Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

 

 

Nummer  75

Samstag,  8  7.  Müärz  1912

 

selretär  Dr.  Helfferich,  daß  der  U-Bootlrieg  die
Wewähr  gebe,  daß  auch  die  wirtschaftlichen  Erwartungen
  erfüllt  würden.  "„
Am  29.  Märzl!  s

Dos  ist  ein  gam  besonderer  Tag,  den  wir  uns,
und  wahrscheinkich  nicht  wir  allein,  sorgsam  ein-**r

  „:

geprägt  haben.  Der  Todestag  des  U.  Bootkrieges!
  Vorausgesagt  von  Lord  Lytcons  im

englischen  Oberhause!  Und  zwar  geschah  dies  mit
solcher  Besiimmtheil,  daß,  wolite  man  nicht  an
eine  Flunkerei  denken,  die  doch  niemand  einem
Engländer  im  Kriege  zutrauen  wird,  man  an.
nehmen  munte,  der  Lord  hätte  schon  seine  Grün.
de  dafür.  Er  sagte  das  nicht  nur  so  leichthin,
sondern  er  gab  es  war  in  der  eriten  Fe
druarhälfte  ·  die  bestimmte  Erliãrung  ab,  daß
England  in  secks  Wochen,  also  genau  am  29.
Mätz,  des  deutschen  U-Bootlrieges  vollsiändig
Herr  sein  werde.  Wir  mollten  nicht  die  Unhöflichkeit

  begehen,  anzu  weiseln,  was  ein  Engländer.

in  dem  Parlament  sagte,  wo  ja  auch,  neben  aus.
gesuckten  Freundlichkeiten  gegen  die  Feinde,  die
Minister  nur  zu  lriftallenen  Wabrheiten  die
Lippen  öffnuen,  und  haben  unterdrücht,  was  da.
mals  gleich  das  Kopenhagener  „Ertrabladet“
schrieb:  „Ein  Ungluck  isl  nur.  daß  seit  der  Ertlärung
  Churchiklls  vor  zwei  Jahren,  die  Englän.
der  würden  die  deutscke  Flo2te  aus  dem  Nieler
Hafen  treiben,  wie  man  eine  Ratte  aus  dem
Loche  treibt,  von  englischer  und  französischer  Seite
  so  viele  Verspreckungen  und  Voraussagungen
abgegeben  wurden,  die  niemais  eingelrofsen
sind,  daß  man  allmählich  eiwas  sieptisch  gewor,
den  itt.“  Wir  merkten  und  nur  den  29.  März
an,  um  Lord  Lutcon  zu  fragen,  wenn  der  Tag
da  sein  würde.  Und  da  er  nun  da  itt,  so  sind
meir  so  frei.  Ist  England  des  dentschen  Bo#i-#rieges
  Herr  geworden?  Der  Lord  wird  begrei-4#en,
  daß  hiermlande  Imeresse  für  Frage  und
Antwort  besteht.  (M.,  A.  A.).  -

Ein  englischer  Jerstörer  gesunken.
Berlin,  29.  März.  Eines  umierer  lürslich
zurückgrkehrten  U  Breoie  sand  vor  einigen  Wochen
  wesilich  Joner  Gabbard  Wrackteile,  die
von  einem  lurz  vorher  gefsuntenen  Schiffe
stammten.  Eine  Voje  trug  den  Namen  „Man-I0“.
  Mank  ist  ein  englischer,  1014  vom  Sta.
pel  gelassener  Jeriörer  von  10  0)  Toannen.

Algemeines  vom  Keieg.

FFrinz  Friedrich  Karl  von  Preußen.

Basel,  29.  Marz.  Die  „Basker  Nachrichten“
  verössentlichen  eine  Harvasmeldung  aus
London  nad  der  Prinz  Friedricn  Karl  von
Preußen  seinen  Verletzungen  erlegen  sein  joll.

Der  Prinz  war,  mie  der  amtliche  Tageobericht
vom  22.  März  meldete,  von  cinem  Fluge  über
die  feindlichen  Linien  zwischen  Arras  und  Peronne
  nicht  zrückgelehrt;  nach  späteren  Meldun.
nen  war  er  schu#r  verwundet  in  englische  Gesan
nensckaft  geräten.

 

Eine  französische  Fälschung.

Berlin,  29.  März.  Der  „Vorwärts“
schreibrt:  Aus  einem  Parkamentobericht  des
„Vorwärto“  wollen  sran  ösiscke  Blätter,  wie
5.  B.  „Croi"“  vom  20.,  „Matin“  vom  19.  Mär;
solgern,  daß  Deutschland  einen  Gesamtverlust
von  6  Miliionen  Mann  an  Toten,  Verwundeten
  und  Vermißien  im  Welil#rieg  zu  verzeichnen
habe.  „Lnon  Republicain“  vom  20.  März  stei.
gert  die  Zahl  sogar  auf  20  Millionen.  Es  han.
delt  sich  um  die  Rede  Adolf  Hoffmanu=  vom
15.  März  im  Preubischen  Akgeordnetenhaus,
worin  dieser  von  den  „6  Millionen  Opsern  des
Weltkrieges“  redet,  die  in  Massengrüften  mo,
dern.  Der  Zusammenhang  ergibt  Har,  daß  Hoff  ·
mann  nicht  von  den  deutschen  Verlusten,  sondern

Die  zweite  Fran.
Roman  von  Anna  Seyffert-Klinger.

6  (Nachdruck  verdoten.)

„Dunderttaufeno,“  wiederholte  ole  junge
Frau,  und  ihre  schönen  Augen  funkelten  begehrlich,
  „das  Geld  gehört  Lord  Moory,  deinem
zukünftigen  Schwiegersohn,  nicht  wahr?

old  nickte  und  ließ  sich  vor  seinem
Schreibtisch  nleder.  „Der  Lord  bewirbt  sich
angelegentlich  um  Irmgards  Gunst.“

„Dann  ist  es  doch  aber  ausgeschlossen,  daß
er  sein  Depot  zurückverlangt  —  gib  mir  doch
ein  paar  Tauscde  von  dem  Gelde,  du  kannst
die  Summe  ja  in  den  nächsten  Tagen  ergänzen!“

„Unmöglich,  Julie,  es  wäre  Diebstahl,  denn
weder  heut  noch  morgen  könnte  ich  den  fehlenden
  Betrag  ersetzen.“  Er  öffnete  ein  Fa
selnes  Schreibtisches,  entnahm  demselben  mit
zitternder  Hand  ein  Päckchen  Banknoten  und
reichte  sie  seiner  Frau.

Hier  hast  du  vorläufig  tausend  Mark,
Julie.  Richte  dich  domit  ein,  so  bald  wie  möglich
  erhältst  du  mehr.“

Freilich,  die  schmale,  weiße  Hand,  die  nichts
anderes  verstand,  als  Geld  auszugeben,  grilf
gierig  nach  den  Scheinen,  aber  ein  hohnvolles
Lachen  begleitete  die  Bewegung.  „Unm  mich
mit  Almosen  abfinden  zu  lassen,  gab  ich  meinen
adligen  Namen,  meine  Freibeit  dahln,  o,  es  ist
emporend!  Aber  die  Welt  soll  erfahren,  welch
ein  scheinbeiliger  kulckeriger  Mensch  du  bisft,
und  die  Welt  wird  mich  aus  den  lästigen

von  den  Toten  aller  kriegführenden  Länder
sprach.  .  -
Notseisenscgncmxj

KIln,29.Mätz.Dic»«5köln.Ztg.«-meld·å
aussah-visi-EinaugdckcnglifchenGefangenschaft
  entflohener  Bulgare  erzählte  nach  der
„Camkana“,  daß  die  Wierverbandsarmer  jetzt
auf  den  Tag  und  Kopf  1000  Gramm  Zwieback
und  jeden  dritten  Tag  ein  Viertel  Brot  erhält,
Fleisch  sei  eine  große  Seltenheit.  Bestenfalls
belomme  man  Knochensuppe  und  einmal  wöchentdrei

  Oliven.  Ein  in  der  Dobrudscha  gefangener
und  entflohener  Bulgare  erzählt,  daß  dort  Hunger
  und  Unzufriedenheit  unter  den  Russen  herrsch#,
  nicht  besser  sei  es  in  Bessarabien.  Die  Sol
daten  dächten  nur  noch  an  einen  baldigen  Frie
Jen.

"“['  “9  4  „  *  —  —
VBelagerungszustand  in  Spanien.
Madrid,  29.  März.  Amtlich  wird  gemes.
det:  Eine  Verordnung  helt  die  verfassungsmäßi.
ge,  Verte  in  allen  Provinzen  des  Königreichs
  auf.  !sI

–4-—  –  12.  ·r%  ".  m  4  Au#  1.
lallen

Straßenkundgebungen  in  »
Mailand.

Rotterdam,  29.  Män.  Aus  Lugano  wird
berichtet,  daß  die  Strastenkundgebungen  in  Mai.
land  gegen  den  Krieg  noch  immer  fortdauern.

Besonders  zahlreich  waren  sie  am  24.  und  25.

März.  An  diesem  Tage  mußten  die  Militärlehörden
  zahlreiche  Verhaftungen  vornehmen.

Die  rassische  Nevolnslon.

Spaltung  im  russischen
Arbeiterausschuß.
Stockholm,  29.  März.  Nachdem  ein  Teil
des  Petersburger  Arbeiterausschusses  sich  für
die  Fortsetzung  des  Krieges  ausgesprochen  hatte,
trat  eine  Spaltung  der  Versammlung  ein.  Die
Arkeiterschkaft  wählte  einen  neuen  Ausschuß,  das
„SVentrallomitee  der  Arbeiterschaft“  heißt  und
das  sich  jetzt  als  den  eigentlichen  Vertreter  der
Arbeiteischaft  ertlärte.  Es  war  sofort  Herr  der
Lage.  hm  schlossen  sich  die  Telegraphen.,  Eisenladn
  und  Postbeamten  an.  Ebenso  sämtliche  in
Petersburg  stehenden  Regimenter.  Die  radikale
Arbeiterpartei  übernahm  das  neue  Sozialistenklatt
  „Pramda“,  in  dem  an  leitender  Stelle
solgende  Entschließung  ver  neuen  Partei  veröfsentlicht
  ist:  „Es  wurde  beschkossen,  sofort  in
Verbindung  mit  dem  Proletariat  der  Revolnlionsfreunde
  aller  kriegführenden  Länder  zu
treten  und  den  unmittelbaren  Schluß  des  verbreckerischen
  Krieges  herbeizuführen,  der  den
Völlern  aufgenwungen  uird.  Wir  fordern  die
souemarische  Verbrüderung  der  Soldaten  der
kriegfüßrenden  Völker  in  den  Schützengräben.“
Gegen  die  neuc  russische  Reglerung.

Stockholm,  29.  März  Einen  bedeurenden
Machtzumachs  geunnn  der  Petersburger  Arbeilerrat
  neuerdings  infolge  des  Anschlusses
sämtlicher  Eisenbahn.,  Post  und  Telegraphenbeamten,
  welche  der  jetzigen  proofsorischen  Negierung
  den  OCehorfam  verweigern.

Der  Aufruhr  in  Archangelsk.

Stoaholm,  29.  Mäzz.  Der  Kriegeminister
Gutschkow  erhielt  Telegramme  aus  Wladiwostiok
  und  Archangelsk,  w##rin  mitgeteilt  wird,
daß  die  dorligen  Kriegshäfen  mit  ihren  Garnisonen,
  die  Flotte  und  die  Eismeer-Flottille  sich
der  jetzigen  Regierung  angescklossen  hätten.  In
beiden  Hafenstädten  sind  diesem  Anschluß  schwere
Kämofe  der  Truppen  mit  der  Bevölkerung  und
der  Truppen  untereinander  vorangegangen.
auf  den  Lirxpen.  „Tu'  es  nicht,  meiner  Tochter
lwegen  schweige,  bringe  mich  nicht  un  den
Pranger  der  öffentlichen  Meinung,“  wollte  er
sagen,  aber  er  wußte  sa,  daß  solche  Worte  nur
Zulies  Widerspruchsgeist  wecken  würden.  Er
hatte  oft  genug  Proben  ihrer  Bosbeit  und
Schadenfreude  erhallen;  die  Gewißheit,  daß
er  das  Ceschwätz  böser  Zungen  fürchte,  würde
ausschlaggebend  für  Julie  gewesen  sein,  sie
hät:e  die  Geschichte  dieser  heimlichen  Ehe
phierend  der  Welt  verkündet.

Er  war  klug  genug,  zu  schweigen,  während
er  den  schweren  Sammet  um  die  üppigen
Schultern  der  grollenden  Schönen  legte.

ne  ihn  noch  eines  Blickes  zu  würdigen,
rauschte  sie  hinaus,  erbittert  und  rachsüchtig
wie  nie  zuvor.

Wann  auch  ließe  es  sich  eine  gefallfüchligc,
verwöhnte  und  bestrickend  schöne  Frau  unge-Ktraft
  gefallen,  wenn  jemand  es  wagt,  ihr  ein
Spiegelbild  ihres  Charakters  vorzuhalten!

Und  Peßold  mit  seinem  schlichten  Sinn
konnte  nicht  ahnen,  welch  ein  Abgrund  sich  im
Innern  seiner  zweiten  Frau  barg,  trotzdem  er
hie  fürchtete  und  verachlete.

3.  Kapitek.

Wleder  begaonn  der  Bankiter  seine  ruhelose
Wanderung  über  den  welchen,  aren  Teppich,
der  deas  Geräusch  seiner  Schritte  se  vollkommen

ömpste.

as  nun?  In  dlesem  einen  Gedanken
felten  alle  anderen;  was  sollte  er  1  um
emgard  vor  dem  Unhell  zu  schützen,  das  sich
über  ihrem  a#nungslosen  jangen  Haupte  zusammenzog?

Lange  sann  und  grübellte  er  vergeblich,  aber

-

 

trium·

 

Fesseln,  die  mich  an  dich  ketten,  befreien.“
*  Schon  schwebte  dem  Bankier  eine  Bltte

L##em  schien  löm  doch  ein  rektender  Gedanke

lict.  Fleischlonseroen.  Als  Frühstück  dienten

  

Die  nede  den  Reichskanzlem.
Berlin,  29.  Marz

Innere  umd  außere  Politik  beherrschten  am
Donmerslag  den  Reichstag.  Die  Linke  verkangte
eine  beschleunigte  Durchführung  der  Neuerten.
tierung  in  der  imeren  Politik  im  Reühe  und  in
Preuben.  Der  Reichskanzler  blieb  aber  dabei,
daß  Resormen  wohl  kommen  werden,  aber  nicht
jebt,  sondern  erit  nach  dem  Krieg.  Er  konmte  sich
für  diese  Stellungnahme  darauf  berusen,  daß
die  literalen  Parteien,  die  jetzt  eine  Beschleunigung
  der  Reformen  verlangen,  bis  vor  kur-##mit
  ihm  auf  dem  gleichen  Standpunkt  der
Vertagung  bis  nach  Friedensschluß  standen.  In.
sofern  Krachte  also  die  neue  Rede  des  Reichs.
kanzlers  der  Linken  eine  Erttäuschung,  umsomehr
  als  der  Reichskanzler  auf  mehrere  in  der
Delatte  angeschnittenen  Fragen  überhaupt  nicht
einging.  Den  breiteren  Raum  in  feinen  Busführungen
  nahm  die  auswärtige  Polstik  ein.  Wir
lassen  diesen  Teil  seiner  Rede  hier  solgen.  Der
Reichskanzler  sagte:

Deutsc,land  und  die  Umwälzung  in
ußland.

Der  weltgeschichtliche  Vorgang  in  Rußland
stebt  an  der  Spitze  der  Ereignisse.  Soweit  uir
hier  erkennen  können,  ist  Zar  Nikolaus  das
Opser  eigener  tragischer  Schulo  geworden.  Seit
alter  langer  Zeit  waren  Preusten  und  Rußland
durch  eine  maditionell  gewordene  Freundschaft
rerlunden.  Aber  im  russischen  Herrscherhaus
war  der  letzte  Träger  der  akten  guten  Beziehungen
  eigemlich  schon  mit  Alerander  II.  ins  Grab
geunken.  Uneingedent  der  Bande,  die  die  benack
  barten  Reiche  durch  ein  Jahrhundert  ver.
kirüpft  hatten,  uneingedent  der  Tatsache,  daß
leine  vitalen  Interessengegensätge  beide  Län.
der  freunen,  glitt  der  Zar  mehr  und  mehr
in  das  Fahrwasser  der  Entente  und  geriet
schließlich  in  rine  so  starte  Abhängigkeit  von  der
in  dem  antokratischen  Regime  herrschenden
Kriegspartei,  daß  er  in  den  Schidsalstagen  des
Juli  1914  den  Appekl  des  Kaisers  an  die  lang.
jährige  Freundschaft  ungehört  verhallen  ließ.

Eine  bei  unseren  Gegnern  von  jeher  beliebte
Legende  war  es,  daß  die  deutsche  Regierung
es  gewesen  sei,  die  das  realtionäre  autofratische
Negime  in  Rußland  gegen  jede  freiheitliche  Bewegung
  unterstützt  habe.  Schon  vor  einem  Jahre
habe  ich  hier  im  Reichstag  erklärt,  dass  dies
eine  den  Tatsacken  direkt  widersprechende  Behauptung
  ist.  Als  Rußtand  im  Jahre  1905
durch  den  japaniscken  Krieg  und  die  darauffol.
gende  Revolntien  in  eruste  Note  gestürzt  war,
war  es  der  Kaiser,  der  dem  Zaren  Nikolaus
auf  Grund  seines  perfönlichen  Freundschaftererhällnisses
  dringend  geraten  hat,  sich  den  betechtigten
  Reformwünschen  seines  Volkes  nicht
länger  zu  widersetzen,  also  das  genaue  Gegenteil
  von  dem,  was  auch  heute  wieder  zu  sehr
durchsichtigen  Zwecken  behauptet  wird.  Zar  Nilolaus
  ült  andere  Wege  gegangen,  Wege,  die
weder  den  Interessen  seines  eigenen,  noch  un
seres  Landes  entsprachen.

Wie  die  Dinge  sich  jetzt  weiter  entwickeln  wer.
den,  lann  wohl  niemand  vorhersagen.  Uns  ist
die  Stellung  zu  den  russischen  Vorgängen  klar
rorgezeichnet.  Wir  werden  auch  weiterhin  den
Grundsag  lefolgen,  uns  in  die  inneren  Verhält.
nisse  fremder  Länder  nicht  einzumischen.  (Bei.
sall.)  Von  mis  wollender  Seite  werden  jetzt  mit
allen  erdenllichen  Mitteln  in  der  Welt  Nachrich

 

rungene  Freiheit  des  russischen  Volkes  vernichlen,
  der  Kaiser  wolle  die  Herrschaft  des  Jaren
über  die  geknechteten  Untertanen  wieder  herstellen.
  Diese  Ausktreuungen  sind  eitel  Lüge  und
Verleumdung,  was  ich  hiermit  mit  allem  Nachdruck
  seireile.  Wie  sich  das  russische  Volk  sein

zu  kommen.  Seine  vergrämten  Züge  erhellten
sich  ein  wenig,  ein  Senkzer  der  Erleichterung
stahl  sich  aus  der  gequälien  Brust  empor.

„Irmgard  muß  fort,“  murmelie  er,  „so
schwer  ich  meinen  Liebling  auch  entbehre,  will
ich  vorläufig  doch  ohne  sie  fertig  zu  werden
suchen.  Ich  schicke  sie  zu  Beate,  dort  ist  sie
gut  ausgehoben.“

Er  begab  sich  ins  Ebzlmmer,  wo  das  Diner
schon  für  ihn  aufgetragen  war.  Die  kräftige
Bouillon  belebte  seine  Nerven,  der  Wein  rann
wie  flüssiges  Feuer  durch  seine  Adern.  Heute
vermißle  er  seine  Tochter  nicht,  denn  während
der  Mahlzeit  dachte  er  angestrengt  über  seine
Frekäre  Lage  nach.

Nach  dem  Essen  schrieb  er  stundenlang  in
seinem  Zimmer.  Dann  ließ  er  den  Buchhalter
Howald  zu  sich  bilten.

Ein  schlanker,  junger  Mann  mit  elnem
ernsten,  edlen,  schon  etwas  verarbeiteten  Gesicht
  erschien.  Unauffällig  betrachtete  er  sorgenvoll
  die  bleichen,  vergrämten  Züge  seines

„Ich  F  heute  nicht  ins  Geschäft  kommen,“
  sagte  Petzold,  nachdem  er  seinem  ersten
Beamten  höflich  einen  Platz  geboten,  „londern
meine  aisattorresponbenen  erledigen.  Ist
etwas  Besonderes  vorgefallen  ?“

„Ni  deringste  von  Bedeutung,  Herr

old,  ich  werde  schon  allein  damit  serilg,
und  Sie  tun  gut,  auch  morgen  auszuspannen.

rx  ien  aus.
E“———
and  jie  in  noch  einen  von  der
Arbeil  zurs  enderv,  da  ich  miuch  ja  undsoms.


¶
2  ui0  vettufsen  kann,  sieb
Treffen  Sle  alle  ofitionen  nach  elgenem

 

Ermessen.  Es  bederf  bel  ungewshnlichen  Fadllen

ten  verbreitet,  Deutschland  wolle  die  kaum  er

 

*  feiner  Fräge  an  mich,

Haus  einricktet,  ist  augenblicklich  selne  eigen
Angelegenheit,  in  die  wir  uns  nicht  elnmenge
(Beifall.)  Eir#ige,  m#s  wir  wünschen,  is
daß  sich  in  Nabland  Zuschnde  entwickeim  mör
den,  bie  es  zu  einem  sesten  und  gesichert.  u  Boi
wert  des  Friedens  machen.  (Lephafter  Beifall.
Tragt  die  Neuordnung  der  Dinge  dazu

die  Wiederannön#ung.  der  beiden,  auf  gute
Nackbarschaft  angewiesenen  Völker  zu  erleichierr
so  begrüßen  wir  das  mit  Freundschast.  (Beifall.,
Wir  haben  unter  den  Sunden  des  alien  Ruf,
lands,  das  Serbiens  Mordanschlag  gegen  Oesier,
reich-Ungarn  gedect,  im  Juli  1914  gegen  uns
mobil  gemacht,  das  im  Dezember  1916  als  erster
unserer  Feinde  unser  Friedensangebot  höhnisch
abgelehnt  hat,  selbst  gemig  gelilten.  Das  ruf.
sische  Bolk,  das  diefen  Krieg  gewiß  nicht  ger
wollt  hat,  kann  ohne  Sorge  vor  irgendwelcher
Einmischung  von  unserer  Seile  sein.  Wir  begeh
#den  nichts  anderes,  als  möglichst  bald  wieder  in
Frieden  mit  ihm  zu  leb  .  (Lebliaster  Beisall)
in  einem  Frieden,  der  auf  einer  für  alle  Teile

 

Lebrenvollen  Grundlage  ausgebaut  in.

717  1½  Amerika.

In  den  nätllisten  Tagen  versammeln  sich  die
Vertreter  des  amerilanischen  Volkes,  die  vom
Präsidenten  Wilson  zu  einer  außerordentlichen
Sitzung  des  Kongresses  zusammenberufen  sind,
um  über  die  Frage,  ob  Krieg  oder  Frieden,  zwischen
  dem  amerilanischen  und  deutschen  Volk,
zu  entscheiden.  Deutschland  hat  niemals  die  geringste
  Aksicht  gehabt.  Amerlla  anzugreisen,  und
hat  diese  Absicht  auch  heute  nicht.  Es  hat  niemals
  einen  Krieg  mit  Amerika  gewünscht,  eben.
sowenig  wie  es  dies  heute  tut.  Wie  ist  denn
der  Lergang  gewesen?  Wir  haben  den  Ver
einigten  Staaten  mehr  als  eimnal  gesogt,  daß
wir  auf  die  unbeschränkte  Anu##endung  der  11.
Bootswasse  in  der  Erwartung  verzichtet  haben,
das  England  dazu  gelracht  werden  würde,  bei
seiner  Rlockadepolitik  die  Gesetze  der  Menschlich
teit  und  die  internationalen  Abmachungen  Zu
beachten.  Diese  Blackadepo##ik,  daran  möchte  ich,
ausdrücklich  in  diesem  Augenklick  erinnern,  iist
vom  Präsidenten  Wilson  seltst  und  dem  Staatssekretir
  Lansing  als  ungesetzlich  und  nicht  zu
verleidigend  (Sehr  richtig)  bezeichnet  worden.
(Hörl!  hört!)  Unsere  Erwartungen,  die  wir
acht  Monate  lang  aufrechterhalten  haben,  mur.
den  völlig  enttäuscht.  England  hat  seine  ungesetzliche
  und  nicht  zu  nerteidigende  Blodadepolitil
  nicht  nur  nicht  aufgegeben,  sondern  andauernd
  verschärst.  Es  hat  in  Gemeinschaft  mit
seinen  Verlündeten  unser  Friedensangebot  hoch
mülig  a#gewiesen  und  Kriegsziele  aufgestelll,  die
auf  unsere  und  unserer  Verbündeten  Vernichlung
  DLinauslaufen.  Da  haben  wir  zum  unbe.
schrankten  U.  Bootkrieg  gegriffen,  da  mußlen  wir
zu  ihm  greifen.  Sieht  hierin  das  amerikanische
Volk  einen  Grund,  dem  deutschen  Volf,  mir
*!s  es  über  hundert  Jahre  in  Frieden  gelebt

 

hat,  den  Krieg  zu  erklären?  Will  cs  damit  das
Blutvergießen  vermehren?  Wir  sind  es  nichl,
die  die  Verantwortung  dafür  tragen.  Das  deut.
sche  Volk,  das  weder  Haß  noch  Frindschaft  gegenüber
  Amerika  empfindet,  wird  auch  dies  zu
eriragen  und  zu  überwinden  wissen.  (Brano!)

China.

Die  chinesische  Regierung  al  ihre  Veziehungen
zu  uns  abgebrochen.  Der  chinesische  Gesandte  hat
seine  Pässe  verlangt.  Unsere  Beziehungen  zu
Cl  ina  sind  stels  sreundschaftlicher  Nal#ur  genesen
  und  wenn  die  Beziehungen  jetzt  ein  Ende
cgesunden  haben,  so  brauche  ich  nicht  zu  sagen,
daß  hier,  nicht  ein  freier  Entschlus  der  chinesischen
  Regierung  vorliegt,  sondern  daß  sie  nur
unter  dem  Druck  unserer  Gegner  gehandelt  hat.
DAuch)  dürften  finanzielle  Schwierigleiten  dabei
eine  Rolle  gespielt  haben,  deren  China  während
des  Rrieges  nicht  Herr  werden  komte.  Für  un.

 

"„  F  ch  heie  Iyhre  umschließungen
  im  voraus  gut.“

Alfred  Howald  verneigte  sich.  Ihr  Vertrauen
  ehrt  mich,  Herr  Pehold,  und  es  soll
mein  ernstes  Bemühen  sein,  mir  dasselbe  Ju
verdienen."  ·

»Q,IchfiihlemichslmcnfehkocrpsiichärhI
mein  junger  Freund.  Wenn  ich  einen  Sohn
Därtte,  der  so  tüchtig  und  gewissenhaft  wäre  wle
Sie,  würde  ich  Kanz  auf  ihn  sein.“

!  Howalds  blasses  Gesicht  rötcte  sich  vor

Freude.  „Ich  danke  Ihnen  aufs  wärmste  für

diese  gütigen  Worte,  Herr  Petzold,  vielleicht

finde  ich  Gelegenhelt,  Ihnen  meine  tiese  Er.
gebenheit  zu  beweisen.“  ·

Das  würe  nicht  unmögli
schlüsse  sind  so  wunderbar.  #4
kunft  einmal  nötig  sein  sollte,
sich  meiner  Tochter  als  treuer
Sie  mir  das  versprechen,  Herr  Howald?“

„Mit  tausend  Freuden.)  Doch  mag  der
Himmel  Sle  noch  lange  Ihrem  Fräulein  Tochte
erhalten,  denn  in  ihrem  Vater  belitzt  sie  den
besten,  treuesten  Freund“

letzold  entsegnette  nichts  darauf.  Er  relchte

dem  jungen  Manne  die  Hand,  und  Howald

l  les-treu  bie  #inige  hinen  .  war  wie  ein  stummer
.  aneeaeuu·  ·

Euchs  *2“  -  ruhigt,  verlieh  der

in  Korridor  kam  ihm  J  rd  entgegen.

lichtgraue,  mit  ot  verkgechelt.

Schultern

tel
tal  ,  ————  *  aber  den

hre  Wongen
lühlen  noch,  ihre  ##en  leuchteten  in  f###
Seie  relchte  Horvald  die  W
lersi  an  deren  Velent  toltbare  Steinẽ
unkesten.

 

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