Full text : Deutsches Wörterbuch. Erster Band A-G. (1)

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gewonct  1.  Sam.  17,  39;  er  ists  nicht  anders  gewohnt;
in  bedeutendem  Sinne  er  ist  schon  etwas  gewohnt,
kann  viel  aushalten;  ich  bin  es  .  durch  lange  gedult
gewohnt  worden  Henisch;  mit  Acc.:  die  licb  unch
freundschaft,  die  sic  gewohnet  (ist)  ebd.;  du  bist  die
unbedeutende  sprache  der  galanterie  zu  wenig  gewohnt
Lessing  Gal.  2,  5;  das  bin  ich  nicht  gewohnt  Schiller
Picc.  3,  3;  mit  abhäng.  Satze:  so  gar  sind  die  groszen
berra  gewonet,  das  man  yhn  heuchle  und  schmeichle
Luther  Antwort  deutsch  1522;  mit  zu  und  JInf.:  er
ist  gewohnt  fruh  aufzustehen,  wir  sind  nicht  gewohnt,
so  spat  zu  essen  Adelung:;  du  bist  gewohnt  zu  siegen
Goethe  Tasso  2,  3;  wir  sind  gewohnt.  die  fruchte
langsam  reifen  zu  sehen  Freytag  Hanudschr.  1,  254;
auch  an  etwas  gewohnt,  statt  gewöhnt  (vgl.  gewöhnen):
du  bist  nicht  an  verlust  gewohnt  Goethe  Iyhig.  1,  4;
sie  ist  an  andern  beifall  nun  gewohnt  Grillparzer
3,  140,  vgl.  dazu  ange  wohnt  unter  angewöhnen;  gewohnt
  in  attributiver  Stellung:  die  gewobnte  thütigkeit,
  lebensweisc;  bei  gewohnten  pflianzen  ..  denken
wir  zuletzt  gar  nichts  Goethe  ital.  Reise  I;  auszer
seinem  längst  gewohnten  bette  zu  schlasen  Wanderj.
2,  11;  zwei  kaum  erworbenc.  der  unabhangigkeit  genohnte
  provinzen  Ranke  Päpste  1,  82;  diese  des
uberflusses  gewohnte  stadt  2,  107.  —  gewöhnen,  gegewöhnen

  —  Gewohnheit.

wohnt  machen,  abd.  giwennan,  mhd.  gewenen,  altengl.

pewenian;  Bewirkungswort  zu  dem  Adj.  ahd.  giwon,
in  ursprünglicher  Form  giwan  (vgl.  unter  gewohnen);
die  ältere  uhd.  Form  ist  wie  die  mhd.  gewenen,  gedehnt
gewelnen  geschrieben,  die  Schreibung  gewöhnen  kommt
im  17.  Ih.  in  Hinblick  aus  gewohnen  und  gewöhnlich
empor.  1)  transitives  gewöhnen,  in  alter  Spr.—  heimisch,
traulich  machen:  daz  din  kint  so  lihte  ze  gewenennene
sint  arm.  Heinrich  334;  sonst  in  heutigem  Sinne,  durch
Zucht  und  Anleitung  zu  etwas  bringen,  einen  oder
etwes:  wie  man  einen  knaben  gewehnet,  so  leszt  er
nicht  davon,  wenn  er  alt  wird  Spr.  Sal.  22,  6;  du
hast  sie  so  gewehnet  wider  dich  Jer.  13,  31;  gewehne
deinen  mund  nicht  zum  schweren  Sir.  23,  9;  gewenete
er  ..  seine  leute  auf  der  beiden  sitten  2.  Macc.  4,  10;
Ephraim  ist  ein  kslb.  gewenet  das  es  gern  drischet
Hos.  10,  11;  die  pferde  an  den  wagen,  einen  jungen
menschen  zur  ardeit  gewöhnen  Adelung;  ein  mann
.  .  gewöhnet  seinen  geist  an  grausamkeit  Goethe
Iphig.  2,  1;  eine  Mutter  gewöhnt  ihr  kind,  wenn  es
statt  der  Muttermilch  zu  anderer  Nahrung  übergeht
(dies  auch  entwöhnen,  s.  d.).  2)  reslexives  gewöhnen,  mit
Gen.,  Präpositionen  oder  Adverbien:  so  gewene  dich
nu  der  rede  Luther  Vorr.  zum  Römerbriefe;  gewene
dich  nicht  an  die  lugen  Sir.  7,  14;  gewene  dich  nicht.
zum  schlemmen  Sir.  18,  32;  sich  zur  arbeit  gewenen
Stieler;  sich  an  einen  gewöhnen  Steinbach;  gewöhnen
  Sie  sich  zur  geduld  Schiller  Karl.  4,  22;  Sie
werden  sich  an  manches  noch  gewöhnen  Pice.  3,  3:
es  gewöhnt  sich  nicht  mein  geist  bierher  Goethe
Iphig.  1,  1;  mit  abhäng.  Satze  oder  zu  und  Juf.:  der
gewencte  sich  die  leute  zu  reiszen  und  fressen  Hes.
19,  3;  sol  sich  ein  iglicher  gewenen,  das  er  die  wort
nicht  anders  achte  Luther  über  das  1.  Buch  Mose
1527;  sich  gewöhnen  frub  aufenstehen,  u.  a.  3)  das
Part.  gewöhnt  (auch  im  Wechlel  mit  gewohnt,  s.  dort):
wir  folgen  gern,  wir  sinds  gewöhnt  Goethe  Epim.
Erwachen  4;  du  wirst  sie  bald  gewöhnt  werden  Freytag
  Handschr.  1,  308;  dic  reiche  erbin,  an  ansprüche
gewöhnt  Joum.  3;  attributiv:  ein  gewehnte  zungen
ist  ein  seltzamer  vogel  Henisch:  den  zärtlich  weichgewöhnten
  fusz  Schiller  M.  Sinuart  1,  1.  4)  gewöhnen,

intrans.  für  gewohnen:  dort  lernst  du  gottes  licht  gevöohnen

  (  töncn)  Haller  166;  bis  sie  (die  Meuschheit)
hellern  wabrheitstag  gewöhne  Lesfing  Nath.  1,  1.  —
Gewohnheit,  kl.  das  Gewohntsein,  Gebrauch,  Herkommen,
ahd.  giwonaheit,  mhd.  gewunheit:  consuetnn%  mus,

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usus,  gewonheit,  gewonentheit  Dies.;  häufig  als
Wort  der  Rechtsspr.  Haltaus  716  ff.;  alles  nach
horgebrachten  rechten,  privilegien  und  gewohnheiten
Goethe  Egmont  2;  im  Leben  des  Volkes,  eines
Standes:  nach  gewonheit  des  priesterthums  Lnc.  1,9,
des  festes  2,  12;  ward  eine  gewonheit  in  Isracl  Richt.
11,  39;  machten  eine  gewonheit  draus  2.  Chr.  35,  25;
nach  alter  gewonheit  Luther  von  den  Conciliis  1539;
im  Leben  des  Einzelnen:  etwas  in  gewobnheit  haben.
nach  seiner  gewobuheit  thun;  das  ist  gegen  meine
gewohnheit;  gewohnheit  wird  zur  andern  nalur;  er  hat
die  gewohnbeit  fruh  anfzustehen;  süuszes  leben!  schöne
freundliche  gewohnheit  des  daseins  Goethe  Egmont  5;
ein  zauber  ist,  er  heiszt  gewohnheit  Grillparzer
8,  210;  aus  gemeinem  ist  der  mensch  gemacht,  und
die  gewohnheit  nennt  er  seine  amme  Schiller  Wallenst.
Tod  1,  1;  im  vereinzelnden  Plur.:  uble  gewohnheiten
an  sich  haben;  wir  wollen  ihm  seine  kleinen  gewohnheiten
  nicht  nehmen;  den  empfndungen  und  gewohnheiten
  der  bevölkerung  gewalt  anzutunn  Bismarck
Reden  6,  15.  —  gewöhnlich,  nach  Gewohnheit;  mhd.  gewonclich
  und  auch  schon  gewönlich,  wie  umgekehrt  im
älteren  Nhd.  noch  die  unumgelautete  Form  gewohnlich
haftet:  gewöhnlich,  breuehlich,  concuetus.  Frecuens,
salitus  Henisch;  zur  gewöhnlicher  zeit  3.  Mos.  15,  25;
weder  sabbath  noch  andere  gewönliche  feier  2.  Macc.
(6,  6;  folgen  wir  dem  alten  und  gewonlichem  brauch
Luther  Bulla  1522;  die  gewöhnliche  bedeutung  eines
wortes,  gewöhnliche  verrichtungen,  gewöhnlicher  gottesdienst,
  auf  die  gewöhnliche  weise  Adelung:  dies  ist
unser  gewöhnliches  fruhstuck  Freytag  Joum.  4,2;
das  Neutr.  substantivisch  etwas  gewöhnliches;  gewöhnlich
  sein,  werden:  ulan  sagt,  es  sei  nicht  gewönlich
(gebräuchlich)  Luther  Post.  1528;  die  rede  sol  nu  fast
uns  gewohnlich  sein  Proph.  Sacharja  1528;  doch  sind.
die  miszbeirathen  viel  gewöhnlicher  als  die  heiratben
Goethe  W.  Meister  7,  6;  das  wird  jetzt  ganz  gewöhn--lich;
  als  Adv.:  gewöbnlich  geht  er  hier  vorbei;  gewöhnlich
  glaubt  der  mensch  .  Goethe  Faust  1;  auch
für  gewöhnlich  wird  das  nicht  gethan;  —  mit  dem
Beisinn  des  nicht  Hervorragenden,  bloß  Durchschnittlichen:
  die  jungen  leute  ..  waren  nicht  eigentlich  gemeine,
  aber  doch  gewöhnliche  menschen  Goethe
Du  W.  5;  dasz  ich  gewöhnlicher  mensch  in  der  vollsten
bedentung  des  wortes  bin  Immermann  Münchh.
3,  17;  auch  tadelnd,  verhüllend  für  gemein:  ein  sehr
gewöhnlicher  mensch,  ein  gewöhnliches  mildchen.
Gewölbe,  n.  Wölbung  und  Gewölbtes,  abd.  giweldi,
mhd.  gewelbe;  gewölbte  Decke:  das  die  kirche  und  gewelbe
  beben  Luther  von  d.  Coneiliis  1530;  bis  ans
hohe  gewölb  hinauf  Goethe  Faust  I;  gewölbter  Raum:
warf  jn  (den  Propheten)  ins  gewelbe  Jer.  20,  2;  in  deu
pasteien,  mäuszlöchern,  gewelben  Garg.  103;  so  einer
aus  einem  finstern  gewelb  kumt  Wickram  Golds.  Fe;
archiv-,  kassengewölbe;  früher  hießen  auch  die  Kramladen
  so,  weil  sie  meist  in  gewölbten  Räumen  angelegt
waren:  wullen  gewand  .  in  finstern  gewelben  odder
kreme  feil  zu  haben  Luther  von  Kaufsbandlung  1524;
kräutergewölbe,  Droguenhandlung,  in  manchen  Städten
noch  jetzt;  in  der  Anatomie  gewölbe  des  schudels,  des
birns;  freier:  dort  sollte  sic  (die  Lava)  "ogleich  gexvxulb
  und  dach  uber  sich  her  bilden  Goethe  ital.
„Reise  II;  durch  die  laubgewölbe  Hölty  127:  der  Plur.
im  t7.  und  19.  Sh.  mehrsach  newölber  (Stieler);  alle
gewölber  wimmeln  (von  Menschen)  Schiller  3.288.  —
Gewöll,  n.  Gesamtheit  von  Wolken  oder  zusammenhangende
  Wolken,  mhd.  gewulke:  gewölk,  zubes,  nubikene
  Henisch;  bittet  nu  vom  herrn  spatregen,  so  wird
der  herr  gewolke  (andere  Lesart  gewolken)  machen
Sacharja  10,  1;  gewölr  und  graue  regen  Wieland
Zemin  und  Gulindy  2896;  sprengt  die  wutende  jagd  im
gevolk  Voß  Idyll.  8,  21;  ein  gewölke  regenschwanger

gewöhnlich  —  Gewölk.