Krise  fordert  die  „Tribuna“
jedermann  auf,  das  edle  Opfer  der  Mäßigung
zu  bringen  und  alles  Hestige  und  Maßlose
im  Ausdruck  der  Meinungen  zurückzudrängen,
damit  eine  vernünflige  Erwägung  der  Lage
ermöglicht  und  die  moralische  Einheit  des  Landes
  nicht  gestört  werden,  die  auch  im  heftigsten
Streite  der  Meinungen  um  der  Sicherheit,  der
Größste  und  der  Zukunft  des  Vaterlandes  willen
aufrechterlalten  bleiben  müssen.

Heute  vormittag  versammelten  sich  einige
Hundert  interventionistisch  gesinnte  Sindenten
in  der  Universität,  begaben  sich  nach  der  Piazza
di  Monte  Vittori,  drangen  in  den  Vorsaal  der
Kammer  ein  und  zertrümmerten  die  Schiiben
der  Eingangstüren  und  die  Fenster  der  Vorderseite.
  Den  anwesenden  Abgcordneten  und
Dienern  der  Kammern  gelang  es,  den
der  Kammer  von  den  Demonstranten  zu  säubern,
  worauf  diese  sich  entfernten.  Infolge  dieses
Vorfalles  wurde  der  Polizeilommissar,  dem  die
Bewachung  des  Palastes  der  Kammer  obliegt,
auf  Wi
Amtes  enthoben.  Sein  Dienst  wird  vom
Qnästor  persönlich  übernommen  werden.

Die  „Neue  Züricher  Zeitung“  meldet  aus
Mailand:  Nach  den  letzten  Mitteilungen  aus
Italien  ist  die  Aussicht  einer  friedlichen  Lösung
der  politischen  Probleme  ungemein  gefestigt  worden.
  Man  rechnet  damit,  daß  sich  im  Parlament
eine  Mehrlieit  finden  werde,  die,  gestützt  auf
das  weitgehende  Entgegenkommen  Oesterreichs,
für  die  Erhaltung  des  Friedene  eintrilt.  Tatsächlich
  ist  das  Angebot  Oesterreichs  so  generös,
wie  man  es  im  Ernste  wohl  kaum  erbofft  hat.

Oesterreich  wird  sich  jedenfalls  dazu  veritehen,
auch  die  im  letzten  Passus  der  Offerte  in  Aussicht
  gestellte  Abtretung  von  Görz  und  einiger
dalmatinischer  Inseln  zu  prczisieren,  sowie  es
sich  mit  Jtalien  über  die  Gegenleistungen  verständigt
  hal.

 

Erkämpftes  Glück.

7  Roman  von  A.  Beilo
ne  derboten

  
 

     

Veur  ein  rieti  —  uns  seine  Werdes
reiee  der  .  da  ben.  s#adas  Messer
ihm  unr  #  kecse  gin  hunde  àam  liulen  Arm
beibrachte.  Außer  sich  ßer  diese  Hemmtücke  des

isub-  V  u##lling  schoß  #lpp  deide  Pisolen  in
da  ich  hinein  und  vertrieb  damit  das
Viel  ##n  6#  5½  .

 
 
 
   
   
   

I«

 

.-.si«uan«.1ckul1  agauu
1  Verwandien  die  Häude

ler,  lausend  DTan  Sie
E—

nn-Vronere
  Zophie  fam  blaß  und  atemlos  herbei,

hre  Kugen  giansten  und  hingen  un  dem
nel  der  Bemunderung  an  Ludwig  Guntber,
daaben  Zinne  wie  ein  Held  der
retunten  mochle.
ze  GWraf  woute  elwas  erwidern,  aber
ankie  er  im  Satlel  und  eine  tiefe
ne  I#ern  ssse  schner  Zuge.
Philivy  eille  erschrock.  in  herbei  und  stützte

son  ris  uoo:  ann.  *t.'t
aus,  VBeiter.
Sortn  J
heraus

*v#uch  haiten  Sie  den  A#ut
Oder  re#  &P  schnell  voraus,  Leonore
Leute  mit  einer  Tragbahre

und  schick

hrre  Ludwig  Günther  ab,
der  von  der  Anwand.
1  ½  Dieser  Har  itritz
-  ,  und  nach  Kuyphausen.
*  ran  onsine,  lann  ich  Sie  auf  keinem  Fall  beprleiten,
  nach  dem  was  zwisch  en  Ibrem  !  Gemahl
und  Mmir  vorgesallen.  Sie  werden  ja  Bescheid
wist  zens

„Leider,  leider,  aber  jetzt  haben  Sie  mich
bewahm  vor  VBeranbung,  und,  wer  weiß,  ob  nicht
vor  schlimmerem  —  much  überläust  es  lalt,  wenn
ich  mir  die  ganze  Gesahr  vergegenwärtige  —  mein
Giemahl  muß  und  wird  Ihnen  die  Hand  zur
Versöhnung  bieten.  Scien  auch  Sie  großmütig,
Velner,  und  kommen  Sie,  das  Geschehene  vergessend,
  mit  nach  Schloß,  Kuyphausen.“

Mit  inniger  Bitte  blickten  die  großen,  ausdruckvollen
  Augen  der  Gräsin  den  Jugling
an,  schwerlich  aber  wohl  hälte  der  Enkel  Sophie
Charlottens  eingewilligt,  seinen  Fuß  über  die
Schwelle  seines  erbitterten  Gegners  zu  senen,  allein
eine  höhere  Macht  griff  ein.  Ter  Blutverlust
aus  der  Nmwmache  war  doch  zu  starl  gewesen,

  
 

Vorsaal

fung  des  Ministers  des  Innern  seines:
—

Der  Mailänder  „Secolo“  beziffert  für  das
am  20.  Mai  zusammentretende  Parlament  die
Gegnerschaft  der  Kriegspolitik  mit  40  Stimmen
  über  die  Mehrheit.  Die  „Stampa“  berechnet,
  daß  drei  Viertel  der  Kammer  für  Giolitli
  sei.  Mittlerweile  ventilieren  die  Sozialisten
  die  Absicht,  beim  König  eine  Audienz
zu  erbitten,  um  den  König  persönlich  über  das
Friedensbegehren  des  Volles  aufzuklären.  Der
Sozialist  Ferro  war  bereits  beim  König  in
Rom.  Bigher  sind  350  Deputierte  in  Rom
eingetrossen.  Gehr  ime  Kräfte,  deren  Identität
ür  den  Kenner  der  Verhältnisse  aber  nichts
weniger  als  ein  Geheimnis  ijt,  waren  inzwischen
im  ganzen  Lande  in  fieberhaftester  Bewegung,
um  eine  Volksstimmung  zu  schaffen,  die  der
Regierung  eine  scheinbare  Basis  für  exlreme
Entschlüsse  im  Kriegssinne  bieten  soll.  Der
englische  Botschafter  brachte  den  ganzen  Tag
auf  der  Konsulta  zu.  Er  hielt  Sonnino  förmlich
  unter  Sequester,  während  die  Entente-Agenten
  die  Presse  mit  verzweifelter  Energie  bearbeiten.


Die  Ententeleute  und  ihre  Freunde  wissen,
daß  es,  nachdem  gegen  alles  Erwarten  im  letzten
  Augenllick  eine  starle  neutralistische  Bewegung
  erwad,t  ist,  von  den  allernächsten  Tagen
abhängt,  ob  Ztalien  in  den  nächsten  Tagen
gegen  Oeslerreich  marschieren  wird.  Um  Italien
mitzureißen,  bedarf  es  aber  eines  förmlichen
Bürgerkrieges.  Die  Interventionisten  würden
sich  leinen  Augenblick  scheuen,  des  Krieges  wegen
  den  Bürgerkrifg  zu  entfesseln,  vorausgesetzt.
daß  Giolitti  ihnen  leinen  Strich  durch  die  Rechnung
  mad  t.  Ihre  Wut  ist  aufs  höchste  gesliegen.
  Die  „dea  nacionale“  verlangt  die
Verhängung  des  Belagerungszustandes  uno
summarische  Aburteilung  Giolittis  als  Spion
und  Verräter,  weil  er  angeblich  dem  Fürsten
Bülow  versichert  habe,  daß  das  Parlament  die
österreichischen  Zugeständnisse  annehmen  werde.

Sonninv  hat,  wie  die  „Köln.  Ztg.“  berichtet,
im  Ministerrat  vom  7.  Mai  die  Entscheidung
üler  den  endgültigen  Abbruch  der  Verhandlungen
  mit  Wien  und  den  förmlichen  Abschlaß
mit  dem  Dreiverbande  gefordert.  ist  aber  nach
einer  Meldung  des  „Avanti“  in  der  Minderheit
  geblieben.  Die  Folge  war  der  Beschluß,
das  Parlament  zu  vertagen  und  Giolitti  nach
Rom  zu  berufen.  „Avanti“  meint,  die  Diktatur
  der  kriegslustigen  Minderheit  räumt  das
Feld  vor  dem  Rechte  und  den  Befugnissen  der
Mehrheit  des  Parlaments.  Die  letzten  italieuischen
  Meldungen  befestigen  die  Meinung,
die  Neutralität  Italiens  könne  erhallen  bleiben.
Man  scheint  damit  zu  rechnen,  daß  die  Mehrheit
  des  Parlaments  für  die  Annahme  der
weitgehenden  österreichischen  Zugeständnisse  sei.

Die  italienische  Krise  hat  auch  Paris  in  Aufregung
  versetzt.  Eine  durch  die  italienische  Kabinett-krise
  einberufene  französische  Ministerratssitzung
  nahm  einen  so  bewegten  Verlauf,
daß  abends  die  Pariser  Blätter  zahlreiche
Anfragen  erhielten,  ob  eine  Umgestaltung  des
französischen  Kabinett=  bevorstehe.  So  weit
sind  indessen  die  Dinge  nicht  gediehen.

Der  „Berliner  dennl.  zae  schreibt:  Welchen

  Lauf  auch  immer  die  Dinge  in  Jtalien
nehmen  werden,  die  Verantwortung,  übernimmt
das  italienische  Volk  durch  seine  gesetzlichen  Vertreier
  in  Kammer  und  Senat.  Wir  sehen  den
kommenden  Ereignissen  in  Italien  mit  größtem
Interesse,  aber  mit  Ruhe  und  Festigkeil  ent.
gegen.  Italiens  Schicksal  liegt  in  seines  Volles
Hand,  und  es  wäre  müßiges  Bemühen,  in  diesem
  Augenblick  den  Propheten  spielen  zu  wollen.
Wir  sollten  aber  meinen,  daß  ein  Krieg  ums
Dasein,  von  welchem  Volk  auch  immer,  nur

dann  mit  Aussicht  auf  Erfolg  geführt  werden
m  un,  wenn  gefährdete  Lebensinteressen  gestatten,
  alle  Bürger  ohne  Untlerschied  der  Partei

—.

 

 

in  patriotischer  Begeisterung  zu  einem  einheitlichen
  Ganzen  zusammenzufassen,  wenn  ein  Gedaute,
  ein  Gefühl  alle  und  alle  beherrscht.  Hat
aber  erst  der  nagende  Zweifel  von  der  Nolwendigkeit
  eines  solchen  Kampfes  ums  Dasein:
weite,  anerkannt  patriotische  Kreise  des  Volkes
  erfaßt,  dann  fehlt  eben  die  elementarste
Vorbedingung  für  einen  Volkskrieg  im  edlen

Sinn  des  Wortes.

da  hii  „M.  N.  N.“  wird  aus  Berlin  berichtet:

Nücttritt  des  italienischen  Kabinetts,  der

#or-  höchst  bedeutsam  ist,  darf  uns  nicht  in
den  Glauben  versetzen,  als  sei  jetzt  der  Friede
und  die  italienische  Neutralität  schon  gesichert.
Im  Gegenteil,  jetzt  beginnt  erst  der  Kamof  zwischen
  den  Anhängern  einer  friedlichen  und  denen
einer  kriegerischen  Lösung.  Es  genügt,  auf  diese
Tatsache  hinzuweisen,  um  damit  zugleich  die
Notwendigleit  begründen,  daß  wir  auch  serner
  auf  jede  ndung  gefaßt  und  für  sie  gerüstet
  den  inneren  Kampf  der  beiden  Strömungen
  in  Jtalien  mit  schweigender  Aufmertsanleit
verfolgen.
Zur  Beurteilung  der  Lage  schreibt  die,  Munchener
  Post“:  Was  die  Forderungen  an  Heslerreich-Ungarn
  betrifft,  so  ist  man  in  Wien  in
ihrer  Bewilligung  bis  an  die  alleräußerste
Grenze  des  Möglichen  gegangen.  Man  hat  sich
sogar  neuerdings  zu  weiteren  Zugeständnissen,
als  in  dem  ursprünglichen  Marimum  vorgesehen
waren,  entschlossen.  In  Wahrheit  streitet  man
sich  heute  nur  noch  um  nebensächlichere  Fragen,
die  bei  einigermaßen  gutem  Willen  Italiens
gar  keine  Schwierigkeiten  mehr  bereiten  lönnen.
Der  Fall  liegt  eben  so:  Die  Zügel  scheinen  den
Herren  Salandra  und  Sonnino  entgleiten  zu
wollen,  die  lärmende  Minderheik  will  ben-  Krieg
erzwingen.  Wenn  einmal  wieder  Frieden  imn,
dann  wird  es  Zeit  sein,  die  sehr  interessanten
Konferenzen  der  italienischen  und  französischen
Grohlogen,  deren  Geheimnis  aus  dem  Duntel
des  Temps  zu  uns  gelangt  ist,  in  aller  Oeffentlichlkeit
  zu  besprechen  und  diesen  Kriegstreibern
  die  humane  Maske  vom  Antlit  zu
reißen,  und  man  wird  erstaunen,  was  man
hinter  ihr  findet!  Kommt  es  zum  Krieg,  so
wird  er  beginnen  gegen  den  Willen  der  Mehrheit
  des  italienischen  Volkes,  gegen  seine  Ehre
und  sein  Gewissen,  durch  Schwäche  der  Regierung
  und  gewerbsmäßige  Hetzereien  sehr  geschickter
  und  gewissenloser  Macher.  Es  braucht
aber  nicht  zu  ihm  zu  kommen,  wenn  entweder
die  Herren  Salandra  und  Sonnino  Energie
beweisen  oder,  falls  sie  dies  nicht  tun,  der  König
ein  Ministerium  Giolitti=  Bertolini  bildet.
Giolitti  hat  die  Autorilät  und  die  Kraft,
den  Kriegstreibern  ein  donnerndes  „Quos  ego!“
entgegenzuschleudern,  das  sie  gebieterisch  zur
Ruhe  weist,  und  er  hat  auch  den  Willen  dazu,
wosern  man  ihn  beruft.  An  König  Viktor
Emanuel  ist  es  also,  diesen  rechten  Mann  der
Stunde  an  den  rechten  Platz  zu  stellen  -  und
der  Krieg  ist  vermieden.

Ueber  die  Auffassung  in  Wien  schreibt  das
„N.  W.  Abendblatt“:  Das  Ministerium  habe
die  Konsequenzen  aus  der  selbst  geschaffenen
Zwangslage  gezogen.  Der  Rücktritt  scheint  die
Möglichkeit  einer  freundschaftlichen  Auseinandersetzung
  mit  Jtalien  auf  dem  Wege  von  Zugeständnissen
  zu  verstärken.  Die  öffentliche  Viei—
nung  „Oesterreich-  Ungarns  bringt  dem  Werte
der  Friedenserhaltung  und  den  Notwendig
leiten  der  Lage  volles  Berständnis  entgegen.
Die  „Neue  Freie  Presse“  sagt:  Die  Demission
darf  als  ein  Zeich  chen  für  die  Erstarlung  der
Friedenskräfte  in  Italien  gelten.  Die  Entente
wird  iedoch  alle  Hebel  in  Bewegung  setzen,  um
Italien  in  ihr  Lager  hinüberzuziehen.  Wir
hoffen  jedoch,  daß  dies  nicht  gelingen  und  daß
äußerst  wichtige  Entscheidungen  der  nächsten
Tage  den  Glauben  an  eine  friedliche  Lösung
nicht  erschüttern  werden.

 

 

    

Gras,  in  welches  sich  auch  die  siolze  Grasin  uie#der
ließ,  damit  der  Kopf  Lide#ig  Günuhers  in  h#em
Schoße  ruhen  könnte.

Das  Blut  halte  a##sgehört,  aus  der  Wunde
zu  fließen,  dafür  aber  #e#woll  der  Arm  sichtlich
an.  Mit  seinem  Laickun  esser  schnitt  daher
Ficher  den  Rockärmel  sein.  Herrn  auf,  mit  einem

ick  und  einer  B.hutsamkeit,  die  man  dem
breil  grobknochigen  B  irschen  kaum  hätte  zutrauen
  sollen.  Dabei  sehalt  er  in  einer  Tour
halblaut  vor  sich  bin:  issek  Suaphahms,  de
Dunner  schall  se  slan!  Oh  Zi  insame  Keerls,  i
will  wiesen,  wor  Abrahem  Nusteun  mahlt!  De
Düvel

Taob-  und  erschrocken  jedoch  schrie  er  auf,  als
die  Wunde  schließlich  zum  Vorschein  kam,  die
sreilich  auch  schlimm  geung  aussah.  aIndesen
beruhigle  Gräfin  Ottoline,  welche  sich  darauj  verstand
  und  vielfach,  wenn  Erkrankungen  vorkamen,
bei  ihren  Leuten  als  Arzt  sungierte,  den  Getrenen.
Ein  edlerer  Teil  scheine  nicht  verletzt  und  sein
junger  Herr  werde  rascher  wieder  gesund  werden,
als  Philipp  hoffe.  —  Wunderliche  Gedanken  und
Empfindungen  sinteten  durch  die  Se  ver  seile
Frau,  als  sie  so  regungslos  dasaß.  bleiche,
unbewegte  #uld  mit  den  edlen  Hruches  vor  sich
in  ihrem  Schobße;  sie  hätte  sich  niederbeugen

Tragbahre  war  ebenfalls  mitgenommen  worden,
da  jedoch  die  Beschaffenheit  des  Weges  es  zu  gestalten
  schien,  sollte  der  Verwundete  aus  den  Wagen
gebettet  werden.  Terselbe  war  viel  zu  krafllor,
um  noch  irgend  einen  Widerspruch  zu  erheben.
Nur  auf  Momente  kehrte  ihm  die  Besinnung  zurück.
DTieser  Zustand  begann  die  Reich##gräfin  allmahlien
besorgt  zu  machen,  so  siart  konnie  der  Blutverlust
doch  unmöglich  gewesen  sein,  und  Ludwig  Günther
war  außergewöhnlich  kräfug  und  lerugesund.  War
war  das  nur?
orgsam  man  den  wunden  Junler  auch

auf  die  mitgebrachten  Tecken  und  2  ücher  gebettet.
hallte,  und  so  G—  w  der  ein.
geschlagene  Weg  a  war,  er  wurde  doch  der
öfteren  unsanft  P  4  was  den  Schmerz  der
Wunde  bestig  steigern  mußte:  denn  jedesuial  entrang
  sich  dabei  ein  leises  Stöhnen  dem  Munde
des  Leidenden.  Leonore  Sophies  Augen  schwammen
in  Träuen;  sie  fühlte  das  innigste  Mitleid  und
hätte  wer  weiß  was  darum  gegeben,  die  Rein
ihres  Retters  zu  lindern.  Der  Weg  bis  zum  Schlosse
dntte  ihr  eine  Cwigleit.  Endlich  aber  war  dieses
doch  erreicht.  Sorgsam  bettete  man  den  jungen

Grote  auf  ein  bereit  sichendes  Lager,  nachdem
Philipp  ihn  enlkleidet  hatte.  Der  Schmerz,  den
der  Treue  dabei  bei  aller  Behntsaner  seinem

 

 

 

 

 

r  den  Warlenden.  (un  jezt,  uahmen  die  beiden  selb  für  die  lraftige  Konstilunion  des  jungen  Mögen  einen  Kuß  auf  die  blassen  Lippen  zu  drücken,
5½  Frauen  die  Verwundung  ihres  Retters  wahr,  Grasen.  Tollich  erblaßt  schloß  er  die  Augen,  elche  vor  Schmerz  hin  und  wieder  leise  zuckten.  Ses  bei  L  diesem  zum  erstenmale  wicher
,«  stnatbunnstmuunbuIunthwlnckzu  cnntukJuoustlonakutnntnatbtctciuncunnc  Da  aber  regte  sich  der  Verwundete  und  un  vo  fün  1  sle  ic  unu  zurück.  „Das  breunt
4  l  vrren  ite:  „Ter  Wurf  war  gut  gemenn,  aber  Es  bedurfte  leiner  zweiten  Aufsorderung  der  matt  die  Augen  auf,  um  sie  freilich  gleich  dara  wien  8  denn  42  ür,  agte  8  zund  vrlfetre  und
*  1#r  le:  es  ist  nur  eine  elwas  licse  Schramme  Gräfin  an  Leonore  Sophie,  ein  Blick  genügte  zur  wieder  zu  schließen.  Furr  mis  wunchodie  Ader  m#  9  %  J  usüaer
»  aus  »  Ltn  ·  VerstandtmtngnndnmunPsukogdusttgutd-  Aus  der  Ferne  wurde  das  Rollen  eines  ihm  aufs  neue  die  Sinne  zu  sahwinden.  schienen
4  de  Lunn,  42  der  s.  Shilibte  liche  Augzone  davon,  um  Leute  nebst  eeuer  Bahre  Wagens  vernehmbar,  das  rasch  näher  lam.  Mit  *
7.  a  ag  man.  wienn  e  nech  mal  to  saten  zum  Transport  des  Veronndelen  herbetzuholen  einer  Umsicht,  die  ihrem  guten  n  wie  ihrem  [h  n
1  ie  ick  wull  fje  Mores  lele."  Min  arme  lewe  nzwis  betteten  die  Gräfin  und  der  itreue  Verstande  gleiche  Ehre  machte,  Leonore
21  Herr  Wir  *ꕽ  #  4  ·  Phtltpw  dem  die  dicken  Tränen  in  den  Augen  ophie  alles  angeordnet,  was  zum  Transport  H  s»
-«t..  ir  müssen  „ogleich  heim,“  bemerkte  die  be-  standen,  den  ohnmächtiaen  Junker  sacht  in  das  des  Zunkers  erforderlich  und  nün#lich  schien.  Eine  —4
·  —  --—-t

rn
—