Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

   
  

 

 

 

nit
so  —  Krie
*  allein  8  4  beabsichti
tet  in  finangieller  Beziehung,  da  merita  nicht
gemeinsame  Kasse  mit  seinen  Verbündeten  mawilk.

  Man  könnte  sich  auch  nichts  Törichteres
  denken,  als  daß  das  offuie,  merika
nun  einfach  als  neuer  Teilhaber  in  bas  bestehende
  Entente-Schuldverhältnis  von  200  Milliarden
  Mark  eintreten  würde.

—  ——

Bern,  27.  Februar.  Welche  Rechtszustände
in  dem  gegenwärtigen  Fanteeis,  herrschen,  darier
  gibt  uns  der  Prozeß  des  berüchtigten

Bankiers,  Gründers  und  Hochstaplers  Charles
Nohzee  Ausschluß,  der  kürzlich  vor  dem  Militärgericht
  in  Rouen  stattfand.  "M%  man  weiß,
ist  Rochette  wegen  seiner  Schwindeleien,  die
den  französischen  Kapitalisten  mindestens  200
Millionen  kosieten,  schon  vor  dem  Kriege  zu
der  verhältnismäßig  geringen  Gefängnisstrafe
ron  drei  Jahren  verurteilt  worden.  Er  entzog
  sich  der  Strase  durch  die  Flucht.  (Als  der
Krieg  ausbrach,  war  er  in  Meriko  und  wurde
als  Kriegsdeserteur  eingetragen.  Erst  andertlLalb
  Jahre  später  kam  Nochette  auf  Grund
eines  von  Gustav  Herve,  dem  Herausgeber  der

„Victoire“,  gefälschten  Passes  nach  Frankreich
und  nahm  alo  „Zir#lbeamter“  am  Kriege  teil.
Die  Militärbehörde  wallte  diesen  „Kriegsdienst“
des  Deserteurs  nich  gelten  lessen,  ließ  Rocheite
  rerhaften  um  vor  das  Kriegsgericht  in
Rouen  stellen.  Jer  er  andere  Deserteur  wäre
wweifellos  zu  meht;  riger  Zwangsarbeit  verurleilt
  worden.  R  erlte  aber  erfreut  sich  nicht
blosz  der  GCönner  naft  Guslav  Herves,  sondern
auch  der  Cunit  sahlreicher  französischer  Parlamentarier,
  de  an  seinen  Finanzgeschäften  teilnahmen
  und  sich  daran  bereicherten.  Im  Vollbewustsein
  eser  mächtigen  und  einflußreichen
Protektion  nat  Nochette  vor  dem  Rouener
Kriegsger  icht  wie  ein  Angellagter,  sondern
wie  ein  Ant  ager  auf.  Er  behandelte  den  Worsitzenden
  und  das  ganze  Kriegsgericht  mit  sichtlicher
  Uebertegenheit  und  hielt,  statt  vom  Präsidenten
  ausgefragt  zu  werden,  eine  politische
Verteidigungerede.  Schließlich  wurde  Rockette
zwar  der  Form  halber  zu  —  zweia  (Monaten  Gefängnis
  verurteilt,  aber  sofort  in  Freiheit  ge- 



jetzt,  weil  die  Strafe  schon  abgesessen  war.  So

neht  NRochette  als  Sieger  aus  dem  Kampfe  her-"(3

  rich,  1.  Mär#z  Wie  aus  Schweizer  Blätkermeldungen
  ersichtlich  ist.  wurden  im  österr.=ungar.
  Konsulat  in  Zürich  von  unbekannten
Dieben  50  000  Goldkronen  und  außerdem  alle,
in  den  Schränken  des  Konsulates  befindlichen
Papiere  entwendet.  Die  am  Tatort  aufgefundenen
  Sinbrechrrwerkruge  haben  einen  Wert
von  2000  Franken.

Hamsterjagd  auf  Berliner
Bahnhofen.

Berlin,  1.  März.  Um  dem  Schleichhandel
entgegenzutreten.  hat  das  Kriegswucheramt  in
zwei  Kzten  der  letzten  Woche  den  Schlesischen
Bahnhof  und  den  Bahnhof  Aleranderplatz  in
Berlin  überwachen  lassen,  da  auf  diesen  Bahnhöfen
  erfahrungsgemäß  besonders  viel  Personen
  aus  den  östlichen  Provin  n  Deutschlands,
besonders  aus  der  Provinz  Posen,  eintreffen,
die  sich  am  Schleichhandel  beteiligen.  Es  wurden
  etwa  150  Personen  festgestellt,  und  ihr
Gepäck  einer  Untersuchung  unte##gen.  Dabei
wurden  beschlagnahmt  insgesamt  vier  Zentner
  Schinken,  4  Zentner  Wurst.  4  Zentner
Rauchfleisch,  über  20  Zentner  frisches  Fleisch,
gegen  22  Zentner  Geflügel,  1  Zentner  Kaninchen,
  28  Schock  Eier,  über  1  Zeniner  Butter,
etwa  3  Zeniner  Käse,  2  Zentner  Erbsen,  1
Zir.  Graupen,  2  Zentner  Bohnen,  1  WMiertelzeniner
  Zucker.  Einem  Reisenden  wurden  acht
Jentner  Seife  abgenommen,  einem  anderen  über
30  Kilogramm  Gummi.  Die  Lebenemittel,  zu
deren  Fortschaffung  mehrere  Laftautos  nötig
waren,  sind  teils  dem  Magistrate  in  Berlin  zur
Versorgung  der  städtischen  Beröllerung,  teils
der  Lebensmittelabteitung  des  Waffen-  und
Munitionsbeschaffungsamtes  für  Schwerarbeiter
zur  Verfügung  gestellt  worden.  Gegen  die  beteiligten
  Personen  sind  Strafverfahren  eingeleitet,
  soweit  sie  sich  nicht  ihrer  Feststellung
durch  schleunige  Flucht  unter  Zurücklassung  ihrer
  wertvollen  Habe  entzogen  haben.  Einige  Beschuldigte,
  deren  Namen  sich  auf  den  Gepäckstücken
  befanden,  wollten  nicht  die  Besitzer  sein.
So  waren  auch  i  Reisekörbe  mit  einem
Kalb  und  einem  wein,  die  ohne  Zweifel
aus  einer  verbotenen  Schlachtung  stammten,  da
sie  nicht  der  gea  unterzogen  waren,
  an  ein  Berliner  Hotel  gerichtet;
die  Leitung  dit  wilk  gleichwohl  nicht  die  Empfängerin
  sein.

 

t  der
Schlittenbauer  am

Deratag:  Die  Verhälknisse  zwischen  ab
*

In  de
Wn  des  Reiches  gibt  es  keinen
gensch.  Sien  Nord  und  W%  Hier  sind  wir
einig.  Aber  ein  wirtschaftlicher  Gegensatz
zue  vorhanden  und  aus  ganz  natürlicher  Ursache,
  weil  wir  im  Süden  nicht  über  Hie  Rohprodukte
  verfügen  wie  der  Norden.  Während
des  Krieges  ist  dieser  wirtschaftliche  Gegensatz
zwischen  dem  Starken  und  dem  Schwachen  mehr
Ausdruck  gekommen,  weil  die  ganze
Krie  swirtschaftspolitik  im  Norden  lonzentriert
iß  nn  wir  uns  dagegen  wehren,  so  ist  sdas
kein  Gegensa  Preußen,  sondern  es  sind
Mte  wirtschaftlicher  Selbsterhaltung.  Wir  müssen
  hier  ganz  bestimmte  Forderungen  aufstellen.
  Die  erste  geht  dahin,  daß  nicht  mur  keine
neuen  Kriegsgesellschaften  mehr  gebildet  wersondern.
  daß  die  bestehenden  abgebaut
werden;  zueiten  uf#d'’'n  Undetachen
wirtschaftlichen  :  U#t#  iclle  Beucgungsfreiheit
  ##3#.  u.  u.  welben.
Die  Malzschiebereien.
rn  der  Kammer  der  Abgeordneten  wies  am
onnerstag  —  v.  Hallingranh  energisch
  die  Aeußerungen  des  Abg.  Lutz  zurück,  daß
bei  den  Behörden  in  Bezug  auf  die  Worlsichire
bungen  Korruption  eingerissen  sei.  Er
nochmals:  „Das  stellv.  Eennet  íν  Fe
auch  die  Mallrerteilungsstelle  haben  im  besten
  Elaul  en  gehandelt  und  im  besten  Glauben,
wie  ich  hinzufügen  deors,  geirrt.  Ich  verstehe
unter  diesen  Ummänden  nicht,  wie  der  Abg.
Lutz  zu  seinem  scwerwiegenden  Vorwurf  gekommen
  ist.“  Diese  Worte  riefen  den  Abg.  Lutz
nochmals  auf  den  Plan;  er  erklärte:  „Mir  hat
völlig  fermelegen.  von  irgendeinem  Beamten
anzaänehme:.  Las  er  sih  bei  den  Vertuschungen
finanzielie  Vortile  verichasten  wollte.  Aber
wenn  eine  amtiicke  Strlie  von  05  Kroben  Werfehlungen
  gegen  Ret  und  (Peien,  wie  es  die
Malzschiebungen  sind,  Kennu#  erhiilt,  und
diese  Tatsache  nicht  sofort  rem  Tirafrichter
zur  Kenntnis  bringt,  so  bestehl  datin  eine
Rechtsbeugung  und  eine  Verletzung.  ron  Racht
und  Gesen.  Und  das  ist  Korrupt.u  *  V
präsident  Dr.  v.  Kasselmann  erteille  hiefür  dem
Abg.  Lutz  einen  Ordnungoruf.  Weiter  legte  der
Minister  des  Innern  Dr.  von  Brettreich  in
Abwesenheit  ve-  Kriegsministers  entschieden
Verwahrung  ein  gegen  die  Angriffe  des  Abg.

 

Lutz;  er  sagte:  „Unter  Korruption  versteht
man  ganz  etwas  anderes.  Wenn  der  Abg.  Lutz
seine  Vorwürfe  auseerhalb  des  Hauses  macht,
dann  wird  sich  schon  das  Richtige  finden.“

Kiein  Streikrecht  im  Bahnbetrieb.

Der  preuß.  Minister  der  öffentl.  Arbeiten
hob  den  Ministerialerlaß  vom  211.  Oltober  auf,
wodurch  der  Deutsche  Eisenbahnerverband  für
die  standigen  Arbeiler  der  Staatseisendahnver
waltung  verbotlten  worden  war.  Dies  ist  geschehen,
  nachdem  der  Vorstand  dieses  Verbandes
  im  Einvernehmen  mit  der  Generalkommission
  der  Gewerkschaften  Deutschlands  den  Eisenbahnverwaltungen
  nachstehende  Erklärung  abgegeben
  und  „gewährleistet  hat,  daß  diese  Erklärung
  den  Satzungen  des  Verbandes  beigefügt
wird:  Der  Deutsche  Eisenbahnerverband  gehört
nicht  zu  den  Organi  sationen,  die  die  Arbeitseinstellung
  zur  Durchführung  ihrer  Forderungen
in  Anwendung  bringen.  Ehat,  wie  vorstehende
Satzung  ergibt,  keine  Einrichtung,  die  ihm  ermöglichen
  würde,  bei  Lohn=  oder  anderen  Arbeilsstreitigkeiten
  das  Kampfmittel  der  Arbeitseinstellung
  anzuwenden.  Er  kann  zur  Unterstützung
  eines  Streiks  weder  von  anderer  Seite
herangezogen  werden,  noch  seinerseits  Mittel
aufwenden.

die  9  gamtallon  des
vaterlaineischen  ilfsdierstes.

Am  2.  Dezember  1916  hatte  der  Reichstag
das  Hilfsdienstgeseg  angenommen.  Das  Ziek
war:  die  starken,  noch  schlummernden  Kräste  in
unserem  Volke  zu  heben,  sie  in  organisierter
Arbeit  für  den  uns  aufgezwungenen  Riesenkampf
  nutzbar  zu  machen.  Zetzt,  nach  drei
naten,  sind  sämtliche  Ausschüsse,  vor  aklem  die
Festtiegungs  Scllichtungs  und  Einberufungs.
ausschüsse  in  Tätigkeit.  Die  seinerzeit  erfolgten
  Aufrufe  habe  eine  durchaus  erfreuli
Wirkung  gehabt,  sie  haben  aber  bei  dem  riesigen
  Bedarf  noch  nicht  einc  genügende  Zahl  freiwilliger
  Hilfsdienstpflichtiger  ausgebracht  zur
Ablösung  von  Militärpersonen,  zur  Freimachung
  für  die  Front  oder  als  Facharbeiter  für
die  Kriegsindustrie.  Eine  sehr  ernste  Aufgabe
ist  auch  die  Deckung  des  Arbeiterbedarfs  in  der
Landwirtschaft.  Die  Frühjahrsbestellung  steht
beoor.  Die  Arbeitskräfte  reichen  natüriich  nicht
aus;  mehr  Gefangene  können  der  Landwirtschaft
nicht  zur  Verfügung  gestellt  werden;  künstlicher
Dünger  ist  nicht  in  —  Menge  vorhanden.
  Auf  der  an  Seite  harren  die  Fabriken,
  die  das  Hind-nburg-Progranm  durchführen
  lollen  4  Vollendung.  Auch  dort
aber  W##  fza  Bedarf  an  Arbeitern.

 

 

mungen

eet  —  gonre  ieen
L#  ah  si

zt  bald  zu  dem  San  genötigt,  auf

 

SOrze- 



Grund  von  Einbernsungen  die  nötigen  Aebeitschaffen.


lra-  herbeizus-Nach

  einer  neuen  BundSuateurreonde  sollen
  die  Ei  knbernsungeue  sse  nach  folgenden
Grundlagen  verfahren:  Die  0ssl  “½
en  von  48  —60  Jahren  sind  durch  ein  Kartothek-System
  erfaßt  worden  und  sind  nummehr
verpflichtet,  sich  zu  mesden.  Ausgenommen  bleiben
  die  auf  Grund  des  §  2  des  Gesetzes  bereits
tätigen  Leute,  d.  h.  die  im  Reichs.,  Staats,  Gemeinre-
  und  Krchendienst  Beschäftigten,  Aerite,
Tierärzse,  sowie  die  in  der  Land-  und  Forstwirtschaft.
  in  der  See  und  Binmenschiffahrt,  bei
den  Straßenbahnen,  auf  den  Werften,  in  den
Berg=  und  Hüttenbetrieben,  in  den  Pulver=  u
Munitionsfabriken  Beschäftigten;  auherdem  sind
die  Kriegsamtstellen  ermächtigt,  zu  entscheiden,
welche  Betriebe  außerdem  noch  ausgenommen
bleiben  sollen.  Alle  übrigen  nicht  mehr  im
wehry#flichtigen  Altler  stehenden  Leute  müssen  sich
also  bie  zun  1.  April  bei  den  Ortsbehörden  anmelden.
  Am.  erdem  gibt  es  noch  Wehrpflchtige
im  Aller  von  17  48  Jahren,  die  vom  Heeresdienst
  auggeschlossen  oder  zeitweilig  zurückgesiellt
  oder  dienstuntauglich  sind;  diese  Leute
merden  von  den  Ersatzkommissionen  erfaßt.

Das  sind  die  Grundlagen,  die  den  Einbernsungsaueschüssen
  am  1.  April  zur  Becfunuung
sleben  werden.  Die  Kriegoamtsielle  ubersieht
mit  Hilse  der  Arbeitsnachweise,  ———
beitskräften  fehlt  und  enischeidet,  woher  sie
beranzuholen  lind.  Das  Cesetz  schreibt  vor,  daß
Famillenr  #rhällmisse.  Wohnort,  Gesundheit  und
Eisheriee  I  igleit  der  Hilsodienstpflichtigen  gepruft
  werteun  sollen.  Indes  werden  unvermeidbare
  Härten  nicht  za-  umgehen  sein.  Denn  endgültig
  entscheidend  ist  natürlich  die  Frage:
Wo  nützt  der  Mann  dem  Vaterlande  am  meisten?
  und  nicht:  Wo  ist  es  für  ihn  am  bequemiten?
  Bei  gleichen  Verhältnissen  gehen

Jüngere  ror  Aeltere,  Unverheiratete  vor  Verbeirateten.
  Die  Reihenfolge  der  Einberufungen
ist  wie  solgt  festgesetzt:  Zuerst  kommen  die  sich
sfreiwillig  Meldenden,  dann  die  zurzeit  gar  nicht

Wder  nur  teilweise  Beschäftigten,  endlich  die
lübesck.äftigten,  die  in  ihrer  jetzigen  Tötigleim
  duc  weibliche,  jugendliche  und  ältere
Krüfte  c#r  werden  fönnen.  Solange  als
mögles  w.#„  d  von  der  Einderufung  derjenigen
abgesehen  werden,  de’ren  Heranziehung  eine
schwere  volkemertschafniche  Schädigung  bedeuten
  würde,  some  derjenigen,  die  durch  langjährige
  Vertrage  gebunden  sind,  u.  der  Dienit—
tauglichen.  sofern  sie  eine  Täligleit  ausüben;
auch  wenn  diese  außerhalb  des  erwähmten  §.  2
des  (Fesehh#s  liegt.  Die  Einberufungsausschüsse
müssen  sich  an  die  Staats-  und  Gemeindebehörden,
  Berufsvertretungen  usw.  wenden  und  de.
fren  Auskunfste  erbitten.  So  hofft  man,  unwermeidbare
  Harten  nach  Möglichkeit  zu  verhin
dern.

Unter  allen  Umstanden  aber  mufs  dus  Ziel
aufrecht  erhalten  bleiben:  Die  notwendigen  Arbeitekräfte
  müssen  beschafft  werden.  Es  bedars
sicher  nur  dieser  erneuten  Anregung  zur  Erfullung
  der  höchsten  vaterländischen  Pflicht  an  das
Heer  der  Heimat,  um  die  Lücken  zu  züllen,  die  tm
Laufe  des  Ausbaus  der  Organisation  des  Hilfdienstes
  sich  herausgestellt  haben.  Jeder,  der
noch  nicht  oder  nicht  genügend  für  vaterländische
  Zwecke  beschäftigt  ist,  handelt  zugleich  auch
in  seinem  eigenen  Interesee,  wenm  er  nicht  die
Einziehung  am  1.  April  abwartet,  sondern  sich
unverzüglich  für  den  Posten  meldet,  auf  dem  er
dem  Vaterlande  am  meisten  glaubt,  nützen  zu
können.  Ausdrücklich  sei  nochmals  betont,  daß
landwirtschaftliche  Arbeiten  allen  anderen  vorangehen.
  Denn  wann  der  Frieden  auch  kommen
und  wie  günitig  er  auch  ausfallen  mag  #in  dem
Wirtschaftsjahr  1917/18  sind  wir  in  jedem
Falle  auf  die  Erzeugnisse  der  heimischen  Scholle
a  ngewiesen.  Dann  kommt  der  Ersatz  zur  Freimachung
  von  Militärpersonen  für  die  Front
und  zur  Verwendung  als  Facharbeiter.  In
dritter  Linic  kommen  die  Bedürfnisse  der  Verkehrsanstarlen,
  der  Gemeindebehörden  usw.  in
Betracht.

 

Münc#en  Neulotele.

München.  1.  Marz.  Weitern  in  uber  Negens-Samstag,

  3.  März  1912

schwarzmeißrote  Bind  mit  dem  schwarzen  Audruck:
  „  andn-  or  Kre.  sdins  1

Stimmung  bei  der  Abs  gehoben  un:
sreudig.

münchen.  27.  Februar.  Der  Landerverband
der  bayerischen  Presse,  der  dem  Reichsverbande
der  deutschen  Presse  angegliedert  ist,  hat  im
Jarnar  in  Berlin  über  seine  ferein  Ein
ric  tungen  beraten.  die  nun  möglichst  bald,  je
densalls  noch  im  Herbst  os  es  unter
Dach  und  Fach  gebrach:  werden  soli.  In  tiner
Mitglieder  -Versammilang,  die  im  Münchener
Presseheim  stattfand.  berichteien  die  Schriff
leiter  C.  Freund  und  M  Kraatzsch  über  den
Stand  der  Angelegenheit.  Es  ist  in  Auosich!
genommen,  eine  Stellen=  und  Erwerbsermit:
lung,  eine  Rechtsschutzstelle  und  eine  Unterstüt
zungskasse  schaffen.  Ebenso  soll  die  Frage
einer  Arebenorcich  erung  erwogen  werden.  Um
diese  wichtigen  Einrichtungen  zu  fördern,  sol!
die  soziale  Kommission  des  Reichsverdandes
zu  einer  ständigen  Einrichtung  ausgebaut  wer
den.  Zur  (Cewinnung  von  Mestieln  ist  die  Veran
stallung  einer  uber  das  ganze  Reichsgebiet  sich

 

eilteleden  Lotterie  in  Aussicht  genommen.
emmackhst  veranstaltet  der  Reichsverband  ein-Umfrage
  bezuglich  der  Sonntagsarbeit  im  zei
tungsbetrieb.  Durch  eine  Werbeschrift  soll  er
auf  seine  Tätigkeit  aufmerksam  machen  und
noch  weitere  Mitglieder  gewinnen.  Bei  der  an
die  Mattteilungen  sic  anichlies#enden  lebhaften
Erorterung  wurde  die  Forderung  der  sozialen
Fursorge  lethaf#  begrüft.  Es  kamen  Amegun
aen,  auck  de  linfallversicherung  und  die  Kin

„  derver  sicerung  in  den  Wirkungskreis  einzubezir
hen;  weiter  wurde  die  -  ausgesprochen.
daß  die  Rechtsschutzitelle  zu  einer  etwas  schär

feren  Handhabung  des  Presserechtes  und  die
Arbeiten  vielleicht  auch  zu  dem  bisher  noch  wer
mißten  Handbuck  der  deutschen  Presse  führe-Uerden.
  Vleick  eitig  wurde  beschlossen,  daß  der
Bayerische  Landesverband  zmanglose  Mitteilun
gen  herausgibt.  in  deren  erster  Nummer  über
die  geplanten  Mag#nahmen  eingehend  berichter
werden  wird.

münchen.  1.  März.  Im  Gemei  indekollegium
murde  der  Dringlichleitsantrag  genellt,  der  Magistrat
  möge  beim  i#ellv.  Generalkommand?  da
bin  vorstellig  werden.  daß  die  Volksschulen
nicht  erst  am  12.,  sondern  schon  am  5.  März
wieder  eröffnet  und  daß  vom  gleichen  Tage
an  sämttiche  Gaststätten  und  Versammlungslokale
  wieder  bis  111.  Uhr  in  Jenrdcad  gehalten
werden  durfen.  Nach  er  ingehender  Begründung
murde  der  Antrag  eins#immig  angenommen.

4%  v’  M  NSSe

Deggendori.  1.  Manz  Um  die  Auflas'ung
des  K.  Landgerick?  Lcagendorf  bintanzuhal
ten,  beschloß  der  Magistrat  in  seiner  letzten  Sit
zung,  beim  Justizministerium  und  der  Abge
ordnetenkammer  Schritie  zu  unternehmen.
Da  das  Kriegeministerium  eine  Verlegung
einer  Pionier-Formation  von  Ingolstadt  nach
Deggendorf  nicht  beabsichtigt,  wurde  beschlos
sen,  beim  Generalkommando  des  2.  ee
lorps  um  Verlegung  einer  Ersatzabteilung  nach
Deggendorf  voritellig  da  worden.

Sulzbürg  (Obvf.),  1.  März.  Ein  heirere
Geschichichen,  aber  mit  uinns  traurigem  Ausgang,
  trug  sich  kärz-  ich  unweit  hier  zu.  Einei:
Bauern  wurde  eine  Hausschlachtung  genehmig.
Der  denkt  sich,  was  braucht  es  da  lange  C##
schicten.  das  Bezirksamt  imt  weit,  ich  siech
gH  wei  Stück.  Die  Borstentiere  waren  ebekunttgerecht
  in  zwei  Teile  zerlegt,  da  schreit
einer  in  die  Stube:  „Der  Gendarm  kommt!“
Schnell  wird  zugegriffen  und  zoci  Schweine
hälften  rerschumden.  bis  die  hohe  Obrigkeit  her,
einkommt.  Sie  sieht  das  Schwein  hangen.
Plölich  fragt  der  Hüter  des  Geseyzes:  „Ja.
hat  denn  die  San  zwei  Schwänz  q'habt?“
Der  Bauer  traut  seinen  Augen  nicht.  Aber  es
ist  nichts  mehr  zu  machen,  im  Eiferlund  in  der
Schnelligkeit  haben  sic  von  jedem  Schwein  ge
kade  die  Hälfte  mit  dem  Schwänzlein  hünge
lassen.  Das  Ende  ist  schnell  erzihlt:  Die  zwei
lonsiezierten  Schweine  haben  andere  gegessen
und  für  den  Leidtragenden  lommt  das  dicke
Ende  mit  dem  Eins#en  noch  nach.

X

 

 

 

burg  der  ersie  Transport  won  K—
dienstpflichtigen  aus  dem  Bereiche  des  1.  Armeekorps
  nach  Galiz'en  abgegangen,  um  bei  den
Etappeninspelt  vnen  der  Südarmee  Verwendung
zu  finden.  Die  Leute  wurden  bereits  vor  öi
Tagen  aus  dem  gesamten  Kerpsbezeirk  in  Mu
chen  gesammelt  und  über  die  Aufgaben  zund
Verhältnisse  in  ihrem  neuen  Wirkungskreis  unterrictet
  Die  Zahl  der  Anmeldungen  war  gröher
  als  der  Znächst  angerorderte  Bedarf.  Mit
dem  ersten  ransport  können  an  250  Hilfsdienstpflichtige
  dem  Dienst  bei  den  Etappeninspeltionen
  der  Südarmee  zugeführt  werden.
E  befinden  sich  darunter  Arbeitskräfte  für  den
Dienst  in  den  Kanzleien,  ersahrene  Kaufleute,
erprobte  Handwerker  rerschiedener  Köche,
  dann  Leute  für  den  Burschen-  und  Ordon.
nanzdienst,  Taglöhner,  son  Verkäufer  für
Ma  bi  usw.  *  ute  baben  Jheit
das  wehrdien  lichtige-  “*  von

überscheiuen  "  Juch  60  Jahre  alte  Leute
sind  —““  tuugen
sämtliche  on  o  und  am  linken  Arme  eine

#  .  iarsmcmcmrc
an  der  rsalzisch-  elsaffischen  Grenze  war  ein
Mädchen  vom  Lande  als  Dienumagd  in  Siel
lung,  das  eines  Tages  um  einen  zweilägigen
Urlaub  nach  Hause  bat.  da  ihre  Ellern  schlach
len  wollten.  In  der  Hoffnung,  daß  von  dem
Schlachtsest  an  ich  eiwas  fur  de  Dienstherrschaf.
abfalle,  wurde  cer  Urlaub  sofort  bewilligt  u.  die
Enädige  gad  dem  Madchen  einen  Hundertmarlschein
  zum  Einkausen  mit.  Als  die  Schwester  der
Dienstherrin  ron  der  Reile  in  das  „gesegnete
Land“  erfulr,  stecle  sie  der  Magd  50  Mark  zum
Einkaufen  zu  und  eine  Freundin,  der  man  das
Geheimnis  anrertraut  hatte,  gab  30  Mark
zum  Hamstern.  Als  der  Urlaub  abgelaufen  war

und  das  Mädchen  mit  den  ersehnten  Vorräten
uah-  zuruckkehrte,  entschloß  sich  die  Gnädige
selbst  auf  das  Land  #u  der.  Bei  den  Eltern
des  Madchen  erfuhr  die  zu  ihrem  Schrel
len,  daß  die  Eltern  gar  mact  bhescha¼hn  hãi
ten,  ja  nicht  einmal  im  Besthh  eines  Schweines
waren,  sendern  nur  eine  ihr  eigen  nannten.
  Die  Dame  hatte  sich  von  ihrem  Erstaunen