Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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Inhalt  desselben  gemäß  erhält  der  König  „durch  einen  vor  Ablauf  des  Jahres
zu  schließenden  Vertrag  Niederschlesien  bis  an  die  Neisse  mit  voller  Souveränetät,
einschließlich  der  Festung  Neisse,  welche  der  Kommandant  nach  vierzehntägiger
Scheinbelagerung  äbergiebt.  Von  da  an  verfährt  der  König  nicht  mehr  angriffsweise
  gegen  die  ößtreichischen  Truppen;  die  preußischen  nehmen  ihre  Winter-Quartiere
  in  Oberschlefien.  Unerläßliche  Bedingung  ist  vollkommenes  Geheimhalten
  der  Verabredung  von  beiden  Seiten".  Neisse  wurde  wirklich  geräumt
(den  25.  Oktober),  und  den  preußischen  Truppen  Winterquartiere  in  Oberschlesien
eingeräumt;  nichtsdestoweniger  war  es  wohl  Maria  Therefia  nur  darum  zu  thun,
die  nöthige  Zeit  für  kräftigere  Kriegsmaßregeln  zu  gewinnen.

Wie  auch  immer  Friedrich  II.  von  der  Verbindlichkeit  dieser  Uebereinkunft
gedacht  hat,  gewiß  ist  es,  daß  er  die  ihm  gebotene  Muße  nur  zu  seinem  Vortheil
  mit  Geschick  und  Schnellkraft  benutzte.  Die  Stände  wurden  entboten,  um
ihm  den  Eid  der  Treue  als  Herzog  von  Niederschlesien  zu  leisten.  Der  König,
es  war  am  7.  November,  saß  im  Fürstensaale  des  Rathhauses,  von  seiner  Generalität
  umgeben,  auf  dem  noch  aus  den  Zeiten  des  Kaisers  Mathias  vorhandenen
  Thron;  der  Minister  Podewils  eröffnete  in  seinem  Namen  den  Ständen,
wie  die  rechtsbegründeten  Ansprüche  seines  Hauses  unter  göttlicher  Gnade  durch
seine  fiegreichen  Waffen  befestigt  wären,  und  versprach  eine  milde,  landesväterliche
  Regierung.  Um  einen  Beweis  davon  zu  geben,  wies  Friedrich  II.  das
übliche  Geschenk  von  100,000  Thalern  zurück,  und  spendete  ohne  Unterschied
der  Religion  reichliche  Gnadenbezeugungen.  Es  konnte  nicht  ohne  Eindruck  im
Lande,  ja  in  der  ganzen  politischen  Welt  bleiben,  daß  der  siegreiche  Herrscher
bei  dieser  Gelegenheit  an  zwei  schlesische  Standesherren,  die  Grafen  von  Hatzfeld
  und  Schönaich,  die  preußische  Fürstenwürde  verlieh.  Wie  der  große  Kurfürst
  zum  ersten  Male  auf  dem  Schlachtfelde  von  Fehrbellin  das  Vorrecht  der
Adelsertheilung  übte,  so  hier  der  Eroberer  von  Schlesien  in  Bezug  auf  den
Fürstenstand;  ein  Zeugniß  seiner  ebenbürtigen  Stellung  zu  den  übrigen  Königen
  Europa's.

Wenn  Friedrich  II.  durch  seine  rasche  Entschlossenheit  sich  als  ein  fähiger
Kriegsherr  und  Eroberer  gezeigt  hatte,  so  bewies  er  in  den  neuerworbenen  Ländern
  nicht  weniger  Scharfblick  und  richtigen  Takt  in  den  Verwaltungsangelegenheiten.
  Am  Tage  nach  der  Huldigung  versammelte  er  um  sich  die  angesehensten
Männer  der  Provinz,  um  ihnen  seine  Gedanken  über  die  zukünftige  Landeseinrichtung
  mündlich  mitzutheilen.  Zuvörderst  sprach  er  seinen  ernsten  Willen
aus,  daß  „in  Zukunft  die  verschiedenen  Religionen  friedlich  bei  einander  bestehen
sollten,  denn  er  sei  ein  Freund  der  Toleranz,  deshalb  müsse  vor  Allem  bei  der
Justiz  die  Gerechtigkeit  der  Sache  ins  Auge  gefaßt  werden.  Für  Breslau  und
Glogau  wollte  er  zwei  Hauptzustizcollegia,  und  zwar  aus  Schlefiern  besetzt,  weil
sie  mit  den  Statuten  der  Provinz  bekannt  wären;  nur  ein  Brandenburger  solle
bei  jedem  derselben  sein;  dagegen  könne  er  fuͤr's  Erste  bei  dem  Finanzwesen
keine  Schlefier  anstellen,  doch  ins  Künftige,  wenn  sie  sich  mit  den  in  seinen