Full text : Rosenheimer Anzeiger. 63. Jahrngang (63)

*

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Numiser  2

Die  ranlelche  Wirtschaftsnöte.

Genf,  2.  Jon.  Laut  „Echd  de  Paris“  hat
die  Sasesn.  von  Nochefort  am  Freitag  infolae
Kohlenmangels  den  Betrieb  eingestellt.  .
dem  „Matin“  geschrieben  wird.  steht  eine  grase
Glashütte  bei  Treport  info.  ge  Kohlenmangels
seit  14  Tacen  still.  Der  Mangel  an  Glauber=Salz
  und  anferen  Chemitalien,  der  auf  Transportschuserigleiten
  zurudzusühren  ist,  droht  die
Verschließung  aller  Farbensabriken  der  Rormandie.
  —  Die  Glassabriken  der  Normandie  liesern
  einen  großen  Teil  des  Vedorfes  der  Feldapotheken.
  —  Dem  „Matin“  zufolge  Musie  in
fünf  neuen  Orten  imiol  ge  Kol  hlenmaneis  die
Gasbeleuchtung  eingestelit  merden.  In  zoei
Orten  wird  die  össentliche  Beleuc#in:g  ube#-haupt
  eingestellt.

NRasputin  ermorde!?

2.  Jan.  Nach  einer  Petersburge
Milsn  Parisfer  Biäs  ier  ist  der  ein  Alnsnene.
Wundermönch  Nasputin,  der  schon  so  oft  totgesagt
  wurde,  einem  Mor  *s  nichtag  eilegen.  Die
Petersburger  Stadtpolizei  üaht,  die  Einzelheiten
dieses  Anschlages  geheim.  Wie  „Matiu“  erfährt,
  wird  ein  vornehmnen  u  iürn  Famihien
  verwandter  Pinsker  thioitan  der  in  der
Zarenfamilie  Zutritt  hatte.  als  Urheber  genannt.


In  Anbetracht  der  Quelle  verdient  diesrial
die  Nachricht  vieileicht  größere  Glaubwürdigleit,
auch  in  Anbetracht  allet  übrigen  Umstände.  Rasputin
  soll  Anhänger  des  Friedensichlussez  gewesen
  sein  und  in  diesem  Sinne  am  Jarenhofe  gearbeitet
  haben.  Daß  ihn  da  die  Kriegsheler
aus  dem  Wege  zu  räumen  suchten,  wäre  nicht
verwunderlich,  zumal  sie  in  dieler  Art  Belätigung
  reiche  Erfahrung  besigen.

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Der  Kaompf  zur  See.

Die  Uersenkung  des  „Gaulios“.

Genf,  2.  Jan.  Das  auf  der  Fahrt  von
Korfu  nach  Saloniki  versenkte  Panzerschiff
„Gaulois“  besörderte,  wie  der  „Temps“  meldet,
  für  die  Salonili-Armee  bellimmt:  serbüche
Truppen.  Der  „Gaulios“  i#t  nach  dem  Verlust
  von  „Leon  Gambetta“,  „Bouvets'“,  „Admiral
  Charnser“  und  „Suffren“  das  fünfte  versenkte
  französische  Linienschiff.  Markseiller  Blätter
geben  die  Zahl  der  Todesopser  des  Schlachtschiffes
  „Gaulios“,  das  unmeit  der  Küste  versenkt
  wurde,  auf  81  an,  während  das  französische
  Marineamt  nur  4  Matrofen  als  tol  meldete.
  Der  Verlust  des  „Gaujios“  trifft  die  Salonikierpedition
  besonders  empfinduch,  weil  der
„Gaulios“  bis  zur  Versenlung  der  „Suffren“
besondere  Aufträge  im  Zusarimenhaig  mit  dieser
  Expedition  auszuführen  hatte.  Die  Versenlung
  des  „Gaulios“  durch  kines  unserer  Unterseeboote
  im  Mittelmeer  ist  für  oi#n#  franzöfische
Marine  ein  um  so  schwmererer  VNerinst,  als  erst
vor  Monatsfrist  50  Seemeilen  westrich  von  Lihabon
  das  bereits  erwähnte  Linienschiff  „Suffren“
von  demselben  Schicklal  ereilt  aurde.  War  der
„Gaulios“  auch  kein  modernes  Linienschiff  mehr,
so  hatte  er  doch  immer  einen  nicht  unbedentenden
Gefechtswert.  Er  bildete  nit  „Chartemagne“
und  „St.  Louis“  eine  Klasse  und  war  1836
vom  Stapel  gelassen.  Er  war  117,5  Mete-  lang.
Die  Friedensbesatzzung  betrug  633  Mann,  wor
also  beinahe  ebenso  stark,  wie  oic  der  „Suffren“,
die  655  Mann  an  Bord  hatte.  „Gaulios“  hatte
übrigens  bei  den  Kämpfen  an  den  Dardanellen

Mose#sesen  M##

 

–.e.

 

ietn“n  ————  *%  *

 

schon  Schäden  erlitten,  die  dann  aber  wieder
ausgebessert  wurden.

 

Die  amerikanischen  Viehtreilber  auf
engl.  Pferdedamopsfern.

Neuyork,  2.  Jan.  Staatssekretär  Lansing
bat  beschlossen,  daß  diejenigen  amerikanischen
Matrosen,  die  bei  der  Torpedierung  der  „Russian“
  ums  Leben  gelommen  sind,  nicht  als  Amerikaner
  zu  betrachten  sind.  Denn  da  sie  sich  für
Transport  einer  kriegführenden  Macht  verpflichteten,
  sie  dunjenigen  amerilanischen  Bürgern
gleich  zu  achten,  die  in  den  Dien't  eines  fremden
Heeres  eingetreten  sind  und  dadurch  freiwillig
auf  den  Schutz  ihrer  Regierung  verzichtet  haben.
Die  „Russian“  war  ein  britischer  Pferdetransportdampfer,
  der  nach  einer  amllichen  Meldung
der  englischen  Admiralität  am  14.  Dezember
angeblich  leer  nach  Westen  fahrend,  von  einem
Unterseeboot  im  Mittelmeer  versentt  wurde.
Dabei  sind  nach  einem  englischen  Bericht  11
Mann  der  Besatzung  und  17  amerikanische
Maultiertreiber  getötet  worden.  —  Die  Stellungnahme
  Lansings  ist  eigentich  selbstoerständlich,
  aber  im  Hinblick  auf  frühere  Vorgänge
immerhin  bemerkenswert.

die  Pforle  der  Moldan.

Von  Oberst  Immanuel.

Für  die  Verteidigung  Rumäniens  gegen  die
Mittelmächte  boten  die  breiten  und  hohen  Grenzgebirge
  manche  nicht  ungünfligen  Bedingungen.
Sie  wurden  aber  durch  die  ungeheure  Frontausdehnung
  erheblich  abgeschw  ichi.  Auf  der  mächtigen
  Front  der  Walachei  und  der  Moldau  vermochte
  sich  das  rumänische  Heer  gegen  die  überlegene
  Heerführung  und  die  alles  ve#r  sich  niederwerfende
  Stoßlraft  der  Miltelmäckte  nicht  zu
halten.

hat  sich  die  Hreresfront  Mackenien  dorch
die  JWt  bis  in  eine  Linie  vorgeschoben,  die
sich  mit  dem  rechten  (illichen)  Flügel  an  die
Donau  südlich  Braila  s#ützt,  mit  der  Mitte  (wesllich
  Filipesti)  den  Fluß  Buzan  übernuert  und
mit  dem  linken  Flügel  über  das  Städtchen  Rimnicul-Sarat
  hinaus  bis  in  die  Vorgebirge  der
Transsylvanischen  Alpen  reicht.  Sie  steht  hiermit
  genau  vor  der  sogenannten  „Pforte  der
Moldau“.  Jenseits,  also  östlich  der  Donau,  ge-7——


 

hörl  die  Dobrudscha  nahezu  ganz  uns.  Wir
haben  Tulcea  (Tultscha)  an  der  Verzweigung  der
Donaumündungen  und  Isoccea  westlich  Tulce#a
genommen  und  damit  die  russische  Nachhut  in
doen  Stromwinkel  bei  Matichin  (Mazin  gegenüber
  Braila—Galatz  georängt.  Lints  von  Mallensens
  Heeresgruppe,  deren  linken  Flügel  die
neunte  Armee  bildet,  setzt  die  Armee  ##  unsere
Front  nach  Norden  hin  fott.  Sie  länpit  in  den
oberen  Tälsern  der  Zabula,  Naruja,  Putna,  des
Oitoz,  Uz  und  Trotus  mit  den  rumänisch-russt
schen  Kräften.  die  den  Eingang  von  Siebenbürgen
  her  in  die  moldauische  Eben#  am  miittleren
Sereth  verteidigen.

Die  „Pforte  der  Moldau“  isl,  wenn  wir  diese
Gesamllage  betrachten,  ein  strategischer  Abschnitt
von  großer  Bedeutung  geworden.  In  allen
Kriegen  an  der  unteren  Donau  hat  sie  seit  den
ltesten'!  Zeiten  eine  entscheidende  Rolle  gespiett.

Durch  den  schmalen,  nur  75  Kilometer  breiten
Naum  zwischen  dem  Donaulnie  bei  Braila—Galatz
  und  dem  Abhang  des  Gebirges  bei  Rimnizul-Sarat
  zogen  vor  Jahrhunderten  die  Türken,
um  die  Moldau,  um  Bessararicn  zu  erobern.
Seit  Peter  dem  Großen  gingen  die  Russen  hier
zum  Angriff  vor.  Die  Heere  der  Zarin  Katharina
  II.  rangen  mit  den  Türien  ir  zwei  Kriegen
C768  bies  1774  und  1787  bis  1792)  um  die
Serethlinie  ohne  die  Moldau  behaupten  zu  können.
  1808  und  1828  wurde  hier  gefochten,  im
Krimkrieg.  mußten  die  Ruisen  aus  der  Moldau
weichen,  als  die  Westmächte  Schaflopol  angrifen.
  1859  siel  die  alte  politü#me  Grenze  zwischen
der  Walachei  und  der  Moldau  fort,  die  durch
den  Unterlauf  des  Sereth  und  des  Milcov  gebildet
  worden  war.  Ein  einheitlicher  rumänischer
Staat  entfland,  sunächst  noch  im  Abhängigkeitsverhältnis
  zur  Türkei.  Der  Russisch-Türkische
Krieg  brachte  1878  dem  Königreich  Rumänien
die  Selbiständigkeit.

Der  neue  Staat  schuf  sich,  abgesehen  von  der
Lagerfestung  Buikarest,  die  si.h  im  Weltkriege  als
unhaltbar  gegen  unseren  Anoriff  erweisen  sollte,
an  der  Serethlinie  eine  grohangeiegte  Feslungsfrerre,
  um  die  Pforte  der  Moldau  abzuschließen.
Sie  war  ursprünglich  gegen  Rußtand  gedacht,
hat  aber  im  Laufe  der  Zeit  eine  Er###terung  dahin
  erfahren,  daß  sie  auch  mit  der  Front  nach
Süden  hin  ausgenützt  werden  konnte.

Der  östliche  Stützpumt  des  Abichzrusses  ist  Galah
  (Galiti).  Die  Stadt  lieat  zur  Verteidigung
nicht  ungünftig.  Ostuärts  deckt  sie  die  breite  Donaumündung,
  nach  Süden  das  Mündungsland
des  Sereth,  nach  Norden  decken  sie  die  gro
Seen  an  der  Mündung  des  Pruth.  Die  offene
Westlfront  ist  durch  einen  Gürtel  von  Forts

4

Donnerstag,  4.  Jasiukk  1012
*°*...——

abgeschlo  die  um  die  Staßt  —  einen
Ri  n  Kilometern  Ansdehnusg  bilden.
Braĩla,  r  #W###4  sabube  Gakat  und  von  l
terem  dur  zachen  Szueih  #e  sein  c
freW,lcthtde-c  keine  stündle

Die  Mitte  der  Sereth  a  is  bie  *
ruppe  vvn  Namo  itug  G  bethalb
Galatz.  Sie  iuG  F6  mehreren  *  die  sich
auf  beide  Flußufer  verteilen.  So  wurde  ein
doppelleiti  Brückenkopf  geschafsen,  der  sowohl
für  einen  Mderstand  am  Tüblchen.  wie  am  nsrdlichen
  Ufer  gebraucht  werden  kann.

Der  westliche  Stützpunkt  der  Serethfront  ist
die  Stadt  Fokschani  (Foczaui),  30  Kilometer

wordwestlich  Namolosa.  Sie  liegt  am  Südufer
des  Sereth  und  soll  den  R

Fluß  und  dem  aum  zoiscken  dlesem

bebirge,  der  elwa  25  Kilometer
breit  ist,  S#eh  Als  Knotenpunkt  vieler
wichtiger  Straßen,  u.  a.  von  Buzau,  Galatz,
Tecuiu,  auch  als  Eisendahnpunk",  hat  sie  militärische
  Bedeutung.  Sie  zählt  25000  Bewohmer;
  die  Umgebung  ist  eine  der  bestangebauten
Gebiete  des  Landes.  1789  schlug  hier  Prinz
Friedrich  Josias  von  Koburg  mit  den  vereinig
ten  Desierteichern  und  Russen  die  Tarken.  Die
heutigen  Werke  liegen  in  Gürtelform  zu  deiden
Seiten  des  Milcov.

Die  Werke  von  Galatz  bis  Foischani  sind  in
Gestalt  von  kleinen  Panzerforte  nach  Art  von
Bularest  angelegt,  denn  Brialmont  vat  auch
hier  die  Sunurfe  sestgelegt.

Der  Sereihe  in  seinem  Unterlauf  ein  Fluß
ron  50  bi  hisene  Breite  und  führt  in  der
gergen  5§Pe  Wasser  zwischen  einen  zumpfigen

 

r  "  6"
Die  Kämpfe  in  der  D  Dobruoscha.
Sofia,  2.  Jan.  Der  Generalllabsbericht

vom  1.  Januar  meldete:  In  der  Dobeudscha
dauert  die  Offensine  gegen  den  Brücenlopf  von
Macin  an.  Unsere  Beute  erhöhte  sich  auf  11  ##
Soldaten  und  6  Offiziere  als  Gesangene,  3
Geschütze  und  14  Maschinengewehre.

Der  Bericht  vom  2.  Janua-  besagte:  Nac#h
einem  äußerst  erbitterten  Kamrf  warjen  wir
den  hartnäckig  widerstrebenden  Veind  aus  der
mächtig  befestigten  Stellung  en  der  Cote  564
und  der  Cote  197  bei  Lucovtezu.  Wir  besetzten
die  ganze  feindliche  Stellung  und  Lucovicza.  Der
Gegner  zog  sich  auf  eine  rückwaitige  gut  beneitate
  Siel#n  zurück,  die  üich  auf  einer  Linie
300  Schritt  östlich  von  Macin  und  nördjich  bis
zur  Cote  105  an  der  Donau  erstreckt.  Wir  mach
ten  noch  217  Russen  zu  Gefangenen.

Die  Dobrudscha  bulgarisch.

Sofia,  2.  Jan.  Viel  demerkt  wird  in  der
Presse  eine  Aeußerung  des  Ministerpräsidenten
Nadoslawow  anläßlich  der  Einnahme  von  Tult
schea,  wonach  die  ganze  Doorudicha  Bulgarlen
angegliedert  wird.

———

Ein  türlischer

Vericht.

Konstantinopel,  2.  Jan.  Das  Hauptquartier
  meldet:  Die  Englänte-  verbretten  Nach
richten  von  grohen  Siegen  bei  El  Arisch  und
Mggdabah,  indem  sic  die  Zahl  der  Ecsngenen
und  der  Beute  Übertreiben.  Wir  raumten  El
Arisch  freiwillig  ohne  Kampf.  Es  ist  wahr,  daß
bei  Magdabah  en  Kampf  slattfand,  in  dessen

Verlauf  unsere  Vorhut  Vemufte  erlitt.  Die
Bedeutung  des  englischen  Verilustes  läfft  sich
aus  der  Tatsache  ermessen,  daß  die  Engländer
Magdabah  bereits  wieder  räumten  und  sich  auf
El  Arisch  zurückzogen.

 

Morgenrot!

Relas  del  Wilhelm  »23  Krotbe.

53  ——

Mit  tränenden  eu#en  i-  5*#  *Pv5  dn  am
Fenster  und  schumte  lincus  a#f  den  att.

Aber,  was  war  denn  das?  irc  hatte
leit  dem  Kampftage  noch  nicht  wieder  da  in
den  Part  hinunter  geschnut.  Zmei  große  Hugel
wölbten  sich  da  uner  dem  Schannen  der  Buchen
und  Tannen

Waren  das  Grä

Wirklich,  es  maren  welche.  Einfache  weiße
Krenze,  roh  aus  Hellrplatten  gezimmert,  erhoben
sich  auf  ihnen.  Militöärische  Kopsbedeckungen.
Tschapkas  waren  es,  und  fran  zösische  Dregonerbelme
  waren  auf  sie  ausgestulpt.  Soldatengraber!
  Die  ersten,  die  sie  sah.  Ihr  schauerte
es  bei  dem  Anblick,  und  wieder  baume  lich
ihr  Stolz  und  Haß  auf.  Was  hatten  diese
Barbaren  ihre  Toten  gerade  hier,  in  dem
Parke.  vor  ihrem  Fenster  zu  begrauben?

Wieder  durch  zitterte  ein  leichtes  Frösteln
ihre  zarte  Gestalt,  und  wenn  sie  auch  am
liebsten  vom  Fenster  zurückgetreten  wäre,  e5
zog  sie  an  diesen  einfachen,  mit  Blumen  und
Grün  geschmückten  Hügeln  etwas  an.  Sie  aber
wußte  nicht  so  recht,  was  es  war.

o  sahen  Soldatengräber  aus?  Und
so  einsach  bengresfen  betteten  diese  deutschen
Barbaren  ihre  teueren  Tolen.  Welch  eine
rührende  Lamerabentiere  strömte  doch  solch
ein  Grab  da  unten

daneben  Me  der  gefallenen  Feinde!

ier?

 

n
Die  loten  Franzosen!.  Wer  mochte  sie  da  so

chön  geberitet  haben?  Allerduge,  wie  geschmadloe,
  direkt  neben  ihren  Fe#nden:  Konnte
man  ihnen  nicht  Einen  anderen,  würdigeren
Platz  aussuchen?  Ja,  i  o  eben  sind  diese
Deutschen,  und  da  #ukdertt  sie  sich,  daß  man
sie  Barbaren  nennt!  —

Genevicve  war  noch  ganz  in  diese  Gedanken
  versunken,  als  der  deutsche  Arzt,  ohne
lange  anzuklopfen,  cintrat.

„Mademoiselle  Komtesse,“  sagte  er,  „Ihr
Diener  teilte  mir  eben  erst  Näberes  über  das
gräfliche  Haus  und  Sie  mit.  Entschuldigen
Sie,  daß  ich  Sie  da  vorhin  ein  bischen  anders
btuliert  habe,  ass  es  Ihnen  zusteht.  Doch  zur

Sache:  Es  sind  alle  Verwundeten  bis  auf  den
franzölsischen  Offizier  transportfähig.  Ich  möchle
ihn  der  Gefahr  nicht  aussetzen,  denn  lockert  sich
einer  der  Verbände  bei  den  Erschütterungen
des  Fahrens,  dann  kann  es  leicht  zu  einer
inneren  Verblutung  kommen,  dem  Uermsten
hat  man  übel  mitgespielt,  aber  er  schelnt  sich
brav  und  sehr  tapfer  gewehrt  zu  haben!“

“  zun  alle  Franzosen!“

-a  ja,  darüber,  Mademesfele  Komtesse.
  1  wir  beide,  meder  Sie  noch  ich,
jent  zu  entscheiden“,  dlebte  er  sehr  kühl  hinzu.

ie  sah  sofort,  daß  ihr  ———  und
ihr  Haß  gegen  die  deutch  chen  Sieger  ihr  elnen
su5  Streich  hätten  splelen  lönnech,  und  so  blieb

1
Site  k  Et

egenüber  die  Anwesenbelt  "*l*  9*  *
1——  unter  kelnen  Umständ

Ihnen  eine  Vescheinigun  “%  6#  6t.

Behelligung  v  Feverwuketen  àudqubalten.

  n%  bren  Feben  deutschen  Arzt,

 

Fo

 

dem  Aermsten  zu  belfen,  soweit  es  in  seinen

Kräften  sieht:  Endlich  aber  —  und  das  ist
meine  eigentliche  Bitie  —  sollte  einmal  ein
deutscher  Soldat  in  solch  einem  Zufstande  in
Ihr  Schloß  eingeliefert  werden,  dann  pilegen
Sie  ihn  ebensogut  wie  den  Franzosen!  Das
ist  Menschen,  und  Christenpflicht.  Und  nun  leben
Sie  wohl,  Gräfin,  ich  muß  fort,  denn  hier
werden  sich  demnächst  gewallige  Kämpfe  abspielen!“


Er  machte  eine  höfliche  Verbeugung.  ging
ruhig  hinaus,  ordnete  das  Verla  r  Ver
wundeien  und  rit,  nochdem  er  n  ver  fen
Pferd  heschwungen  hatte,  davon.  Die  Wagen
mit  ihrer  tlunigen  Last  rasselten  binterdrein.

zten  Worte  des  Deutschen  batten
Oencoiever  wie  Keulenschlüge  getroffen,  und
mit  tiefem  Schrecken  im  Herzen  jant  sie  nun
wieder  in  einen  Sessel.  Doppelt  traf  es  lie.
denn  was  der  deutsche  Arz  ihr  da  in  rücksichteloser
  Weise  über  ihren  Verlobten  Lesagt
datte,  war  ja  auch  ganz  gatseh  für  das
arme  jetzt  alleinstehantte  hargen

Genevieve  begann  bilterlich  zu  weinen.
Es  war  ja  so  furchtbar,  so  entseglich,  *.  das
ganz  allein  durchmachen  zu  müssen.

Verwöhm  hatte  der  Vater  sie  In  derlel
Dingen  ja  allerdings  nie,  nein,  im  Gegenteil,  was
er  an  Unbequemlichketten  auf  ihre  schwachen
Frauenschultern  batte  abwälzen  können,  das
batte  er  reichlich  getan.  Aber  feinen  Nat  hotte

 

er  ihr  stets  berelttuhignt  gegeben,  und  der  war

immer  auosgezeichnet  geweson;  so  war  sie  e  6
lich  immer  nur  die  Vonstreckerin  seines
ewesen,  und  nun,  in  den  schwersten  Jett#

ie  ein  Mole  und  jeder  einzelne  in  ihm  du
machen  munte,  in  dem  schweren  Kriege,  da  war

er  nicht  da.  sein  Nat  sehlte-  ir

Wo,  in  Gottes  Namen,  mochte  er  nur
sein?

Warum  schrieb  oder  lelegraphierte  er  nicht?

Genevieve  war  doch  immier  noch  in  rielen
Dingen  ein  großes  Kind,  sonit  härte  sie  nicht
solch  geradehu  naive  Gedanken  haben  können.

Und  nun  locknete  sie  die  Tränen  und
sann  und  sann.  Ja,  warum  zitterte  ihr  Herz
denn  nicht  mehr  oder  schiung  schneller,  menn  sie
an  ihrein  todwunden  Bräutigam  dachte
Warum  denn  nicht?  Sie  zürnie  sich  selbst!

wollte  dech  traurig  sein!  Aber  nur  das  Gesühl

großen  Mitleides  über  das  Schicksal  eines
armen  Freundes  machte  sich  bei  ihr  geltend,
mehr  aber  auch  nicht.

Dann  wieder  schamte  sic  sich  ihrer  Verzagtbeit,

  die  sie  nun  bei  jeder  Gelegenheit
bberel.  Aber  das  Schlimmste  waren  die  —
Neroen!

Entsetzlich  war  das!  Aengsich.  Gtichret
fuhr  sie  empor,  wenn  sich  irgend  Geräusch
  dem  Schlosse  näberte.  Dumipf  unne  es
eines  Tages  von  Norden  herübergegrollt  wie
ein  fernes  Gewitter;  dafür  aber  leit  das  murrende
  Rollen  zu  lange  an.  Flüchtende  Landleute
  kamen  müde  und  abgeheht  an,  baten
um  Unterkunst  und  Essen  und  sagten,  ganz--lich
  oganghig  und  nervos  A:  ernd

ia,  s  is  Krieg!  Die  Prüssiens  sind
wieder  our  Omon  ldlieu.
schleßen  mit  onen,  daß  mon  ktaub
und  dumm  wird!  —  Alles  schiesten  sie  kapm#  !=So

  und  äbnlich  serechen  sie  und  heulten
und  jammerten:  Genevièkoe  dörte  mi  Enr.
setzen  zu.  Ja,  jetzt  fühlte  sie  es  stündlich  mehr

 

und  deutlicher,  es  war  Krieg;  der  Kxieg  war